ÖSV-Generalsekretär Scherer: „Manches ist halt nicht mehr reparabel“
Johann Eliasch und ÖSV-Generalsekretär Scherer (re.)
Beim FIS-Kongress in Belgrad wird es ab Mittwoch heiß hergehen. Skistars von Mikaela Shiffrin bis Marco Odermatt, aber auch viele nationale Verbände, fordern die Abwahl des umstrittenen Präsidenten Johan Eliasch. Auch ÖSV-Generalsekretär Christian Scherer wünscht sich einen Richtungswechsel.
KURIER: Was wäre ein guter Ausgang in Belgrad?
Christian Scherer: Wenn erstens der Sport im Mittelpunkt steht, zweitens die FIS eine neue Führung findet und drittens alle gemeinsam und vor allem geeint die Herausforderungen in Angriff nehmen.
Und das soll ohne den bisherigen Präsidenten Johan Eliasch passieren?
Ja. Ich will ihm keineswegs das Bemühen absprechen, und ich will ihm auch nicht absprechen, dass er in seiner Amtszeit gute Dinge angestoßen hat. Was aber viele irritiert hat, ist die Art und Weise, wie er den Weltverband geführt hat.
Es wirkte nach außen mitunter nach dem Motto: Der Verband bin ich.
Johan Eliasch war und ist es als Geschäftsmann immer gewohnt gewesen, dass er in seinen Firmen die Richtung vorgibt. Das funktioniert aber in einem Verband nicht. Dort ist es wichtig, die Mitglieder nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen, sondern sie mit ins Boot zu holen und eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Und das ist ihm nicht gelungen.
Hat Eliasch nicht verstanden, wie die FIS tickt?
Es war für ihn kraft seiner Vergangenheit und Prägung sicher nicht einfach, alles zu durchblicken. Ich glaube auch, dass er teilweise die falschen Einflüsterer und Personen um sich hatte, vor allem am Beginn seiner Laufzeit. Seit Urs Lehmann als CEO installiert wurde, ist die Kommunikation deutlich besser. Aber manches ist halt nicht mehr reparabel.
Es wurde zuletzt auch öffentlich, dass das Eigenkapital der FIS innerhalb von fünf Jahren von 130 auf 42 Millionen Franken gesunken ist.
Fakt ist, dass man bei der FIS zwar viel Geld investiert hat, der Ausblick in die nächsten Jahre aber leider besorgniserregend ist und daher auch lückenlos aufgeklärt werden muss, ob es überhaupt auch entsprechende Gremialbeschlüsse für alle Entscheidungen gibt.
Wie war Ihr persönliches Verhältnis zum Präsidenten?
Es hat durchaus Phasen gegeben, in denen mit ihm ein Austausch möglich war und man das Gefühl hatte, dass man zusammenarbeiten könnte. Aber wenn man etwas kritisch gesehen hat oder nicht seiner Meinung war, dann hat er es immer als persönliche Kritik aufgenommen. Diese Selbsteinschätzung und die Einsicht, dass auch er – wie übrigens jeder von uns – einmal Fehler macht, ist bei ihm nicht vorhanden.
Johan Eliasch will den Stuhl offenbar nicht freiwillig räumen. Er tritt bei der Wahl mit einem georgischen Pass an, weil ihn seine Heimatverbände Großbritannien und Schweden nicht nominiert haben. Was halten Sie davon?
Laut unseren Informationen soll es diesbezüglich ja sogar mit mehreren Staaten aus dieser Region Gespräche gegeben haben. Ja, es wird wohl alles den Regularien entsprechen, aber die Optik ist schon eine seltsame. Wenn ein Athlet einen Nationenwechsel anstrebt, dann braucht es eine Zustimmung und einen Nachweis, dass man in diesem Land wohnt. In der Funktion des FIS-Präsidenten braucht es das offenbar nicht. Johan Eliasch muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er nicht gerade als Vorbild dient.
Was und vor allem wen braucht die FIS jetzt?
Es braucht auf jeden Fall einen Präsidenten, der kommuniziert und auch die Sorgen und Nöte der Verbände versteht – und dann das Beste aus der aktuellen Situation macht. Denn vieles ist für die nächsten Jahre vorgegeben, es gibt teilweise längerfristige Verträge, die es schwierig machen, gewisse Sachen positiv zu verändern.
Warum hat man sich beim ÖSV auf den Liechtensteiner Alexander Ospelt als Kandidaten verständigt?
Vorweg: Es war ein einstimmiger Beschluss im ÖSV-Gremium. Wir kennen Alexander Ospelt aus seiner Zeit als liechtensteinischer Verbandspräsident und Vizepräsident bei der FESA (Anm. europäischer Skiverband). Er ist sehr integer und hat durch seine internationale Tätigkeit bei der UN ein gutes Netzwerk und diplomatisches Geschick. Er ist ein Brückenbauer, der nicht immer nur von seiner eigenen Idee überzeugt ist, sondern alle mit ins Boot holt. Ich bin sehr optimistisch, dass er die Wahl gewinnt.
Vor welchen Herausforderungen steht die FIS?
Es stellt sich die Frage, ob mehr Skirennen zwangsläufig mehr kommerziellen Erfolg mit sich bringen. Ich bin in der Hinsicht eher ein Verfechter von weniger ist mehr. Es gibt Überlegungen, bei den Rennen gewisse Abstufungen zu machen, wie wir es schon aus dem Tennis kennen. Über allem steht für mich aber die Eventumsetzung. So selbstbewusst können wir in Österreich sein, dass wir mit unseren Rennen Maßstäbe gesetzt haben und setzen.
Deshalb finden mittlerweile so viele Rennen wie noch nie in Österreich statt.
Man muss nur schauen, was allein in den letzten Jahren dazugekommen ist: Wir haben die Slaloms im November in Hochgurgl als Schaufenster für den Sport. Es gibt inzwischen den Nachtriesentorlauf in Schladming, in der nächsten Saison kommt der Frauen-Riesentorlauf in Flachau dazu. Unser Credo gegenüber der FIS war immer: Hilf’ denen, die Hilfe benötigen, aber zwänge nicht jene, die gut arbeiten, in irgendein Korsett.
Wäre die Abwahl von Johan Eliasch ein schöner und würdiger Abschluss Ihrer Tätigkeit als ÖSV-Generalsekretär?
Diese Wahl ist ein wichtiges Thema und Österreich hat da bekanntlich ja eine Mitverantwortung, dass Johan Eliasch dieses Amt überhaupt erst angetreten hat.
Ex-Präsident Peter Schröcksnadel hat sich damals für ihn starkgemacht.
Er hat sich wie viele in ihm für diese Funktion getäuscht. Deshalb ist diese Wahl jetzt umso wichtiger. Die internationale Skifamilie und die Organisation FIS hat sich einen neuen Präsidenten verdient. Und Johan Eliasch bleibt dem Skisport ja ohnehin als großer Unterstützer erhalten. Am Ende sollte es nur Gewinner geben. Johan Eliasch hat wieder mehr Freizeit und kann sich intensiv um HEAD kümmern. Und die Skifamilie kommt in ruhigere Gewässer – und das ist nach den letzten Jahren auch notwendig.
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