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Es wäre jetzt wirklich langsam an der Zeit, sich einen neuen Kosenamen für Tadej Pogacar einfallen zu lassen. Kannibale wurde der Slowene dieser Tage erst wieder von der renommierten „L'Équipe“ genannt, aber diese Bezeichnung wird dem besten Radfahrer der Gegenwart nicht gerecht. 

Kannibale mit menschlichen Zügen

Wenn schon Kannibale, dann ist dieser Tadej Pogacar einer mit menschlichen Zügen, der im Gegensatz zu anderen Champions nicht nur auf dem Egotrip unterwegs ist.

Teamplayer

Diese für Seriensieger ungewöhnliche Charaktereigenschaft offenbarte der 27-Jährige auf dem Weg nach Paris zu seinem fünften Triumph bei der Tour der France. 

Tadej Pogacar hätte in den drei Wochen weit mehr als seine fünf Etappensiege einfahren können, in seiner Überform wäre es ein Leichtes für ihn gewesen, auch noch den Allzeitrekord an Etappensiegen bei einer Tour (8) zu brechen.

Aber Pogacar strampelte sich lieber für seinen UAE-Teamkollegen Isaac del Toro ab: In Barcelona überließ er dem Mexikaner den Etappensieg, in der letzten Woche wich er ihm auf den Bergen nicht zur Seite und lotste ihn auf das Podium und zu Rang 3.

Was soll daran, bitteschön, kannibalisch sein?

Lilli Tagger war ein kleiner Stöpsel und lernte gerade das Tennis-ABC, als die letzte Österreicherin vor ihr auf der WTA-Tour einen Turniersieg feierte. 4.753 Tage liegen zwischen dem Erfolg von Yvonne Meusburger in Bad Gastein (2013) und Taggers jüngstem Triumph in Prag.

Meusburger ist eine von insgesamt zehn Österreicherinnen, die sich auf der WTA-Tour in die Siegerliste eintragen konnten. Angeführt wird diese rot-weiß-rote Frauenriege von Barbara Schett (3 Turniersiege), die auch die topplatzierte heimische Spielerin in der Weltrangliste war (7).

Die Austria hat sich das doppelte Déjà-vu erspart und ist mit einem souveränen 5:0-Erfolg im kleinen Wiener Derby gegen den Sport-Club in die zweite Runde des ÖFB-Cups eingezogen. Im Vorjahr waren die Veilchen noch in der ersten Runde an Voitsberg gescheitert. 2022 gab es im Achtelfinale die 1:3-Blamage gegen den Regionalligisten in Dornbach. Von der Sensation war der Sport-Club diesmal weit entfernt.

Erster Schuss, erstes Tor

Die Pleiten waren der Austria Lehren, dementsprechend fokussiert startete sie in die Partie. Und ging gleich mit dem ersten Schuss in Führung. Eggestein hatte Keeper Haas, der von Rapid II zum Sport-Club kam,  überrascht. Da war das Spiel gerade erstmal 63 Sekunden alt. Der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch. Die insgesamt 5.622 Zuschauer im ausverkauften Stadion sorgten für richtige Derby-Atmosphäre.

Während Austria-Trainer Helm zwischen den Europacup-Spielen einigen Akteuren eine Pause gönnte, zog sein Gegenüber und guter Freund Seper alle Register. Der im Vergleich zur Vorsaison neu aufgestellte Ostligist hatte in der Anfangsphase jedoch nicht viel zu melden.

Doch die Austria verpasste es, nachzulegen, und der Underdog wurde mutiger. Waren es zunächst noch vereinzelte Aktionen wie gelungene Tacklings, die von den Fans lautstark gefeiert wurden, schafften es die Hausherren bald auch in den gegnerischen Strafraum. Der erste Eckball samt dem dazugehörenden Schlüsselklimpern auf der Tribüne blieb ungenutzt (19.).

Es gibt Rennstrecken, auf denen der Sieg am Sonntag nach der Poleposition am Samstag eigentlich nur noch Formalität ist. Und es gibt den Hungaroring. Seit Hamiltons Erfolg 2020 hatte hier niemand mehr von Startplatz eins aus gewonnen.

Lando Norris kümmerte das wenig. Der Brite fuhr souverän zu seinem zwölften Karrieresieg, dem ersten überhaupt an einem Ort, an dem er zuvor schon einmal triumphiert hatte, und zementierte gleichzeitig die Rangordnung der letzten Jahre in Ungarn: Nach den McLaren-Doppelsiegen 2024 und 2025 blieb Budapest auch 2026 ein sicherer Hafen für Papaya-Orange.

Der eigentliche Krimi spielte sich aber nicht an der Spitze, sondern dahinter ab. Teamkollege Oscar Piastri hatte sich bereits in Kurve zwei an Norris vorbeigeschoben und die Führung übernommen, während bei Ferrari der Start missriet und Charles Leclerc früh ins Hintertreffen geriet. 

Auch Max Verstappen musste schon in Runde sechs Frust über Funk absetzen, Probleme mit den Stoßdämpfern sollten sein ganzes Rennen begleiten, ohne dass er am Ende daran zerbrach: Der Niederländer hielt beide Ferrari hinter sich und wurde am Ende hervorragender Zweiter.

Overcut (auch) dank Zusammenstoß

Über den Ausgang des internen McLaren-Duells entschied am Ende die Strategie. Piastri bog als erster McLaren an die Box zu seinem zweiten Stopp ab und steckte in Runde 33 die harten Reifen auf. Norris dagegen blieb draußen, überzeugt, im freien Verkehr das schnellere Auto zu haben, und versuchte den Overcut.

Der 26. Juli 2026 wird im Leben der Lilli Tagger immer einen besonderen Stellenwert haben. Denn zum ersten Mal scheint an diesem Tag ihr Name in der Siegerliste eines Turniers auf der WTA-Tour auf. Mit 18 Jahren gewann die Lienzerin am Sonntag ihr erstes Turnier im Erwachsenen-Tennis und gab dabei erneut eine Probe ihres riesigen Talents ab.

Tagger besiegte im Finale des WTA-250-Turniers in Prag die 24-jährige Ukrainerin Daria Snigur mit 7:6, 6:2 und wird in der Weltrangliste die Top-50 erreichen, genauer gesagt Platz 45  – die beste Platzierung in ihrer noch so jungen Karriere.

Im Finale von Prag zeigte Tagger, warum ihr eine große Karriere vorhergesagt wird. Trotz ihres so jungen Alters hat sie bereits alles im Repertoire, um ganz an die Spitze zu kommen und einmal auch eines der ganz großen Turniere gewinnen zu können. 

Die Waffe

Die 1,85 Meter große Tagger beeindruckte mit ihrem Aufschlag (sie servierte neun Asse), mit ihrem Tempo und mit ihrer einhändigen Rückhand, für die sie sowieso einmal einen Waffenschein lösen wird müssen. Wie einst Dominic Thiem sorgt sie mit dem Paradeschlag immer wieder für Staunen bei den Zuschauern und Entsetzen bei ihrer Gegnerin.

Dass sie als eine der wenigen Frauen auf der Tour die Rückhand einhändig spielt, zeigt, welchen Willen Tagger schon in ihrer Jugend hatte. Denn das macht sie nur, weil sie stur blieb. Die 12-jährige Lilli durfte nur dann entgegen dem Trend weiterhin einhändig spielen, wenn sie das nächste Turnier gewinnen sollte. Das tat sie und hat jetzt einen der spektakulärsten Schläge auf der Frauen-Tour. 

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