Österreicher (52) erlebte iranischen Raketen-Angriff in Dubai: "Wie in einem Film"
Von Gernot Heigl und Michael Pekovics
Markus T. aus Niederösterreich lebt seit zwei Jahren in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, und hat am Samstag den plötzlichen Kriegsbeginn im Nahen Osten hautnah miterlebt. Der Iran hatte nach Angriffen der USA und Israels Vergeltungsschläge gegen die benachbarten Golfstaaten gestartet. Alle US-Stützpunkte in der Region wurden zu legitimen Zielen erklärt.
Seine Wohnung liegt im oberen Bereich eines mehrstöckigen Gebäudes, rund 200 Meter Luftlinie vom 7-Sterne-Hotel Burj Al Arab Jumeirah entfernt. Von seinem Balkon aus sieht der 52-Jährige auch den 828 Meter hohen Wolkenkratzer Burj Khalifa, erzählt er dem KURIER.
Am Nachmittag habe er eine SMS der "The National Emergency Crisis and Disasters Management Authority (NCEMA)" mit einer Sicherheitsinformation erhalten, zunächst sei es aber ruhig geblieben, sagt er. Um 00.35 Uhr Ortszeit hätten dann alle Handys laut zu piepsen begonnen: ein Emergency Alert mit Hinweis auf einen möglichen Raketenangriff.
Ein Niederösterreicher in Dubai berichtet von Raketenalarm, Explosionen und Evakuierungen
"Unfassbar. Dass das in Dubai passiert, konnte ich zuerst nicht glauben. Das hier ist ja nicht Bagdad. Dann haben wir die ersten dumpfen Grollgeräusche wahrgenommen und da war klar, dass das kein Scherz ist. Irgendwie stand ich neben mir, ungläubig, dass das gerade tatsächlich passiert. Es ist alles so unwirklich", erzählt der Niederösterreicher im Gespräch mit dem KURIER.
"Irgendwie kam ich mir vor wie in einem Film. Klar hat man auch Angst. Umso mehr, als es immer häufiger laute Explosionsgeräusche gab, die immer näher kamen. Es hörte sich wie dumpfes Grollen, wenn es weiter weg war, und wie ein lauter Knall, als ob ein Blitz eingeschlagen hat, wenn es in der Nähe war."
Da es keine Keller gibt, sei er mit seiner Freundin ins Stiegenhaus, wie auch andere Bewohner. Nach gut einer Stunde sei er in die Wohnung zurückgekehrt und habe sich vom Balkon aus einen Überblick verschafft. Beim Burj Al Arab Jumeirah seien zahlreiche Einsatzfahrzeuge gestanden, das Hotel sei evakuiert worden, schildert er. Er habe Brandgeruch wahrgenommen und erfahren, dass das Gebäude auf der ihm abgewandten Seite getroffen worden sei. Die Flammen selbst habe er nicht gesehen.
Parallel dazu ist das Burj Khalifa evakuiert worden. Ein Freund, der dort wohnt, informierte ihn telefonisch. Das Hochhaus sei seines Wissens nach nicht getroffen worden.
Verschwommene Aufnahme von Markus T. vom getroffenen 7-Sterne-„Segel-Hotel“ Burj Al Arab Jumeirah, aufgenommen vom Balkon seiner Wohnung in 200 Metern Entfernung.
In Dubai wurde Markus T. bisher über folgende Sachverhalte informiert:
- Rund zwei Kilometer entfernt, auf der künstlichen Palmeninsel The Palm, habe das Hotel Fairmont einen Treffer abbekommen.
- Auch der Flughafen in Dubai sei getroffen worden, diese Information sei über interne Dubai-Kanäle gekommen.
- Laut offiziellen Angaben habe es am Flughafen vier Verletzte gegeben.
- Offiziellen Dubai-Informationen zufolge seien Brände in Hotels nicht durch direkte Treffer entstanden, sondern durch Trümmer abgefangener Raketen oder Drohnen.
Am Abend hätten alle Lokale in Dubai geschlossen - "wie bei einem Lockdown", sagt Markus T. Ein Restaurant, das er besuchen wollte, habe angerufen und mitgeteilt, dass es zusperren müsse.
Beim jüngsten Austausch mit dem KURIER am Sonntag gegen 14.30 Uhr Ortszeit Dubai (Wien: 11.30 Uhr, Anm.) war die Situation in Dubai ruhig, ebenso die Nacht. Auffällig sei gewesen, dass es keine Flugzeuggeräusche gegeben habe, schreibt der Niederösterreicher. Zwar sei es noch zu vereinzelten Explosionen gekommen, die meisten der Raketen auf Dubai dürften abgefangen worden sein.
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