Massive Vergeltungsschläge: Iran nimmt USA und Israel ins Visier
Auch Doha wurde vom Iran ins Visier genommen.
Die iranischen Revolutionsgarden haben in Reaktion auf die Tötung von Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei nach eigenen Angaben massive Vergeltungsschläge gegen Dutzende Stellungen der USA und des Erzfeindes Israel durchgeführt. Es seien 27 US-Stützpunkte in der Region sowie Israels Armeehauptquartier und ein Rüstungskomplex in Tel Aviv ins Visier genommen worden, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, ein Sprachrohr von Irans Elitestreitmacht.
In den arabischen Golfstaaten waren Explosionen zu hören. Augenzeugen in der katarischen Hauptstadt Doha zufolge waren Sonntag früh mehrere Knallgeräusche hörbar. Der katarische Nachrichtensender Al-Jazeera meldete mindestens elf Explosionen in Doha.
Auch in Manama, der Hauptstadt von Bahrain, wurden Explosionen gemeldet. Augenzeugen berichteten von mindestens vier lauten Knallgeräuschen. Auf Social Media wurden in dem Zuge Bilder eines getroffenen und beschädigten Hotels in Manama verbreitet. Sie ließen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.
In der irakischen Hauptstadt Bagdad versuchten Demonstranten nach der Tötung Khameneis, in das streng gesicherte Regierungsviertel und zur dort gelegenen US-Botschaft vorzudringen. Sie versuchten laut Augenzeugen, die Sicherheitsbarrieren am Eingang zur sogenannten Grünen Zone zu überwinden. Sicherheitskräfte lösten die Menge gewaltsam auf. Laut den Augenzeugen setzten sie Schlagstöcke, Tränengas, Wasserwerfer und auch scharfe Munition ein.
Neue Angriffe auf Israel gemeldet
Der Iran feuerte nach Angaben des israelischen Militärs Sonntag früh erneut Raketen auf Israel ab. Die Abwehrsysteme seien aktiviert, um sie abzuwehren, teilte die Armee mit. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, in die Schutzräume zurückzukehren. In mehreren Gebieten des Landes heulten erneut die Sirenen. In den vergangenen 24 Stunden mussten Millionen Menschen nach Armeeangaben bereits rund 20 Mal wegen iranischer Raketenangriffe in die Schutzräume eilen.
Zuvor hatte Israel eine Welle von Angriffen geflogen, etwa gegen ein wichtiges Militärdepot für ballistische Raketen. An dem Raketenabschussstandort in der Region Qom im Zentrum des Iran seien ballistische Raketen vom Typ Ghadr H-1 mit Hunderten Kilogramm Sprengstoff gelagert worden, hieß es. Der Angriff habe die wichtigsten Offensivfähigkeiten der iranischen Staatsführung "erheblich geschwächt".
Trump warnt: "Sie sollten das lieber nicht tun"
US-Präsident Donald Trump warnte den Iran vor einer harten Reaktion. "Wenn sie das machen, werden wir sie härter treffen als jemals zuvor", sagte er in der Nacht auf Sonntag (Ortszeit). "Sie sollten das lieber nicht tun."
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete die Angriffe seines Landes gegen den Iran als "tödlichsten, komplexesten und präzisesten Lufteinsatz der Geschichte". Als Kriegsziel gab Hegseth die Zerstörung des Raketenprogramms sowie der Marine des Iran an. Auch werde das Land nie eine Atomwaffe besitzen. "Die Vereinigten Staaten haben diesen Konflikt nicht begonnen, aber wir werden ihn beenden."
Auswirkungen der iranischen Schläge zunächst gering
Die Auswirkungen der ersten Angriffswellen des Iran auf Israel und US-Verbündete waren dortigen Medienberichten zufolge überschaubar. In Israel wurden mehrere Häuser durch Einschläge oder Trümmerteile beschädigt. Eine Frau starb, mindestens 21 Menschen wurden verletzt.
Der Iran griff zudem Ziele in Saudi-Arabien - etwa den US-Stützpunkt Prinz Sultan - sowie in Bahrain, Dubai und Abu Dhabi an. Die Emirate konnten eigenen Angaben zufolge 132 ballistische Raketen und 195 Drohnen abwehren. Getroffen wurde der internationale Flughafen von Abu Dhabi. Laut dem Flughafenbetreiber wurde ein Mensch getötet und sieben weitere wurden verletzt. Die Mitteilung wurde auf der Plattform X jedoch später gelöscht. In Dubai wurden nach Angaben des Medienbüros der Stadt vier Menschen am internationalen Flughafen verletzt. Eine Halle habe leichte Schäden erlitten. Die meisten Terminals des Flughafens, der zu den wichtigsten Knotenpunkten für Flugreisende im Nahen Osten zählt, seien im Vorfeld aber bereits geräumt worden. Zudem wurden dort das bekannte Hotel Burj Al Arab und der Hafen Jabal Ali in Mitleidenschaft gezogen. Es kam jeweils zu Bränden durch herabstürzende Trümmerteile.
Sachschaden entstand auch bei einem Drohnenangriff auf den internationalen Flughafen in Bahrain. Es gebe aufgrund des Angriffs auf den Flughafen nahe der Hauptstadt Manama keine Todesopfer, erklärte das Innenministerium auf der Plattform X. Das Gelände werde gesichert. Das Ministerium nannte zunächst keine weiteren Details. Bahrain ist unter anderem der Hauptsitz der US-Marine im Nahen Osten. Dort ist die sogenannte Fünfte Flotte der Marine beheimatet.
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