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Keine WM für ÖFB-Star Trauner: "Es war ein Rennen gegen die Zeit"

Gernot Trauner fehlt im ÖFB-Kader für die WM. Wie er es erfahren hat, was es mit ihm gemacht hat und was er für seine Zukunft plant.
Gernot Trauner

Gernot Trauner hat es nicht in den WM-Kader geschafft. Doch es war knapp, nachdem der 34-Jährige nach einer langen Leidenszeit zum Ende der Saison bei Feyenoord Rotterdam wieder regelmäßig gespielt hat. Der Innenverteidiger über den harten Weg zurück, das Nein von Ralf Rangnick und seine Pläne für die Zukunft.

KURIER: In welchem Moment haben Sie gemerkt, das wird nix mit der WM?

Gernot Trauner: Es war immer ein Rennen gegen die Zeit. Aber weil die letzten Wochen positiv verlaufen sind, war der entscheidende Moment erst, als der Teamchef angerufen und mir erklärt hat, warum kein Platz für mich im Kader ist.

Wie war die Kommunikation mit Rangnick?

Sehr, sehr positiv. Er hat es einfach so erklärt, wie es ist und wie er es auch den Medien erklärt hat. Dass mit mir und mit Maxi Wöber zwei Spieler dabei sein könnten, die im letzten Jahr gewisse Probleme hatten und nicht 100 Prozent einsatzfähig waren. Dasselbe gilt ja auch für David Alaba, wo ein kleines Fragezeichen steht. Solche Spieler wollte er halt nicht zu viele im Kader haben.

Hilft es, wenn ein Trainer so klar kommuniziert?

Auf jeden Fall. Und vor allem im Vorhinein. Das Gespräch haben wir vier, fünf Tage vor der Kaderbekanntgabe geführt – das ist etwas anderes, als wenn man auf den Kader wartet und dann einfach nicht dabei ist. Klare Kommunikation gibt es in diesem Nationalteam, und das schätzt jeder Spieler.

Wie sind Sie mit diesem Rückschlag umgegangen?

Es hat mich schon getroffen. Ich war ein paar Tage down, weil ich gewusst habe, wie knapp es war. Ich hatte zuletzt zwei große Ziele: noch einmal für Feyenoord zu spielen, weil mein Vertrag ausläuft – das habe ich geschafft. Und dabei zu sein bei der WM. Es war ein paar Tage lang schwierig, sich zu motivieren. Aber die Fußballwelt dreht sich schnell weiter.

Wie kann man sich das vergangene Jahr bei Ihnen vorstellen? Sie haben aufgrund von Knieproblemen meist nur individuell trainiert.

Das war die härteste Zeit in meiner Karriere, mit etlichen Rückschlägen. Man investiert Wochen, Monate, glaubt, man ist schon weiter – und sobald man wieder am Platz ist, hat man dieselben alten Probleme. Es hat sehr lange gedauert, bis wir den richtigen Weg gefunden haben, meinen Körper so aufzubauen, dass er die Belastungen wieder tragen kann. Ich habe nicht immer daran geglaubt, dass es noch einmal wird. Aber ich hatte ein super Team um mich, das mir das Gefühl gegeben hat, dass wir es schaffen können.

Trauner im Feyenoord-Dress

Trauner im Feyenoord-Dress

Sie stehen bei der WM auf der Abrufliste. Wie verhält man sich in dieser Situation?

Ich habe mich die letzten zwei Wochen fit gehalten, damit ich bereit bin, falls ich nachberufen werde. Aber ich habe mir gesagt: Bis 1. Juni mache ich das so, dann fliege ich in den Urlaub. Man kann nicht die ganze Zeit auf Standby sein und dann hat man plötzlich die Urlaubszeit verpasst. Der Urlaub eines Profifußballers ist sowieso kein reines Nichtstun – da gehören Körperpflege und Training dazu, nur eben in einem anderen Ausmaß.

Sie haben fünf Jahre bei Feyenoord gespielt. Was haben Sie in den Niederlanden gelernt, was Sie in Österreich nicht gelernt haben?

Im Spielaufbau und im Ballbesitzspiel habe ich noch einen richtigen Schritt gemacht – vor allem unter Arne Slot. Das war auch der Punkt, warum ich den Weg ins Nationalteam wieder gefunden habe. Beim LASK haben wir viel Gegenpressing gespielt, sehr schnell nach vorne. Bei Feyenoord war alles kontrollierter. Im Aufbau sehr viele Überlegungen – fast wie Schach auf dem Rasen. Da habe ich viel gelernt. Das ist auch das, wofür der holländische Fußball steht: herausspielen, keine hohen Bälle.

Ihr Vertrag bei Feyenoord läuft mit 30. Juni aus. Wie soll es weitergehen?

Meine erste Option ist, noch ein Jahr zu spielen. Wir haben bei Feyenoord einen neuen Technischen Direktor und einen General Manager – es wird Gespräche geben. Sollten wir uns nicht einigen, bin ich offen für anderes.

Gibt es noch ein spezielles Ziel für Sie?

Ich habe keine bestimmte Liga oder Mannschaft im Kopf. Es geht darum: Welcher Klub kann sich das vorstellen? Wie würde das Leben dort für mich und meine Familie ausschauen? Gibt es eine Schule für meine drei Kinder? Ich habe keinen Druck und habe schon mit der Trainerausbildung begonnen. Ich lasse es auf mich zukommen, im Urlaub werde ich meine Gedanken sortieren.

Eines Tages Trainer zu werden, ist schon beschlossen?

Ja. Ich habe einige Einheiten mit der U15 bei Feyenoord geleitet und mir hat das Spaß gemacht. Ich möchte eintauchen in diese Welt und schauen, ob ich dafür talentiert bin. Meine Zukunft sehe ich jedenfalls im Fußball. Ich habe einiges gesehen, sehr gute Trainer gehabt, von denen ich viel lernen konnte.

Auch wenn Ihre Karriere noch nicht beendet ist: Worauf sind Sie rückblickend am meisten stolz?

Darauf, dass ich mich immer zurückgekämpft habe. Und dass ich bei Fans immer gut angekommen bin – mit meiner Art, wie ich einfach bin. Ich bin wirklich dankbar.

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