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Ski-Star Odermatt: „Warum klaut jemand meinen Kopf?“

Der beste Skifahrer der Welt Marco Odermatt beehrte das Grödnertal und sprach über Motivationsprobleme, seinen Fokus auf die Abfahrt und die anstehende Heim-WM in Crans Montana.
Christoph Geiler aus dem Grödnertal
Handgeschnitzter Held: Ski-Star Marco Odermatt bekam für seine Erfolge im Grödnertal eine Holzbüste.

Marco Odermatt muss nicht wirklich lange überlegen, als er gefragt wird, warum er so gerne ins Grödnertal kommt. Ihm geht es da wie praktisch all seinen Abfahrerkollegen, außer vielleicht jenen, die heikel sind und sich nur von Wasser und Brot ernähren.

„Es ist das Essen“, erklärt Marco Odermatt und blickt dabei auf das feudale Buffet, das vor ihm und für ihn aufgetischt wird. Hier auf der Fienile Monte Hütte am Sellajoch in 2.260 Metern Seehöhe, am Fuße des mächtigen Langkofel. Wobei: Hütte trifft es eigentlich nicht, es ist ein stylisher Gourmettempel aus altem Holz inmitten der beeindruckenden Naturkulisse der Dolomiten.

Lieblingsort

Marco Odermatt wird später Beef Tartar und Sushi kredenzt bekommen, dazu Trüffelpolenta, Bresaola und Garnelen. Wenn der beste Skifahrer der Welt mitten im Hochsommer das Grödnertal beehrt, dann lassen sich die Grödner nicht lumpen. „Das ist einer meiner Lieblingsorte. Dabei habe ich mir auf dieser Piste am Anfang furchtbar schwergetan“, erzählt Marco Odermatt.

Im letzten Winter räumte der Schweizer bei den Gröden-Rennen freilich voll ab: Erster in der Sprintabfahrt, jeweils Zweiter im Super-G und in der klassischen Abfahrt – das ergibt den souveränen Triumph bei der Val Gardena Südtirol Ski Trophy, bei der alle Gröden- Rennen zusammengezählt werden.

Holzweg

Der Sieger wird dann traditionell im Sommer geehrt und bekommt in alter Grödner Tradition eine handgeschnitzte Holzbüste von seinem Konterfei. Marco Odermatt hat schon einen Marco Odermatt in Holz daheim stehen, wo genau, will er nicht verraten. Nur so viel: „Am Nachtkastl ist sie nicht. Meine Freundin hätte da keine Freude damit.“

Der Holzkopf aus dem Grödnertal zählt trotzdem zu den begehrtesten Trophäen, die ein Skifahrer gewinnen kann. Offenbar ist er durchaus auch bei Dieben oder Odermatt-Fans gefragt, denn während der letzten Gröden-Rennen im Dezember 2025 wurde Marco Odermatts Büste aus dem Zielraum der Saslong gestohlen.

Nach dem Jahreswechsel tauchte der hölzerne Odi dann wieder auf, völlig unversehrt und blitzsauber lag die Trophäe in der Nähe des Ziels unterhalb der Staatsstraße. „Warum klaut jemand meinen Kopf“, wunderte sich Marco Odermatt nun bei den ausgiebigen Feierlichkeiten, zu denen er von Freundin Stella, Schwester Aline und den Eltern Priska und Walti begleitet wurde.

Kletterpartie

Die Odermatts nutzen die Gelegenheit für einen Kurzurlaub im Grödnertal. Bei all dem guten Essen legte Odermatt auch eine Trainingseinheit ein, am Freitag kletterte er den mächtigen Langkofel (3.181 Meter) empor und blickte hinunter auf die Abfahrtsstrecke der Saslong. Zuvor sprach er mit dem KURIER über...

... den Sommer: „Es geht immer so schnell, und dann ist schon wieder Sölden da. Ich habe schon Anfang Mai mit dem Konditionstraining begonnen. Das waren in den letzten Wochen sehr viele harte Einheiten. Eine Woche noch, dann gehen wir in Zermatt das erste Mal wieder auf Schnee. Da geht’s darum, dass man sich wieder an die Skischuhe gewöhnt. Ende August sind wir dann in Südamerika und dann dauert es eh nicht mehr lange bis zum Weltcupauftakt.“

...die Aufarbeitung der letzten Saison: „Eigentlich fehlt dafür fast die Zeit. Während der Saison will man sich noch nicht wirklich damit beschäftigen, wenn die Saison dann vorbei ist, hat man auch nicht unbedingt Lust, sich zu viel darüber den Kopf zu zerbrechen.“

... Motivationsprobleme oder eine Form der Erfolgsmüdigkeit: „Damit habe ich überhaupt kein Problem, das fällt mir nicht schwer. Ich bin auch heuer wieder voll motiviert ins Konditionstraining gegangen und mach’ das immer noch sehr gerne. Was ich in der letzten Saison aber schon festgestellt habe: Es ist mir nicht leicht gefallen, mich bei jedem Rennen voll zu motivieren und immer richtig ans Limit zu gehen.“

... seine Prioritäten: „Es ist zu einer großen Challenge geworden, in allen drei Disziplinen vorne zu sein und vorne zu bleiben. Die Erwartung an mich ist ja irgendwie so, jedes Rennen zu gewinnen. Und das wird mit den Jahren nicht einfacher. Mein Fokus hat sich in den letzten zwei, drei Saisonen sicher ein bisschen verschoben. Die Abfahrt ist für mich immer wichtiger geworden. Deshalb bin ich vielleicht den einen oder anderen Riesentorlauf nicht mehr so gut gefahren wie früher. Ich sage es offen: Meine größten Ziele habe ich in der Abfahrt.“

... die Heim-WM im Februar 2027 in Crans Montana: „Für mich ist das mehr Segen als Fluch. Natürlich ist die WM ein großes Ziel, aber ich habe das Privileg, dass ich bereits in allen drei Disziplinen Weltmeister sein durfte. Das nimmt dann schon etwas Druck von mir. Ich muss dort nichts gewinnen, ich darf. Ich vergleiche das mit den großen Schweizer Klassikern in Adelboden und Wengen oder mit Kitzbühel. Ein Sieg dort steht einer WM-Goldmedaille um nichts nach.“

... seinen kahl rasierten Kopf nach den Erfolgen bei der WM 2025 in Saalbach: „Wenn wir als Schweizer Team in Crans Montana das Gleiche erleben und wieder so viele Medaillen gewinnen dürfen, sind wir für jede Frisur bereit.“

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