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Sport | Wintersport
03/06/2019

NADA-Chef: "Ohne Kontrollen hätten wir Gladiatorenspiele"

Podcast: NADA-Geschäftsführer Cepic spricht über den Doping-Skandal in Seefeld und den Glauben an einen sauberen Sport.

Michael Cepic, Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), ist nach der Blutdoping-Affäre während der Nordischen WM in Seefeld ein gefragter Gesprächspartner. Täglich kommen neue Erkenntnisse und Informationen ans Licht. Erst am Dienstag wurde die Festnahme des 2014 des Dopings überführten Johannes Dürr bekannt. Er gestand in den Vernehmungen, bis zuletzt selbst Eigenblutdoping betrieben zu haben.

Im Kurier-Sportpodcast sprach Cepic über ... 

  • ... die Dimensionen des aktuellen Doping-Skandals: „Es handelt sich schon um eine größere Organisation. Es wird sich nicht auf fünf, sechs, sieben österreichische Sportler und zwei oder drei weitere bei der Nordischen WM beschränken. Die Dimension wird noch für einiges Erstaunen sorgen.“
     
  • ... Eigenblut-Doping: „Es ist schwer nachweisbar, weil man eine körpereigene Flüssigkeit dem Körper wieder refundiert. Interessant ist aber: Bisher ist man davon ausgegangen, dass die Refundierung schon 24 bis 48 Stunden vor dem Wettkampf erfolgt und nicht so knapp davor. Auf diese neuen Erkenntnisse  müssen wir in der Anti-Doping-Szene reagieren.“
     
  • ... den ÖSV: „Wir sind die Kontrollorganisation der Fachverbände. Fakt ist aber, dass der ÖSV seit  der Saison 2016/’17 zirka 50.000 Euro an die NADA bezahlt, um zusätzliche Kontrollen zu bestellen.  Wir haben diese für den nordischen Bereich natürlich durchgeführt.“
     
  • ... Gründe für das Doping: „Wie bei jedem Betrug, gibt es eine Vielzahl von Motivationen: Ruhm,  Anerkennung, finanzieller Vorteil. Wenn Sie sehen, welche Summen in den Sportarten bewegt werden, ist der finanzielle Anreiz kein unwesentlicher Faktor.“
  • ... Wiederkehrende Muster: „Im klassischen Doping-Fall kommt zuerst das Leugnen. Einige Tage oder Wochen später kommt der Zusammenbruch. Danach folgt die Aufarbeitung.“
     
  • ... Hemmschwellen: „Wir brauchen Aufklärung und  Information. Oft ist es eine Schutzbehauptung, wenn Sportler sagen, dass alle anderen dopen. In Seefeld waren die Teamkameraden äußerst überrascht, was da vorgeht.“
     
  • ... die Arbeit der NADA: „Im Jahr 2018 haben wir rund 2.300 Kontrollen durchgeführt, zirka drei Viertel  waren Trainingskontrollen, der Rest Wettkampfkontrollen. In erster Linie machen wir Urinkontrollen, weil wir hier 90 Prozent der verbotenen Substanzen nachweisen können. Blutkontrollen sind wichtig, um Wachstumshormone zu entdecken und die Profile des Biologischen Passports mit Daten zu versehen.“
  • ... eine Doping-Freigabe: „Das wäre absoluter Unfug. Keiner Gesellschaft kann es egal sein, was 13-, 14- oder 15-Jährige machen. Würde man eine Altersgrenze einziehen, würde das das Problem nur nach unten verschieben. Das wäre das Ende des Leistungssports. Irgendwann hätten wir Gladiatorenspiele, bei denen die Sportler im Wettkampf umfallen und sterben. Und das ist jetzt nicht übertrieben.“
     
  • ... Abschreckung: „Vorfälle wie Humanplasma oder  Seefeld haben sicher abschreckende Wirkung. Auch die Einführung des  Blut- und Steroidprofils  schreckt Athleten ab.“
     
  • ... Haftstrafen: „Ich sehe beim Sportbetrug keinen Unterschied zu anderen Bereichen.  Ich verschaffe mir einen monetären Vorteil, weshalb das für mich ins Strafrecht fällt.“
     
  • ... sauberen Sport: „Wenn ich nicht überzeugt wäre, dass es auch heute im Spitzensport eine Vielzahl von sauberen Sportlern gäbe, dann müssten wir hinterfragen, ob das, was wir tun, noch Sinn macht. Diese sauberen Sportler müssen wir schützen.“

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