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24.

Jänner

2017

Hochaufgelöst, umso verschwommener

Von der Angelobung des US-Präsidenten veröffentlichte CNN heuer ein sogenanntes "Gigapixel"-Foto. Eine Fotografie, die derart leistungsstark ist, dass sie nicht nur die Gesichter jedes x-beliebigen Ehrengastes erkennen lässt, sondern sogar einen Blick auf die Notenständer des Orchesters unter dem Balkon erlaubt. "Clarinette" steht auf einem zu lesen, wenn man in das monströse Bild nur weit genug hineinzoomt. Als Barack Obama 2009 das erste Mal angelobt wurde, war das Verfahren bekannt, aber …

29.

November

2016

Die Erbengeneration

Der Sohn von Malcolm McLaren und Vivienne Westwood, Joseph Corré, hat sich seines Erbes entledigt: Der Modedesigner steckte am Wochenende seine Sammlung an Sex-Pistols-Devotionalien publikumswirksam in Brand. Sechs Millionen Euro soll die Sammlung wert sein, die der bekennende Fan der legendären britischen Punkband auf einem Boot in Flammen aufgehen ließ. Er wollte damit gegen die Vermarktung des 40-Jahr-Jubiläums der  Single „Anarchy in the UK“ als Punkjubiläum protestieren. Er bekam …

19.

Oktober

2016

Serafin light

Der Fünfer geht  von Kaisermühlen nach Mörbisch. Das ist gar nicht so abwegig, wie es zunächst  vielleicht klingen mag. Gerald Pichowetz hat sich mit Operette ernsthaft auseinandergesetzt und kennt sich mit Unterhaltung definitiv aus (wie gut es sich mit Finanzen auskennt, war zuletzt nicht klar). Er hat das Gloria-Theater geleitet, wenn dieses auch in der Wiener Kulturszene keine sonderlich große Rolle spielt. Er ist durch die Darstellung des „Bim Bim“ rufenden Straßenbahnfans …

13.

Oktober

2016

Eingefangener Revolutionär

Wer es noch nicht mitbekommen hatte, weiß es jetzt: Die Revolution, die einst die Rockgrößen ausgerufen hatten, ist vorüber. Das ist kein Lamento, das ist ein alter Hut, so einer, wie Bob Dylan ihn oft aufhat: Die Populärkultur hat damals einen großen Generationenwandel ausgerufen - und ist längst die Siegerkultur geworden. Der Literaturnobelpreis für den einstigen Folk-Revolutionär Bob Dylan ist da nur der letzte Holzhammer für all jene, die noch Berührungsängste haben oder Popkultur als …

06.

September

2016

Kino wird zur Werbeplattform für Streaming

In Venedig feiert sich derzeit die Filmbranche, und man fragt sich eigentlich, warum. Der heurige Sommer nämlich hat gezeigt: Die meisten der in Venedig präsentierten Filme haben das Potenzial, zu ordentlichen Flops zu werden. Nicht etwa, weil sie schlecht wären. Es spielen auch berühmte Leute mit, die Themen sind spannend, der künstlerische Wert sicher oftmals hoch. Nur: Das alles zählt an der Kinokassa immer weniger. Dort trennt sich – man möge sich an die gesamte Gesellschaft erinnert …

29.

August

2016

Frank Ocean kennt die Zukunft des Musikmarkts

Man kennt das inzwischen: Kaum blinzelt man, hat irgendein Superstar überraschend ein neues Album veröffentlicht. Einst wurde jede nahende Veröffentlichung der popmusikalischen Geldbringer von einem anschwellenden Chor der Marketingabteilung begleitet: Noch vor der neuen Musik waren die Stars allüberall präsent, gaben Interviews und ließen sich von Paparazzi „erwischen“, denen zuvor genau der Ort und die Zeit mitgeteilt wurde.  Jetzt hingegen ist die neue Strategie, dass Alben über Nacht …

22.

August

2016

Boybands, ganz groß

Es ist zugleich befreiend und bedrückend – und ein großer Nachteil gegenüber den vorigen Generationen: Unsere musikalischen Jugendsünden verschwinden nicht mehr hinter den freundlichen und wohlwollenden  Schleiern der Vergangenheit.   Sondern werden nach spätestens 20 Jahren in einem Nostalgie-Revival wieder vor den Vorhang geholt. Und seien sie noch so unwürdig  gealtert. Also sind wir längst wieder in einer Zeit angekommen, in der ehemalige Boybands auf Tour gehen und …

21.

Juli

2016

Sommerzeit, Briefezeit

Ach, die Erinnerungen an den guten alten Harry Potter, diesfalls  an die Szene, in der  sein Wohnhaus mit Tausenden Briefen überschüttet wurde, die verkündeten, dass der Zauberlehrling nach Hogwarts darf. Wir dürfen zwar nicht nach Hogwarts, aber uns auch der von links und rechts herbeirauschenden, im vorliegenden Fall offenen Briefe erfreuen, die heute natürlich eMails sind. Der Sommer, einst die Zeit des postalischen Kommunizierens, erlebt die Renaissance des Briefformats als …

29.

Mai

2016

Der Burgtheater-Tragödie zweiter Teil

Es spitze sich, so stand am 12. Februar 2014 im KURIER über die gerade ausgebrochene Burgtheater-Affäre, „die Frage nach der Mitverantwortung der Prüf– und Aufsichtsinstanzen zu. An diesen – Wirtschaftsprüfern, Holding, zweitem Geschäftsführer – ist ein finanzielles Desaster vorübergegangen.“ Der Rechnungshof-Bericht zur Finanzaffäre, aus dem der KURIER nun seit vergangenem Sonntag zitiert hatte und den der Rechnungshof am Mittwoch veröffentlichte, beantwortete viele Fragen zur Affäre. Aber …

04.

Mai

2016

Was bringt die Kultur?

Kaum eine Diskussion lässt sich so  leicht auf Autopilot führen wie die über die Wichtigkeit von Kultur. Schließlich weiß jeder, dass sie den Menschen bereichert und verfeinert und bildet und vielleicht sogar zu einem besseren – Menschen nämlich – macht. Wer dagegen argumentiert, ist eben Kulturbanause. Oder auch nicht.  Denn man darf es sich in dieser Diskussion auch nicht zu einfach machen: Vorurteile sind Vorurteile, auch wenn es positive sind. Ein bisschen Sand ins Getriebe der …

16.

März

2016

Die Vertragsverlängerung liegt auf der Hand

Der Überraschungsfaktor hält sich in engen Grenzen, wenn heute – wonach alles aussieht – der bisherige Direktor des Museums für angewandte Kunst (MAK) auch als der neue Direktor präsentiert wird. Die Vertragsverlängerung liegt auf der Hand: Christoph Thun-Hohenstein hat das Haus nach viel Aufregung  um seinen Vorgänger übernommen. Doch diese Vorgeschichte spielt, und das ist die eigentliche Leistung, längst nur mehr eine untergeordnete Rolle.  Denn Thun-Hohenstein hat in den …

29.

Februar

2016

Österreichs vertane Oscar-Chance

Es ist der richtige Schauspieler, der den Oscar gewonnen hat: Leonardo DiCaprio zählt seit Langem zu den Besten seines Faches. Aber es ist der falsche Film, für den er ihn gewonnen hat: „The Revenant“ ist großes Testosteron-Kino, revanchistischer als die Originalstory, für Hollywood auffrisiert, perfekt gefilmt, aber zu lang. Und DiCaprio liegt die meiste Zeit  nur halb tot herum und bringt kein Wort heraus (im Gegensatz zu  seinem Gegenspieler Tom Hardy) – das macht er jedoch …

29.

Februar

2016

#OscarsSoPublikumsfern

Schwarze, Latinos, Frauen, Transgender: Viel wurde im Vorfeld diskutiert über den problematischen Umgang Hollywoods mit Minderheiten.  Dabei sind die Oscars selbst zunehmend ein Minderheitenprogramm –  und das ist ein Problem für die Zukunft des Preises. Hollywood ist so wichtig, weil die Traumfabrik immer eines produzierte: Filme, die Massenappeal mit hoher Unterhaltungskunst verbunden haben. Aber genau das hat man verlernt, und nie wurde das so deutlich wie heuer: Die …

22.

Februar

2016

Das Album ist tot (dank Kanye West)

Jahrelang schon schauen wir einem Marketing-Unfall in Superzeitlupe zu: Jahr für Jahr schwindet das Pop-Album aus dem Bewusstsein der Hörer, und es wird dennoch als Währung des Popbusiness am Leben erhalten. Erst, wer brav ein Album herausgebracht hat, darf auf Tournee gehen. Dabei werden immer weniger Alben verkauft, immer stärker bestimmen Computerprogramme, welche Songs – um die dreht es sich inzwischen eigentlich – welcher Künstler wir in welcher Reihenfolge anhören. Austropop-Quote …

10.

Februar

2016

Differenziertheit ist die einzige Antwort

„Unterwerfung“. „Feiglinge“. Natürlich „Gutmenschen“. Und noch Schlimmeres.  Am Dienstag war das Volkstheater jene sprichwörtliche Sau, die durch die Online-Foren getrieben wurde.  Der Grund: Das Theater hatte  die geplante Uraufführung von „Homohalal“ abgesagt.  Das Flüchtlingsstück mit bitterem Ende sei unter anderen Vorzeichen entstanden, seit der Fertigstellung prägen „Angst und Hass“ den Diskurs über die Migration, ließ das Theater wissen. Das wurde, mal wieder, eine …

21.

Jänner

2016

Der Opernball als kulturpolitischer Auftrag

Was sich derzeit rund um den Opernball abspielt: Das ist eine Staatsoperette. Und eine Provinzposse. Ioan Holender, viele Jahre Staatsoperndirektor, hatte wiederholt gegen die Tanzveranstaltung gewettert, denn sie gehört seiner Meinung nach nicht zum kulturpolitischen Auftrag. Im Kulturministerium aber gelangte man zur gegenteiligen Ansicht: Laut der im Herbst beschlossenen Novelle des Bundestheaterorganisationsgesetzes  hat die Staatsoper den Ball auszurichten. Dass dies tatsächlich …

21.

Jänner

2016

Das Recht des Größeren

Wer hat Angst vor „Star Wars“? Alle, auch der „Terminator“. Wenn sich der achte Teil der Blockbuster-Weltraumserie einen neuen Starttermin aussucht, dann fliehen alle anderen Großproduktionen – und suchen sich eine weniger umkämpfte Zeit im Jahr, um möglichst hohe Kinoeinnahmen zu lukrieren. In direkte Konkurrenz zu einem anderen großen Film will nämlich  kein Studio mehr treten. Denn auch beim Kino hat sich  – wie in der Popmusik – das Recht des Größeren durchgesetzt: Es gibt die …

03.

Jänner

2016

Die Welt ist eine Kassette

Einst war die Kassette eine Zeiteinheit. 45 Minuten pro Seite (30 waren zu kurz, 60 zu lang), das unterteilte den Teenagertag in fixe Einheiten. Und bei diesen 45 Minuten kam es auf die letzte Sekunde an: Ein perfektes Mixtape war nur dann perfekt, wenn unmittelbar nach Verklingen des letzten Tones auch das Band zu Ende war. Was haben wir Zeit damit verbracht! Der technologische Höhepunkt war dann ein Rekorder, der beim Vorspulen die Pausen zwischen den Liedern erkannte: Da konnte man per …

25.

Dezember

2015

Mitten in der Krise ein Rekordjahr

Das Christkind ist ja erfahrungsgemäß ein braver Kulturkonsument. Unter vielen Bäumen wird das Adele-Album, die Alfred-Brendel-Box (114 CDs), das eine oder andere „Star Wars“- oder Opern-Ticket oder ein anderes Kulturprodukt gelegen sein Das Weihnachtsgeschäft war daher in den vergangenen Jahren oft das süße Ende eines bitteren Kulturjahres: Nach vielen schlechten Nachrichten – einbrechender  Musikverkauf, Kino- und  Filmstudiosterben, stagnierende Fördermittel – eine letzte gute, …

13.

Dezember

2015

Das Imperium hat gesiegt

Früher waren wir die Rebellen und führten einen  fast aussichtslosen Kampf:  den Lehrern, Eltern, auch vielen Gleichaltrigen zu erklären, dass „Star Wars“ Hochkultur ist. Oder zumindest: Nicht ur peinlich (so redeten wir auch damals schon). „Star Wars“ war, wie der Filmkritiker der New York Times jüngst schrieb, ein Initial-Kulturprodukt der heute 40-, 50-Jährigen: die erste Form des Pop, die unsere Generation für sich  in alleinigen  Besitz nahm.  Die Popmusik war …

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