4 Olympia-Medaillen: Warum Österreich eine Rodel-Nation ist

Österreichs Rodler hinterließen auch bei diesen Olympischen Winterspielen wieder eine Erfolgsspur. Das Team holte am Donnerstag mit Silber die vierte Medaille. Seit Albertville 1992 liefern die Pratzler verlässlich ab.
Silber für die österreichische Staffel.

Mit der Favoritenrolle bei Olympischen Spielen ist es so eine Sache. Sie kann mitunter regelrecht lähmen und für schwere Beine sorgen, wie es  zum Beispiel bei den österreichischen Ski-Herren zuletzt im Super-G zu erleben war. Sie kann auch kollektives Nervenflattern auslösen, das dann wie bei den ÖSV-Skispringern  im ersten Bewerb auf der Normalschanze in einer Bruchlandung mündet. 

Es gibt dann aber auch Sportler, die  sich von hohen Erwartungshaltungen und fix eingeplanten Medaillen nicht aufs Glatteis führen lassen. Womit wir auch schon bei den österreichischen Kunstbahnrodlern wären, die auch bei diesen Olympischen Winterspielen wieder ablieferten und die Pflicht erfüllten: Silber im Einsitzer durch Jonas Müller, Silber im Doppelsitzer durch Thomas Steu und Wolfgang Kindl, Bronze bei der Premiere des Frauen-Doppelsitzerbewerbs durch Selina Egle und Lara Kipp. 

Und am Donnerstag Silber in der Team-Staffel. Gold ging an Deutschland, Bronze an die Gastgeber aus Italien, doch auf die österreichischen Rodler war bei Olympia wieder einmal Verlass.

Konstante

Die rot-weiß-rote Erfolgsspur führt zurück bis ins Jahr 1992. Seit den Winterspielen in Albertville fahren die österreichischen Kunstbahnrodler bei Olympia regelmäßig Erfolge ein und schönen mit ihren Podestplätzen die österreichische Medaillenbilanz. Hinter dem ÖSV ist der rot-weiß-rote Rodelverband der verlässlichste Lieferant von Trophäen und Triumphen.

„Es ist Olympia und wir Rodler haben  wieder geliefert und unseren Job erledigt“, frohlockt Markus Prock. Die Rodellegende aus dem Stubaital (17 Medaillen bei WM und Olympia, 10 Gesamtweltcupsiege) leitet seit Jahren als Sportchef und Präsident die Geschicke des  Rodelverbandes und ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass Österreich heute zu den führenden Topnationen im Eiskanal zählt und selbst mit dem Krösus Deutschland regelmäßig Schlitten fährt.

Teamspirit

Den strategischen Vorteilen des großen Nachbarn – in Deutschland gibt  es mit Altenberg, Winterberg, Oberhof und dem renovierungsbedürftigen Eiskanal von Königssee gleich vier Rodelbahnen – setzen die Österreicher  viel Idealismus und Teamspirit entgegen. 

Markus Prock hat  im Verband zahlreiche frühere Rodelstars um sich versammelt, die  ihren großen Erfahrungsschatz weitergeben. Das beginnt beim 61-jährigen Präsidenten selbst, geht weiter bei Doppel-Olympiasieger Andreas Linger, der die Technologieabteilung leitet und setzt sich fort bei Peter Penz, dem zweifachen Olympiamedaillengewinner von 2018.

Expertise

„Wir haben sehr viel Know-how bei uns im Verband gebündelt“, sagt Markus  Prock. „Ich trau’ mich zu  sagen, dass es kaum einen Verband gibt, bei dem so ein großer Zusammenhalt herrscht.“ 

Für die Medaillenmission 2026 haben die Österreicher rund um Chefcoach Christian Eigentler dann aber auch noch eine prominente Expertise von außen geholt: Niemand geringerer als Georg „Schorsch“ Hackl verstärkt seit  2022 das österreichische Trainerteam.

Mit dem dreifachen Olympiasieger aus Bayern kam noch einmal zusätzlicher Schwung ins Team,  in den letzten Jahren haben die österreichischen Rodler den Deutschen den Rang abgelaufen. „Wir haben extrem viel in den letzten Jahren aufgebaut. Es passen alle Puzzleteile zusammen“, weiß der Präsident.

Heimvorteil

Markus Prock wäre aber nicht Markus Prock, würde er nach den olympischen Erfolgen nicht schon die nächsten Ziele vor Augen haben. Seine Kunstbahnrodler haben in diesem Winter bereits zwölf Siege eingefahren und  kämpfen in sämtlichen Disziplinen noch um den Triumph im Gesamtweltcup.

Und dann richtet sich sein Blick auch schon auf den Jänner 2027. Dann gehen die österreichischen Rodler bei der Weltmeisterschaft  auf der Hausbahn in Innsbruck-Igls auf Medaillenjagd – und werden wohl auch dort wieder abliefern. 

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