"Es sind mangelnde Chancen, die Frauen in der Formel 1 verhindern"
Eine Frau in einem Formel-1-Grand-Prix? Das hat es seit 50 Jahren nicht mehr gegeben. Dass das daran liegt, dass sie körperlich zu schwach wären, hält man bei „More than Equal“ für einen Schwachsinn. Genau deshalb wurde die Organisation gegründet. Übrigens von niemand geringerem als David Coulthard, der das Projekt gemeinsam mit einem Freund, dem tschechischen Milliardär Karel Komarek, ins Leben gerufen hat.
Der 13-fache GP-Sieger hat eine sehr persönliche Geschichte dazu. Kate Beavan, Strategic Advisor von „More than Equal“, erzählt sie: „Coulthard ist als Kind gemeinsam mit seiner Schwester Lyndsay Kart gefahren. Lyndsay war regelmäßig schneller als er. Aber es war David, der es in die Formel 1 schaffte, weil er gefördert wurde. Lyndsay nicht.“
Starke Frauen in Kampfjets
Was das Thema Physis betrifft, hat Tom Stanton, CEO der Initiative, einen Vergleich: „Die Red Arrows, die Kunstflugstaffel der Royal Air Force, trainieren seit Jahren weibliche Piloten. Auf die Frage, wie sie das Training für Frauen anpassen, war die Antwort: ,Gar nicht.‘ Männliche Piloten bestätigten, dass ihre Kolleginnen bessere Entscheidungen trafen, sich besser vorbereiteten, bessere Leistungen zeigten. Und das in Kampfjets, die höhere G-Kräfte erzeugen als ein Formel-1-Bolide.“
Woran liegt es dann? Will man Frauen einfach nicht in der Formel 1 haben? Kate Beavan meint: „Es sind bestimmte Umstände und mangelnde Chancen, die Frauen in der Formel 1 verhindern.“
Wienerin unter den besten Fahrerinnen
Das soll sich ändern. Am besten mit Ivonn Simeonova. Sie wurde nicht nur entdeckt. Sie wurde ausgewählt. Aus 6.000 identifizierten Fahrerinnen weltweit kamen sechs in das Programm – eine davon ist die Wienerin. Tom Stanton erklärt, warum: „Als wir sie interviewt haben, haben wir Leidenschaft, Antrieb und Besessenheit gespürt. Sie will es wirklich.“
Aber Ivonn Simeonova hat noch etwas. „Sie sucht aktiv nach Kritik“, sagt Stanton. „Ob Junge, Mädchen, Teenager oder Erwachsener – niemand sucht nach Kritik. Gewinner tun es. Nach jedem Lauf kommt sie mit Fragen zum Truck.“
Veronika Komarkova, die bei „More than Equal“ den Bereich Persönlichkeitsentwicklung verantwortet, ergänzt: „Ivonn übernimmt Verantwortung für ihren Weg.“ Dabei sei sie schüchtern gewesen – verständlich für ein Mädchen, das sich gegen Burschen mit spitzen Ellbogen behaupten muss. „Wenn die herausfinden, dass unter dem Helm ein Mädchen steckt, fahren sie aggressiver.“
Das Programm hat ihr Medientraining ermöglicht, Auftritte organisiert, Situationen geschaffen, in denen sie wachsen konnte. Und Tom Stanton sagt: „Sie lernt mit einer beängstigenden Geschwindigkeit. Man muss ihr etwas nur zweimal zeigen – und sie hat es drauf.“ In einem Sport, der Entscheidungen im Millisekundenbereich verlangt, hilft das.
Auch Geld ist nicht männlich
Dann ist da noch ein Punkt. Kate Beavan: „Der größte entscheidende Faktor für ihren Erfolg ist das Geld.“ Der Weg vom Kartfahren in die Formel 1 kostet zwischen zehn und 25 Millionen Euro. Talent, Connections, Resultate – das alles braucht es. Aber nichts davon hängt vom Geschlecht ab. Auch die Finanzierung ist für alle gleich brutal. Stanton sagt: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. Und es wird ein österreichisches Dorf brauchen, um dieses Kind großzuziehen.“
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