Die zehn größten Grippe-Fehler

Ah-chooo!
Foto: Getty Images/iStockphoto/benstevens/iStockphoto So geht es derzeit Tausenden in Österreich.

Diese oft gehörten Empfehlungen sind meist gut gemeint, aber machen alles nur noch schlimmer.


Sie tritt plötzlich und unerwartet auf und rafft ihren Wirt mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen nieder - heuer fünf Wochen früher als sonst (siehe auch untenstehenden Artikel). Meist dauert der Spuk sieben bis 14 Tage – vorausgesetzt, man gönnt dem Körper genügend Ruhe. Es gibt allerdings etliche gut gemeinte Tipps, die sich eher kontraproduktiv auf die Genesung auswirken, statt sie zu beschleunigen. Eine Grippe braucht eben ihre Zeit. Wer sie gut überstehen will, meidet daher folgende Vorgehensweisen:

1 Die Grippe mit einer Erkältung verwechseln

"Ach, das wird schon wieder. Ich bin nur erkältet." Das hört man vor allem von Grippe-Leugnern, die ihre Erkrankung nicht wahrhaben wollen. Das kann ernsthafte Konsequenzen haben, denn der Grippevirus lässt sich nicht einfach ignorieren und er kann es noch weniger leiden, wenn man so tun will, als wäre nichts. Im Gegensatz zur Grippe verläuft ein grippaler Infekt schleichend, Fieber und Komplikationen sind selten. "Die Erkrankung sollte jedenfalls vom Arzt abgeklärt werden, damit er die richtige Therapie verordnet", sagt Paul Prem, ärztlicher Leiter des Wiener Ärztefunkdienstes.

2 Irgendwann ein Anti-Grippe-Mittel nehmen

Es mag gut gemeint sein, aber die viel diskutierten Neuraminidase-Hemmer wie Tamiflu und Relenza (sie verkürzen die Krankheitsdauer ein wenig und mindern wahrscheinlich das Risiko schwerer Krankheitsverläufe) wirken nur, wenn man sie innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Grippe-Symptome – also Fieber – einnimmt. Danach bringen sie nichts. Daher gilt auch hier: Vom Arzt die Erkrankung abklären lassen und dann das passende Medikament verschreiben lassen. Neuraminidase-Hemmer sind nach der offiziellen Verkündung der Grippewelle mit Rezept auf Kassenkosten erhältlich. Also auch jetzt.

3 Die Symptome mit Fiebersenkern unterdrücken

Manche schwören auf ihre Schmerzmittel und Fiebersenker – allerdings braucht der Körper die Hitze, um die Viren im Körper zu eliminieren. "Wer ständig das Fieber unterdrückt, muss damit rechnen, dass die Grippe länger dauert", warnt auch Prem. Er rät, das Fieber bis 39 Grad auszusitzen – "darüber kann man schon etwas nehmen, die erhöhte Temperatur sollte aber nicht dauerhaft unterdrückt werden". Auch Antibiotika sind bei einer Influenza (ohne bakterielle Zweitinfektion) nicht angebracht.

4 Kampf den Viren mit der Macht der Liebe

Wer sich von seinem Partner gesund kuscheln lassen will, tut vor allem dem anderen nichts Gutes. Grippe-Viren sind hoch ansteckend. Auch, wenn es in der Leidenssituation trösten mag – keiner von beiden wird eine Freude daran haben, wenn der andere ein paar Tage später auch leidet. Daher gilt: Für die Krankheitsdauer lieber einen Sicherheitsabstand einhalten – und vor allem auf viel Hygiene achten.

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5 Alkohol gegen die Viren

"Das ist eine ganz schlechte Idee", sagt Ärztefunk-Leiter Prem. Während der Grippe gilt Alkoholverbot: "Das schwächt nur den Kreislauf und Medikamente wirken nicht unter Alkoholeinfluss." Und bei nicht alkoholischen Getränken gilt es, darauf zu achten, dass jeder sein eigenes Trinkglas hat – dieses sollte außerdem mit Spülmittel und heißem Wasser gewaschen werden, um die Viren abzutöten.

6 Saunieren gegen Grippe-Symptome

Während der Akutphase rät Prem davon ab, in der Sauna zusätzlich zu schwitzen. "Das belastet den Körper nur zusätzlich und nimmt dem Heilungsprozess Energie weg." Zur Prophylaxe sei nichts dagegen einzuwenden, den Körper mit Saunagängen abzuhärten. Auch nach der Grippe sei es ok, wieder saunieren zu gehen, aber lieber nicht währenddessen.

7 Den Viren mit Sport davonlaufen

"Auf gar keinen Fall", sagt der Ärztefunk-Leiter. Der Körper ist durch die Grippe ohnehin stark geschwächt – wer seinen Kreislauf durch Sport ankurbelt, kann sich sogar gefährden. Eine nicht ausgeheilte Grippe, aber auch Erkältung kann eine Herzmuskelentzündung verursachen – und diese kann sogar lebensbedrohlich werden.

8 Fenster zu und einbunkern, bis es einem wieder besser geht

Auch, wenn man sich danach fühlt, ist es gut, zwischendurch einmal durchzulüften – damit kann die Virenkonzentration in der Luft reduziert werden. Am besten, der Kranke packt sich gut in eine Decke ein und jemand anderer macht für ein paar Minuten das Fenster auf und lüftet gut durch. Es ist wichtig, auf eine gute Luftfeuchtigkeit zu achten – ein Luftbefeuchter kann helfen, aber es reicht auch, seine feuchte Wäsche aufzuhängen.

9 Arbeiten gehen, die Kinder in die Schule bringen, Einkäufe erledigen

Manche Dinge müssen sein? Nein, müssen sie nicht. Zum einen braucht der Körper Zeit und Ruhe, um sich zu erholen, sonst verlängert sich nur der Heilungsprozess und es kommt unter Umständen sogar zu Komplikationen wie einer Lungenentzündung. Zum anderen riskiert man, seine Mitmenschen anzustecken. Also sofort krankmelden, die Kinder Verwandte oder Freunde hin- und herbringen lassen.

10 "Ich bin eh nicht mehr ansteckend"

Grippepatienten sind ein bis zwei Tage vor ersten Krankheitszeichen schon ansteckend und danach noch etwa eine Woche. Die ersten Symptome können nach wenigen Stunden bis drei Tagen auftreten. Bei Kleinkindern dauert die infektiöse Phase länger – sie können das Virus länger in sich tragen, bevor die Krankheit ausbricht, und sind auch länger ansteckend.

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Influenza-Welle: Höhepunkt noch nicht erreicht

Kälte tut Grippe-Viren gut: Erkrankungsgipfel noch nicht erreicht

Könnten Viren jammern – über die Kälte würden sie dies niemals tun: Grippeviren überleben länger im Freien, je trockener und kälter es ist, heißt es beim deutschen Robert-Koch-Institut. Doch völlig unabhängig von der Kälte hat die Grippewelle heuer bereits vor Weihnachten begonnen – rund fünf Wochen früher als gewöhnlich.

Anfällige Atemwege

Bei kalter Luft sind die Atemwege anfälliger, sagt die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin, Erika Baum: So werde beispielsweise der Abwehrmechanismus der Flimmerhärchen durch Kälte und trockene Luft beeinträchtigt.
Besonders Kinder können zudem über den Kopf recht schnell auskühlen, da er bei ihnen verhältnismäßig groß und dünn behaart ist.

Wenn der Körper  auskühlt, werden einige Funktionen heruntergefahren, darunter auch die Abwehr. Und kalte Füße können zu Blasenentzündungen führen.

Schwere Verläufe

In 81 Prozent aller Nasen-Rachen-Abstriche, die Ärzte bisher an das Department für Virologie der MedUni eingeschickt haben, konnten die Experten tatsächlich Influenza-Viren nachweisen – vor allem einen Stamm des Subtyps A (H3N2). Dieser führt besonders bei älteren Menschen häufiger  zu schweren Krankheitsverläufen.

In Österreich passen laut den jüngsten Aussagen der Virologen die Impfstoffe noch zu den Krankheitserregern. Der in den Impfstoffen enthaltene A(H3N2)-Impfstamm entspreche in seinen für einen Virenschutz wichtigen Eigenschaften den derzeit zirkulierenden A(H3N2)-Viren.

Impfstoff: "Suboptimale Performance"

Trotzdem scheint es – zumindest in Finnland und Schweden – ein Problem zu geben: „Erste Untersuchungen zur Effektivität der Influenza-Impfungen zeigen in Finnland und Schweden eine ,suboptimale Performance‘ der aktuellen Impfstoffe gegen die zirkulierenden A(H3N2)-Virenstämme“, heißt es in einer Aussendung von Weltgesundheitsbehörde (WHO) und des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). 

Höhepunkt noch nicht erreicht

Die Wirksamkeit bei Personen im Alter über 65 Jahren liege bei 30 Prozent – demnach würden nur drei von zehn geimpften Über-65-Jährigen einen Impfschutz haben. Normalerweise geht man von einem 60-prozentigen Impfschutz aus. Der Höhepunkt der Grippewelle dürfte noch nicht erreicht sein – mit einem weiteren Anstieg der Erkrankungszahlen ist zu rechnen.

(kurier) Erstellt am
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