Die Zukunft des Iran: Sechs Szenarien, wie es weitergehen könnte

Nach der Tötung des obersten Führers im Mullah-Staat, Ayatollah Ali Khamenei, kann sich alles zum Besseren bewegen oder in die Katastrophe.
Mourners gather at Enqelab square in Tehran following death of Iranian Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei

Die einen vergossen Tränen der Trauer in den Straßen Teherans, die anderen Tränen der Freude – unterschiedlicher hätten die Reaktionen auf den Tod des obersten iranischen Führers, Ayatollah Ali Khamenei, am Wochenende durch israelische Luftschläge nicht sein können. Doch wie es nun tatsächlich in dem öl- und gasreichen Land weitergeht ist völlig offen.

Fest steht, dass der Ayatollah während seiner fast vier Jahrzehnte dauernden Herrschaft eine ausgeklügelte und strenge Machtarchitektur aufgebaut hat. Innerhalb dieser soll nun ein Dreiergremium die Staatsgeschäfte führen. Diesem gehören angeblich Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi und Alireza Arafi  vom Wächterrat an – allesamt Vertreter der alten, rigiden Garde. Wie die Entwicklung langfristig sein wird, weiß niemand, aber das wären mögliche Szenarien:

  • Kontinuität: Alles bleibt so wie bisher. Der Drang der Menschen nach Freiheit wird brutal unterdrückt, Proteste werden niedergewalzt. Die Struktur des Regimes ist trotz Luftangriffen so gefestigt, dass sich die aktuelle Machtelite halten kann.
  • Neue Massenproteste: Iranerinnen und Iraner gehen trotz der israelisch-amerikanischen Luftschläge auf die Straßen und erhöhen so den Druck auf die Mullahs. Als sie das bereits im Jänner getan hatten, wurden aber vermutlich Zehntausende getötet. Zudem ist die Opposition alles andere als homogen.
  • Palastrevolte: Im Zuge der Kriegswirren versucht eine Gruppe, die ganze Macht an sich zu reißen. Etwa seitens der Revolutionsgarden, die 200.000 Mann umfassen und denen auch die besonders brutal agierenden Basidsch-Milizen unterstellt sind. Angeblich gibt es ein Dossier des amerikanischen Geheimdienstes CIA, in dem davor gewarnt wird, dass sich Hardliner dieser Revolutionsgarden an die Staatsspitze putschen könnten. Bisher freilich war die Eliteeinheit der Islamischen Republik und ihrem Führer ebenso treu ergeben wie die regulären Streitkräfte.
  • Neuer Kurs: Die permanenten Luftangriffe zeigen Wirkung, das Mullah-Regime lenkt ein und präsentiert ein neues Gesicht als Führungsfigur. Ein moderater Staatschef einigt sich mit den USA, Israel und dem Rest der Welt auf ein neues Atomabkommen und zeigt sich auch beim Raketenprogramm verhandlungsbereit.
  • Übergangsführer von außen: Seit geraumer Zeit bringt sich der Sohn des 1979 gestürzten Schahs von Persien, Reza Pahlavi, in Stellung. Er will nach Jahrzehnten im US-Exil in seine alte Heimat zurückkehren und die Demokratisierung, samt neuer Verfassung, in die Wege leiten. Allerdings ist der 65-Jährige nicht unumstritten, weil er sich nicht eindeutig von den Menschenrechtsverletzungen in der Zeit seines Vaters distanziert hat. Ein iranischer Uni-Professor sieht das gelassener: „Wenn man am Ertrinken ist und eine Hand gereicht bekommt, achtet man nicht darauf, ob die Fingernägel gepflegt sind oder nicht – man greift zu.“
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Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs, könnte übernehmen

  • Großer Krieg in der Region: Bereits jetzt überzieht der Iran  seine Nachbarn mit einem Raketen- und Drohnenhagel. Dieses Szenario könnte sich noch intensivieren. Und da sind dann noch die alten Verbündeten im Nahen und Mittleren Osten, zwar geschwächt, aber immer noch zu dem einen oder anderen Angriff fähig: Etwa die Hisbollah im Libanon oder schiitische Milizen im Irak oder die Houthi-Rebellen im Jemen. Steigen diese Kräfte ebenso in den Krieg ein und bleibt die Straße von Hormus länger blockiert, was die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zöge, ist eine weitere Eskalation programmiert.  

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