Wie der Iran-Krieg Chinas Pläne durchkreuzt
Während in Teheran die Bomben vom Himmel fallen, nimmt in Peking der politische Alltag seinen Lauf, als würde der strategische Partnerstaat Iran nicht gerade um sein Überleben kämpfen.
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping eröffnete die Sitzung des Nationalen Volkskongresses, es geht schließlich darum, den nächsten wirtschaftlichen Fünfjahresplan formal bestätigen zu lassen. Auch, wenn der schon seit Monaten feststeht - und die knapp 3.000 Abgeordneten noch nie gegen einen Gesetzesentwurf gestimmt haben.
Warum der Krieg Chinas Wirtschaft schadet
Dabei wird sich der Krieg entscheidend auf die chinesische Wirtschaft auswirken: Zuletzt gingen rund 90 Prozent aller Öl- und Gasexporte aus dem Iran nach China. Zwar ist China der weltgrößte Energieimporteur und iranische Brennstoffe machen maximal drei Prozent des chinesischen Energiemix aus, doch weil das Mullah-Regime auch aufgrund von US-Sanktionen sonst kaum Abnehmer hatte, waren sie unverhältnismäßig billig.
Chinas Machthaber Xi Jinping bei der Eröffnung des Nationalen Volkskongresses.
Zumal China mit seinen isolierten Öllieferanten Iran, Russland und Venezuela alternative Zahlungsmethoden vorbei am internationalen, am US-Dollar ausgerichteten Finanzsystem etablierte. Berichten zufolge bezahlten chinesische Staatskonzerne oftmals kein Geld, sondern bauten um den Preis des (stark reduzierten) Öl und Gas Infrastrukturprojekte wie Sendemasten, Brücken oder Straßen. Wenn sie bezahlten, dann in chinesischen Yuan, was dessen Wert steigerte.
Zwei dieser Energielieferanten sind nun durch militärische Interventionen der USA stark unter Druck geraten. China kann zwar leicht auf andere Handelspartner ausweichen, doch der Energiepreis dürfte dadurch im Land massiv ansteigen - in Zeiten, in denen der Konsum im Land ohnehin brach liegt, ist das aus chinesischer Sicht ein herber Rückschlag.
Iran kaufte chinesische Waffen - sie blieben wirkungslos
Hinzu kommt, dass China mit dem Iran einen verlässlichen Abnehmer für chinesische Waffenexporte verliert. Besonders hervorzuheben ist hier der Verkauf von modernsten Überschall-Anti-Schiffs-Raketen (CM-302) aus China: Diese hatte der Iran Berichten zufolge wenige Tage vor Kriegsbeginn bestellt, doch die Lieferung kam nicht rechtzeitig an - Peking fiel so nicht nur um das Geschäft um, sondern auch um die Möglichkeit, die Raketen beim Einsatz gegen das US-Militär testen zu lassen, ohne selbst beteiligt zu sein.
Bisherige "Testläufe" fielen ohnehin ernüchternd aus: Der Iran besitzt mehrere chinesische Luftabwehrsysteme (HQ-9B), die den israelischen und US-amerikanischen Luftangriffen wenig entgegensetzen konnten. Ein Reputationsschaden für China, das sich vor allem im "Globalen Süden" als Waffenlieferant zu etablieren versucht.
Was der Iran-Krieg für Taiwan bedeuten könnte
Sollte der Krieg tatsächlich in absehbarer Zeit beendet werden - womöglich sogar durch einen militärischen Sieg der USA und Israel - könnten die geopolitischen Auswirkungen für China dramatisch sein.
Dass die Mullahs im Nahen Osten über Jahrzehnte für Unruhe sorgten, spielte China in die Karten: Die ständige Bedrohung Israels durch das Mullah-Regime und die von ihm finanzierten Terrorgruppen Hamas, Hisbollah und die Houthis hielt auch die USA militärisch vor Ort. China konnte zeitgleich massiv aufrüsten und seinen militärischen Einfluss in Asien ausweiten, mit vergleichsweise überschaubarer US-Gegenwehr.
Sollte es den USA gelingen, ihren größten Feind im Nahen Osten zu eliminieren, könnten sie - vorausgesetzt, die europäischen NATO-Partner rüsten im versprochenen Umfang auf - sich militärisch vollständig in Richtung Asien ausrichten, wie es Pentagon-Strategen seit Jahren fordern. Für China wäre das geopolitisch das Worst-Case-Szenario: Das US-Militär ist weltweit das einzige, das Chinas Ambitionen tatsächlich eindämmen könnte - und zu diesen zählt bekanntlich die Eroberung der Insel Taiwan.
Paradoxerweise könnte ein langwieriger Krieg im Nahen Osten China sogar nutzen. Je länger die USA dort militärisch gebunden wären, desto mehr Zeit hätte Peking, seine eigenen Fähigkeiten im Indopazifik auszubauen.
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