Meilenstein für Lilli Tagger: Mit dem ersten Turniersieg in die Top-50
Der 26. Juli 2026 wird im Leben der Lilli Tagger immer einen besonderen Stellenwert haben. Denn zum ersten Mal scheint an diesem Tag ihr Name in der Siegerliste eines Turniers auf der WTA-Tour auf. Mit 18 Jahren gewann die Lienzerin am Sonntag ihr erstes Turnier im Erwachsenen-Tennis und gab dabei erneut eine Probe ihres riesigen Talents ab.
Tagger besiegte im Finale des WTA-250-Turniers in Prag die 24-jährige Ukrainerin Daria Snigur mit 7:6, 6:2 und wird in der Weltrangliste die Top-50 erreichen, genauer gesagt Platz 45 – die beste Platzierung in ihrer noch so jungen Karriere.
Im Finale von Prag zeigte Tagger, warum ihr eine große Karriere vorhergesagt wird. Trotz ihres so jungen Alters hat sie bereits alles im Repertoire, um ganz an die Spitze zu kommen und einmal auch eines der ganz großen Turniere gewinnen zu können.
Die Waffe
Die 1,85 Meter große Tagger beeindruckte mit ihrem Aufschlag (sie servierte neun Asse), mit ihrem Tempo und mit ihrer einhändigen Rückhand, für die sie sowieso einmal einen Waffenschein lösen wird müssen. Wie einst Dominic Thiem sorgt sie mit dem Paradeschlag immer wieder für Staunen bei den Zuschauern und Entsetzen bei ihrer Gegnerin.
Dass sie als eine der wenigen Frauen auf der Tour die Rückhand einhändig spielt, zeigt, welchen Willen Tagger schon in ihrer Jugend hatte. Denn das macht sie nur, weil sie stur blieb. Die 12-jährige Lilli durfte nur dann entgegen dem Trend weiterhin einhändig spielen, wenn sie das nächste Turnier gewinnen sollte. Das tat sie und hat jetzt einen der spektakulärsten Schläge auf der Frauen-Tour.
Tagger zeichnet aber auch ihre unglaubliche Nervenstärke aus. Schon im Semifinale gegen die zweifache Grand-Slam-Siegerin Barbora Krejcikova spielte sie in brenzligen Situationen ihr bestes Tennis. „Ich versuche immer nur von Punkt zu Punkt zu denken“, gab sie vor ihrem zweiten WTA-Finale zu.
Die Entscheidung
Im Finale am Sonntag lag sie gegen Snigur in einem von Powertennis geprägten Hochgeschwindigkeitsspiel durch ein früh kassiertes Break zurück und schaffte das Rebreak genau dann, als die Gegnerin auf den Satzgewinn aufschlug. Tagger holte von 2:5 auf 5:5 aus.
Ihr half dabei auch, dass die Fehlerquote auf der Rückhand zurückging. Zudem wackelte die Ukrainerin, immerhin Nummer 54 der Welt, am Service. Mit sechs Doppelfehlern machte es sich Snigur selbst schwer. Außerdem konnte sie im gesamten Spiel kein einziges Ass servieren. Tagger spürte das und retournierte immer besser. Mit einem Ass beendete die Österreicherin den ersten Satz im Tiebreak.
Im zweiten Satz gelang Tagger das frühe Break zum 3:1, am Ende legte sie nach 1:28 Stunden noch eines zum 6:2 und zu ihrem ersten WTA-Turniersieg nach. Mit Tagger setzte sich als die variantenreichere Spielerin mit dem besseren Service verdient durch.
Dank an die Familie
In ihrer ersten Siegesrede auf der WTA-Tour agierte Tagger ebenfalls wie eine routinierte Spielerin. „Ihr macht unglaubliche Arbeit, damit ich meine Ziele erreichen kann“, sagte sie in Richtung Trainerin Francesca Schiavone und ihrem Betreuerteam. Auch dankte sie ihrer Familie, die am Samstag nach dem Semifinale nach Prag angereist war. „Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen.“
In dieser Woche wird Tagger eine Turnierpause einlegen und weiter mit ihrem Team trainieren. Dann geht es zum WTA-125-Turnier nach Warschau und danach zu den großen Turnieren auf der die US-Tour. In dieser Form auf Hartplatz ist Tagger auch in Übersee eine Überraschung zuzutrauen.
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