Tag 11: Heftiger Beschuss auf Iran und Israel, Iran und USA schließen Gespräche aus
Die Lage im Iran-Krieg bleibt unübersichtlich. Wir versuchen täglich, Ihnen die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden auf einen Blick zusammenzufassen.
© APA/AFP/ANWAR AMRO
Menschen in Beirut auf der Flucht, 10. März 2026.
Seit 28. Februar tobt ein neuer Krieg im Nahen Osten. Israel und die USA setzen ihre Luftangriffe gegen den Iran unentwegt fort, der reagiert mit großflächigen Drohnen- und Raketenangriffen auf fast alle Staaten der Region. Dieses Briefing bietet einen Überblick über die wichtigsten Geschehnisse der letzten 24 Stunden in betroffenen Ländern.
Bleiben Sie außerdem mit unserem Live-Ticker zum Iran-Krieg auf dem neuesten Stand.
Iran
- Israelische Kampfflugzeuge haben ein Drohnenhauptquartier der iranischen Revolutionsgarden zerstört. Zum Standort der Anlage wurden keine Angaben gemacht. Außerdem hat Israel in einer neuen Angriffswelle eine Abschussvorrichtung für Raketen beschossen. Laut iranischen Angaben sollen neun Krankenhäuser im Land aufgrund der Angriffe der USA und Israels nicht mehr in Betrieb sein.
- In Teheran nahmen laut staatlichen Medienberichten Hunderttausende Menschen an organisierten Solidaritätskundgebungen für den neuen Revolutionsführer Mojtaba Khamenei teil.
- Das iranische Außenministerium hat für den Fall eines Waffenstillstands mit den USA und Israel Sicherheitsgarantien gefordert. Gleichzeitig lehnte Abbas Araghchi Gespräche oder Verhandlungen mit den USA derzeit ab.
- Die Revolutionsgarden haben angekündigt, bis Ende des Krieges keine Ölexporte aus der Region an Verbündete der USA und Israels zu erlauben. Am Montagabend wurden Regierungen aufgefordert, die Botschafter aus Israel und den USA aus ihren Ländern auszuweisen, um die Durchfahrt ihrer Schiffe durch die Straße von Hormus wieder zu ermöglichen. "Jedes arabische oder europäische Land, das die israelischen und US-Botschafter aus seinem Gebiet ausweist, wird ab morgen die vollständige Freiheit und Befugnis haben, die Straße von Hormus zu passieren", erklärten die Revolutionsgarden laut iranischem Staatsfernsehen.
- Warum das wichtig ist: Durch die Meeresenge werden normalerweise fast 20 Prozent des weltweiten Rohöls transportiert. Seit Kriegsbeginn haben die iranischen Streitkräfte dort mehrfach Öltanker angegriffen, und vereinzelt nur iranische Tanker durchgelassen. Der Ölpreis ist am Montag zwischenzeitig auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen – den höchsten Stand seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022. Nachdem US-Präsident Donald Trump ein baldiges Ende des Militäreinsatzes gegen den Iran verkündet hatte, ist der Ölpreis wieder gefallen.
Libanon/Syrien
- Israel hat eine Reihe von Luftangriffen auf den Südlibanon gestartet, berichten die israelische Armee. Im Zuge ihrer Offensive gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz hat die israelische Armee den Chef einer im Südlibanon agierenden Hisbollah-Einheit getötet, nämlich den Kommandanten der Hisbollah-Einheit Nasser, Abou Hussein Ragheb. Die Nasser-Einheit ist im Osten des Südlibanons aktiv.
- Libanons Präsident Joseph Aoun hat gegenüber der EU und arabischen Ländern direkte Verhandlungen mit Israel vorgeschlagen. Er forderte einen vollständigen Waffenstillstand, eine sofortige Bereitstellung logistischer Unterstützung für die libanesischen Streitkräfte, eine vollständige Entwaffnung der Hisbollah und direkte Verhandlungen zwischen Libanon und Israel unter internationaler Schirmherrschaft. Der Libanon zählt nach dem Iran die meisten Todesopfer seit Beginn des Krieges, mehr als 600.000 Menschen sind im Libanon auf der Flucht. Doch der libanesische Staat ist schwach im Vergleich zu den Strukturen der Hisbollah.
- Die syrischen Streitkräfte haben einen Artillerieangriff der Hisbollah-Miliz auf einen Militärstützpunkt nahe der Grenze gemeldet. Die Geschosse seien unweit der Ortschaft Serghaya nordwestlich der Hauptstadt Damaskus niedergegangen.
- Warum das wichtig ist: Die gestürzte Regierung von Syriens Langzeitmachthaber Baschar al-Assad war ein enger Verbündeter des Irans und der proiranischen Hisbollah. Die neue islamistische Führung von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa bemüht sich seit ihrem Machtantritt, den Einfluss des Irans zu unterbinden, und sich mit den sunnitischen Golfländern, aber auch Europa und den USA gut zu stellen. Al-Sharaa hat dem Libanon Unterstützung bei der Entwaffnung der Hisbollah zugesichert.
Israel
- Als Vergeltung für die Bombardierung der Ölreserven haben Irans Streitkräfte eigenen Angaben zufolge Treibstofflager in der israelischen Hafenstadt Haifa mit Drohnen angegriffen. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete über eine neue Welle an Raketen auf Ziele bei Tel Aviv.
- In Israel gab es am Montag Raketenalarm. Die Armee erklärte, sie habe iranischen Raketenbeschuss festgestellt und versuche die Raketen abzufangen. In mehreren Teilen des Landes brachten sich Menschen in Schutzräumen in Sicherheit. Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes wurde niemand getötet oder verletzt. Seit Kriegsbeginn wurden über 2.300 Verletzte gemeldet.
- Die Hisbollah hat am Montag nach eigenen Angaben Raketen auf einen israelischen Militärstützpunkt in der Nähe von Tel Aviv abgefeuert. Sie habe die Heimatfront-Kommandozentrale der israelischen Armee in Ramla mit einer "Salve hoch entwickelter Raketen" angegriffen.
- Israel hält ungeachtet des von Trump in Aussicht gestellten raschen Endes des Krieges mit dem Iran am Sturz der Führung der Islamischen Republik fest. "Unser Bestreben ist es, das iranische Volk dazu zu bringen, das Joch der Tyrannei abzuwerfen", teilte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Dienstag mit. Es bestehe kein Zweifel, dass Israel der Führung mit den bisherigen Maßnahmen die "Knochen bricht".
- Warum das wichtig ist: Vor allem von den USA und Donald Trump gibt es widersprüchliche Signale, was die politischen Ziele des Krieges angeht – ein kompletter "Regime-Wechsel", ein Ende der Islamischen Republik oder ein den USA gegenüber freundlich gesinntes Mullah-Regime, also ein "Venezuela-Szenario"? Trump lehnte bisher Verhandlungen mit dem neuen Oberhaupt der Islamischen Republik ab. Israel hat angedeutet, die iranische Bevölkerung mobilisieren zu wollen.
Irak/Türkei
- Die iranischen Streitkräfte griffen nach eigenen Angaben einen US-Luftwaffenstützpunkt im Nordirak an. Der Militärflugplatz Harir in der Autonomen Region Kurdistan sei mit fünf Raketen attackiert worden. Der irakische Premierminister Mohammed al-Sudani hat den USA mitgeteilt, dass der Irak nicht als Ausgangspunkt für Angriffe im Krieg gegen den Iran genutzt werden dürfe. Trump hat Berichte, die USA würden iranisch-kurdische Milizen im Irak bewaffnen und auf einen Einsatz im Iran vorbereiten, dementiert.
- Nach türkischen Angaben wurde im Land ein US-Patriot-Luftabwehrsystem stationiert, in der südöstlichen Provinz Malatya. Dies sei Teil der Maßnahmen der NATO zur Stärkung der Luftabwehr ihres Verbündeten angesichts der Raketenbedrohung durch den Iran-Krieg. Die NATO-Radarstation Kurecik, die wichtige Daten für das Bündnis liefert und zur Identifizierung von zwei iranischen Raketen beigetragen hat, die in Richtung Türkei flogen, befindet sich in Malatya.
- Warum das wichtig ist: Am Montag hat die Türkei das zweite Mal innerhalb einer Woche eine Rakete abgefangen, die Ankara zufolge vom Iran abgefeuert worden war, nahe derselben Stelle, wo schon einmal eine Rakete abgefangen wurde. Die Trümmer fielen nach offiziellen Angaben im südtürkischen Gaziantep nahe der Grenze zu Syrien herab. In einem Telefonat mit Ankara dementierte der iranische Präsident Masoud Pezeshkian, dass die abgefangenen Raketen iranischen Ursprungs seien; Ankara ist um keine weitere Eskalation bemüht, und teilte das Dementi mit der Öffentlichkeit. In einer Mitteilung der iranischen Regierung hieß es, der Vorfall solle untersucht werden.
G7/Asien
- Nach den Finanzministern beraten am Dienstag die Energieminister der sieben wichtigsten westlichen Industriestaaten (G7) USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien über die Folgen des Nahost-Krieges. Die G7-Finanzminister sprachen am Montag von der Option, wegen des Nahost-Krieges an den Ölmärkten einzugreifen. Japan unterstützt eine koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven. Die iranischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur im gesamten Golfraum dauern an.
- Thailand und Vietnam haben Beamte dazu angehalten, von zu Hause aus zu arbeiten und die Klimaanlagen in Regierungsgebäuden auf 26 Grad Celsius einzustellen und Fahrgemeinschaften zu bilden, um Sprit zu sparen. 90 Prozent der Öl- und Flüssiggas-Exporte aus dem Persischen Golf gehen Richtung Asien.
- Südkorea befürchtet, dass US-Streitkräfte Luftabwehrsysteme im Land abziehen und in den Nahen Osten verlegen könnten. "Wir haben zwar unsere Opposition geäußert, aber die Realität ist, dass wir unsere Position nicht vollständig durchsetzen können", wird Präsident Lee Jae Myung zitiert. Laut Medienberichten sind zuletzt US-Transportflugzeuge auf dem Luftwaffenstützpunkt Osan südlich von Seoul eingetroffen, was Spekulationen auslöste, dass Patriot-Raketenabwehrsysteme verlegt werden könnten.
- Warum das wichtig ist: Südkorea fürchtet aufgrund der atomaren Bedrohung Nordkoreas um seine Luftabwehr. Bereits beim Beschuss zwischen Iran und Israel und den USA im vergangenen Juni waren zwei Patriot-Batterien aus Südkorea verlegt worden. Erst Oktober wurden die Systeme wieder nach Südkorea zurückgebracht.
Kommentare