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Rücktritt mit 28: Ein Weltmeister hat genug vom Rodeln

Jonas Müller beendet mit 28 Jahren die Karriere. Der Bludenzer fuhr große Erfolge ein und erntete Anerkennung, weil er öffentlich zugab, dass er beim Rodeln mitunter Angst hat.
Rodeln: Weltcup Oberhof

Nur gut, dass Jonas Müller seinerzeit seinem Bauchgefühl vertraut hat, als er sich ernsthaft mit Rücktrittsgedanken herumgeschlagen hatte. Ihm wäre sonst als Kunstbahnrodler so einiges vorenthalten geblieben: 

Glänzende Karriere

Der WM-Titel 2023, zwei Silbermedaillen bei Olympia, drei Siege bei der EM, nicht zuletzt etliche emotionale Momente auf dem Siegespodest. 

„Eigentlich wollte ich 2022 aufhören, weil ich mich nicht für Olympia qualifiziert habe“, sagt der Vorarlberger. „Im Nachhinein bin ich froh, dass ich weitergemacht habe.“

Jonas Müller zählte zu den besten Kunstbahnrodler der Welt

Jonas Müller zählte zu den besten Kunstbahnrodler der Welt

Nun ist Jonas Müller allerdings an dem Punkt angelangt, an dem es für ihn kein Zurück mehr gibt in den Eiskanal. Am Sonntag verkündete der Doppelweltmeister (2019, 2023) seinen Rücktritt – mit gerade einmal 28 Jahren.

Fehlende Motivation

28 Jahre sind grundsätzlich kein Alter für einen Kunstbahnrodler. Im hochkarätig besetzten österreichischen Nationalteam ist Jonas Müller damit sogar der Jungspund, Kollege Wolfgang Kindl wurde im April 38 und macht noch immer keine Anstalten, mit seiner Rodelkarriere so bald Schlitten zu fahren.

Null Bock auf Heim-WM

„Ich habe in der letzten Saison festgestellt, dass mir das Rodeln nicht mehr die Freude macht wie früher“, erzählt Jonas Müller im KURIER-Gespräch. 

Auch die Heim-WM im Jänner 2027 auf der Hausbahn in Igls, wo er 2019 seinen ersten Weltcupsieg gefeiert hatte, diente nicht als Anreiz für eine Verlängerung der Karriere. „Die Motivation ist einfach nicht mehr so da.“

Keine Ziele mehr

Wer kann es Jonas Müller auch verdenken? Das Dasein als Kunstbahnrodler ist ziemlich monoton und erfordert viel Überwindung. Im Sommer pendeln die Sportler zwischen Kraftraum und Werkzeugkammer, im Winter warten die sterilen Eiskanäle. 

Dazu sind dem Heeressportler aus Bludenz die großen Karriereziele ausgegangen. Mit den beiden Silbermedaillen (Einzel, Team) bei den Winterspielen in Cortina hat sich Müller zum Ausklang noch einen sportlichen Lebenstraum erfüllt.

„Vielleicht habe ich es im letzten Winter lockerer genommen, weil ich gewusst habe, dass es wahrscheinlich die letzte Saison war“, sinniert Müller. „Es war jedenfalls der richtige Zugang.“

Großer Respekt

Der Vorarlberger war freilich schon immer ein Mann von ungewöhnlichen Entscheidungen. So verzichtete Müller in den letzten Jahren bewusst auf Starts in Altenberg, weil ihm die Bahn dort nicht behagte. 

Dafür erntete der 28-Jährige vor allem auf Social Media viel Respekt. „Für mich war es überraschend, dass das solche Wellen schlägt. Offenbar trauen sich viele nicht, das öffentlich zuzugeben und zu sagen: ,Ja, ich habe Angst.’“

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