Bisher unveröffentlichte Visualisierung: Ein 55 Meter hoher Hotelblock und ein 27 Meter hohes Bürogebäude bilden den „Plan B“.

© Visualisierung/Stadt Wien, WertInvest

Chronik Wien
12/30/2021

Acht Wiener Aufreger aus dem Jahr 2021 - und was aus ihnen wurde

Der KURIER berichtete über große Polit-Versprechen und ambitionierte Projekte – und hat jetzt nachgefragt, ob die Umsetzung auch gelungen ist.

von Andreas Puschautz, Christoph Schwarz, Stefanie Rachbauer, Agnes Preusser, Josef Gebhard, Nina Oezelt

Nicht nur Corona beschäftigte im zu Ende gehenden Jahr die Stadt.

Der KURIER hat anlässlich des bevorstehenden Jahreswechsels acht Aufreger-Geschichten des Jahres 2021 ausgesucht und nachgefragt, was sich in der Zwischenzeit getan hat - vom angekündigten, neuen Heumarkt-Entwurf über die Zukunft der umstrittenen Luftsteuer bis hin zum am Stephansplatz zusammengebrochenen Fiakerpferd.

Heumarkt-Entwurf erst im Jänner

Da war Landtagspräsident Ernst Woller (SPÖ) wohl doch etwas zu optimistisch. Im Dezember werde man der Öffentlichkeit präsentieren, wie die neue Bebauung des Heumarkts (ohne den umstrittenen Turm) aussehen soll, versicherte er im Herbst im KURIER. Doch daraus wird nichts.

Woran das liegt, dazu gibt es zwei Erzählungen.

Die erste stammt von der Stadt – und die  Schuldige ist darin die UNESCO. Wie berichtet, hat die Stadt nach zweijährigem Hin und Her im September einen finalen, neuen Entwurf an die Welterbehüter nach Paris geschickt. Dort werde er von einem Experten begutachtet und geprüft, ob er mit dem Welterbe-Status des historischen Wiener Stadtkerns vereinbar sei, so Woller. Man rechne mit einer Bearbeitungszeit von zwei Monaten und werde den Entwurf, sobald ihn der  Experte abgesegnet habe, der Öffentlichkeit präsentieren.  

Die Begutachtung  sei derzeit aber noch im Gange, heißt es jetzt aus  dem Büro des Landtagspräsidenten. Man gehe nun davon aus, den  neuen Entwurf noch „im Laufe des Jänners“ der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

In der zweiten Erzählung steigt nicht die UNESCO, sondern die Stadt schlecht aus. Die Wünsche der  Bauherren mit den Anforderungen der UNESCO unter einen Hut zu bringen, sei nicht so einfach, wie die Stadt das versprochen hatte. Heißt: Auch der Jänner-Termin wackelt.

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Warten auf den Baubescheid  am Wilhelminenberg

Schon seit mehreren Jahren kämpft die Bürgerinitiative „Pro Wilhelminenberg 2030“ gegen die Errichtung eines Wohnbauprojekts in der Gallitzinstraße am Fuß des Wilhelminenbergs. Die Pläne sähen eine „ortsunüblich“ hohe und dichte Bebauung vor, so die Kritik. Zudem würde die Flächenwidmung den Klimazielen der Stadt widersprechen und eine wichtige Frischluftschneise verschließen.

Nun fordert die Initiative erneut einen Baustopp und eine Nachdenkpause. Der Grund: Nach der im November im Landtag beschlossenen Novelle der Bauordnung sei das Projekt gar nicht mehr genehmigungsfähig, sagt Sprecher Christian-André Weinberger.

Auch die im Sommer erfolgte Grundabteilung, also Aufteilung des Bauplatzes in vier Baulose, geht der Initiative gegen den Strich. Von einem „mehr als durchsichtigen Vorgehen“, um möglichst wenig Anrainern Parteienstellung zuzugestehen, spricht Weinberger. Tatsächlich wurde diese mehreren Anrainern auf Basis dieser Grundabteilung aberkannt.

Am Bauplatz selbst ist unterdessen noch nichts Neues passiert, für keines der neuen Baulose liegt bisher eine Baubewilligung vor. Die Arwag, einer der beteiligten Bauträger, hat ihr Einzelprojekt zwar eingereicht, Ergebnis liegt aber noch keines vor. „Pro Wilhelminenberg“ hat laut eigenen Angaben bereits Einsprüche dagegen eingebracht.

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Luftsteuer: Finale Lösung fehlt

Viele Jahre lang wurde über die umstrittene Abgabe in der Stadt diskutiert, im März brachte ein Bericht des KURIER dann erstmals eine Lösung – zumindest eine vorübergehende.

Was hinter dem Begriff Luftsteuer steckt? Unternehmer müssen für Gegenstände, die auf öffentlichem Raum stehen (etwa Blumentröge) oder in ihn hineinragen (etwa Schilder), eine Gebühr an die Stadt entrichten. Als die Stadt mitten in der Pandemie begann, scharf zu kontrollieren, wandten sich Unternehmer an den KURIER. Wenig später zog die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) die Bremse: Sie stoppte für die Dauer der Pandemie alle Kontrollen. Zusätzlich werde den Unternehmern die Gebühr für die Zeit der Krise erlassen, versprach Sima damals.   

Aber ist das auch passiert? Ja, bestätigen Betroffene dem KURIER. Die Regelung passierte wenig später den Gemeinderat. Die Stadt zahlte die Gebühren unbürokratisch zurück.

Mehr als eine Halblösung ist das dennoch nicht. Denn: Wie es, wenn die Pandemie vorbei ist, mit der Luftsteuer weitergehen soll, ist unklar. Die Koalition sei bemüht, noch  2022 eine dauerhafte Lösung zu finden, um die Gewerbetreibenden zu entlasten, sagt Neos-Wirtschaftssprecher Markus Ornig im Gespräch mit dem KURIER. Koalitionsintern gebe es laufend Verhandlungen zu dem Thema.

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Wiental-Terrassen in der Warteschleife

Drei hätten es werden sollen, verwirklicht wurde aber nur eine: Die Wiental-Terrassen in Margareten gehören zu den umstrittensten Projekten der damaligen Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne).  Die Terrassen   über dem Wienfluss sollten für mehr Freiraum im dicht verbauten Bezirk sorgen. Die 2015 einzige realisierte  bei der Pilgramgasse  sorgte dann aber vor allem aufgrund der winterlichen Rutschgefahr für Spott und Häme.

Ungeachtet dessen griff die SPÖ Margareten das  Projekt  wieder auf. Aus ihrer Sicht habe sich die Terrasse gerade in der Pandemie   so gut bewährt, dass jetzt weitere errichtet werden sollen.
Ein entsprechender Antrag der  SPÖ wurde im Herbst in der Bezirksvertretung mehrheitlich angenommen.  Nun liegt der Ball bei Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ). 

Dort gibt man sich zurückhaltend: „Sollten die Pläne  wieder aufgenommen werden, wird dem Bezirk empfohlen, entsprechende Machbarkeitsstudien durchzuführen“, sagt ein Sprecher auf KURIER-Nachfrage. „Diese können Aussagen zur technischen und gestalterischen Machbarkeit und den damit verbundenen Kostenrahmen treffen und somit als Entscheidungsgrundlage für etwaige weitere Schritte dienen."

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Kein After-Work mit Lipizzanern

Im März kündigte Lipizzaner-Chefin Sonja Klima gemeinsam mit dem Denkmalexperten  Manfred Wehdorn einen  Umbau in der  Hofreitschule an. Ein neuer Shop, ein Kaffeehaus mit Wasserelementen, Sonnenschirme, einem neuer Zugang zum Josefsplatz – all das wurde in Aussicht gestellt. Das „Garten-Café“ sollte ein Treffpunkt für Wiener werden, ein After-Work-Ort mit Blick auf die Laufmaschine der weißen Pferde im Innenhof der Reitschule.

Jetzt sieht es anders aus: „Die Planung des neuen Besucherzentrums und des Cafés ist abgeschlossen. Durch die Pandemie bedingte finanziell schwierige Situation wurde der Um- und Ausbau allerdings gestoppt und wird nicht wie erhofft im Jahr 2022 erfolgen“, sagt die Pressesprecherin.Wann das Besucherzentrum revitalisiert wird, steht  nicht fest.

2019  verzeichnete die Reitschule 380.000 Besucher und einen Gewinn. „Erst wenn es wieder eine 100-prozentige Auslastung der Schule gibt, kann das Zentrum ausgebaut werden“, heißt es. Die Schule lebt  von Touristen, die bekannterweise fehlen.

Außerdem hagelte es 2021 Kritik: Zuerst ging es darum, dass sich die Pferde zu wenig bewegen; dann  darum, dass sie zu hart trainiert werden. Die Ausbildung eines Lipizzaners für die Tochter des Aufsichtsratschefs auf Kosten der Hofreitschule ist der jüngste Skandal.

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Augarten-Pläne noch nicht da

Anfang September gab es wieder einmal große Aufregung um den Augarten. Die Initiative „Zukunft Stadtbaum“, die Grünen und auch der Leopoldstädter Bezirksvorsteher Alexander Nikolai (SPÖ) warnten vor der Umgestaltung des einstigen „Sechseckplatzes“ nordwestlich des Flakturms in eine „Event-Zone“ und fürchteten damit einhergehend, dass für das Projekt eine aus 50 Bäumen bestehende Kastanien-Allee gefällt werden könnte.

Die für den Augarten zuständigen Bundesgärten kalmierten: Zwar sei es das Ziel, den Augarten wieder an seinen historischen Urzustand anzunähern, konkrete Pläne gebe es aber noch nicht, hieß es damals. Diese sollten bis zum Jahreswechsel erarbeitet werden.

Eine Rückfrage bei den Bundesgärten ergab nun: Ein  Konzept gibt es nach wie vor ebenso wenig wie einen konkreten Termin, bis zu dem ein solches vorliegen soll. Ein Sprecher versichert aber, die Bundesgärten „sehen die Verantwortung, das Projekt nachhaltig zu entwickeln“. Man werde daher ganz bestimmt nichts „alleine im stillen Kämmerlein beschließen“.

Auch für zwei weitere Augarten-Projekte, nämlich die Öffnung der Gartenanlage vor dem Sängerknaben-Internat sowie die notwendige Sanierung der beiden Schüsselwiesen vor dem Flakturm, gibt es noch keine fertigen Pläne.

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Wien bleibt auf Porno-Plattform

Die Bilder von Peter Paul Rubens und Egon Schiele sorgten im Oktober für weltweite Schnappatmung. Der Wien Tourismus zeigte im Zuge einer PR-Aktion Nackt-Gemälde auf der Porno-Plattform „OnlyFans“. Damit sollte darauf hingewiesen werden, dass die historischen Bilder von Plattformen  wie Facebook oder Instagram wegen zu viel Nacktheit zensuriert werden.

Während sich in Wien, wo man Nacktheit verhältnismäßig gleichgültig gegenübersteht, die  Aufregung in Grenzen hielt, wurde die Kampagne international  viel diskutiert. Das zeigt auch die Abschlussbilanz des Wien Touris- mus, die nun vorliegt. Insgesamt erschienen mehr als 2.800 Artikel, darunter in  The Guardian, The New York Times oder  Le Figaro. Die Kampagne erreichte damit rund 800 Millionen Menschen. Als „Ritterschlag“ bezeichnet der Wien Tourismus, dass US-Comedian Stephen Colbert die Aktion sogar in seiner Late-Night-Show thematisierte.

Der Kanal auf „OnlyFans“ wird  nicht mehr mit aktuellen Inhalten bespielt, der Account besteht aber weiterhin und ist  öffentlich einsehbar. Dieser hat übrigens nach wie vor 1.800 Fans, die sich für „Wiens Über-18-Inhalten“ – wie es in der Beschreibung heißt – begeistern.  

Auch wenn die Kampagne vorbei ist, ist Wien weiterhin Gesprächsthema. Es kämen nach wie vor „laufend Anfragen aus aller Welt“, heißt es beim Wien Tourismus.

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Stute Ayana ist aus Spital zurück

Was Stute Ayana am 15. November widerfahren ist, ist für Pferde eigentlich ein Todesurteil. Als das Tier mit seinem Chef, dem Fiaker Wolfgang Fasching, am Stephansplatz auf Kundschaft wartete, sackte es plötzlich zusammen. Diagnose: Kreuzschlag. Das ist eine schmerzhafte Übersäuerung der Muskeln, von der sich Pferde selten erholen.

Doch Ayana hatte Glück:  Sie wurde von der Pferderettung abgeholt und ins Tierkrankenhaus in der Donaustadt gebracht. Mittlerweile ist die Stute zurück in Faschings Stall mit seinen 16 anderen Pferden in Simmering. „Ayana ist schon lange wieder bei mir und springt auf der Koppel herum“, sagt Fasching auf Nachfrage.

Spuren habe der  Kreuzschlag  nicht hinterlassen: Spätfolgen  seien keine zu verzeichnen. Dennoch schont Fasching Ayana noch: „Ich werde sie  frühestens im März oder April  einsetzen und das dann auch  nur ein oder zwei Mal pro Woche.“

Der Zwischenfall mit Ayana war heuer nicht der einzige dieser Art: Zwei weitere Pferde brachen mitten in der Stadt zusammen und starben. All das  heizte den Streit zwischen Fiakern und Tierschützern um die Arbeitsbedingungen der Pferde kräftig an. Für Erstere sind die Kutschenfahrten Tierquälerei, sie fordern ein Fiaker-Verbot.  Zweitere streiten diesen Vorwurf ab und verweisen auf die lange Tradition der Branche und die Bedeutung für den Tourismus.

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