Nach Debüt für Liverpool: ÖFB-Talent muss England verlassen
Ifeanyi Ndukwe
Es war die zehnte Minute in Nashville, als Joe Gomez sich an den Oberschenkel griff und vom Feld humpelte. Für den Spanier Andoni Iraola, gerade erst als neuer Liverpool-Trainer im Amt, ein Ärgernis mehr in einer ohnehin dünn besetzten Innenverteidigung. Für Ifeanyi Ndukwe war es der Moment, auf den er seit seinem Wechsel von Austria Wien gewartet hatte.
Der 18-jährige Wiener kam für Gomez, stellte sich neben den ebenfalls erst 18-jährigen Senegalesen Mor Talla Ndiaye – und wirkte, als hätte er nie woanders gespielt. Liverpool gewann gegen Sunderland 4:2, Ndukwe blieb bis zum Ende der ersten Halbzeit auf dem Feld, sicher im Zweikampf, ruhig am Ball. Ein Debüt, das Eindruck hinterließ, wenn auch nur in einem Testspiel ohne sportlichen Wert.
Keine Arbeitserlaubnis
Genau da beginnt das Problem. Denn so überzeugend der Auftritt war – kommende Saison wird Ndukwe für Liverpool wohl kein Pflichtspiel bestreiten dürfen. Nicht wegen mangelnder Qualität, sondern wegen der fehlenden Arbeitserlaubnis.
Wer als Nicht-Brite in England Fußball spielen will, braucht eine sogenannte Governing Body Endorsement, ausgestellt vom englischen Verband FA. Ohne sie gibt es kein Arbeitsvisum, ohne Visum keinen Pflichtspieleinsatz – nicht in der Premier League, nicht in der Championship, nicht in irgendeiner der vier großen Ligen des Landes. Die FA vergibt die Bestätigung entweder automatisch, wenn ein Spieler regelmäßig für eine gut platzierte Nationalmannschaft aufläuft, oder über ein Punktesystem: 15 Punkte braucht es, gesammelt über Länderspiele, Einsatzminuten beim vorigen Verein, Europapokal-Auftritte und die Platzierung des bisherigen Klubs.
Keine Punkte
Bei Ndukwe bleibt die Rechnung nüchtern. Für Österreichs A-Nationalteam hat er noch nie gespielt, nur für die Nachwuchsauswahlen. Bei Austria Wien kam er über einen einzigen Kurzeinsatz in der Nachspielzeit nicht hinaus. Europapokal-Minuten: keine. Folge dessen wird der junge Österreicher in der kommenden Saison nicht in England Fußball spielen, wie The Athletic am Sonntag zu aller erst berichtete.
Bleibt für den Ex-Austrianer eine Leihe – nur eben nicht innerhalb Englands. Wer keine GBE hat, darf in keiner der vier englischen Profiligen auflaufen. Der einzig gangbare Weg führt deshalb in die EU, wo er überall ohne eigener Arbeitserlaubnis spielen kann.
Das sagt sein Berater
Laut Berater Georg Lederer wird bereits an der nahen Zukunft des Toptalents gebastelt. „Es gibt Gespräche mit Klubs in Dänemark, Portugal und Österreich.“ Eine Rückleihe zur Wiener Austria sei aber kein Thema. Für Liverpool sei jedenfalls essenziell, dass Ndukwe fix spielt, um spätestens nächsten Sommer gereift an die Anfield Road zurückkehren zu können.
Bis zum 3. August ist der 18-Jährige jedenfalls noch mit Liverpool in den USA, wo die Vorbereitung seinen Lauf nimmt. In New York (gegen Wrexham) und Chicago (gegen Leeds) testen die Reds dabei noch zwei Mal gegen englische Klubs. Nach der Rückkehr auf die Insel geht für den Teenager dann die Reise weiter in die EU.
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