© Kurier/Franz Gruber

Chronik Österreich
05/19/2021

So war der Morgen am Öffnungstag in Österreich

Party ab 5 Uhr morgens, vier Gänge im Gourmetrestaurant, Käsekrainer am Wochenmarkt - der Start in die neue "Normalität" im Rückblick.

von Kevin Kada, Stefanie Rachbauer, Franz Gruber, Wolfgang Atzenhofer, Elisabeth Holzer, Anja Kröll, Stefan Jedlicka, Michael Pekovics, Petra Stacher, Nina Oezelt, Johannes Weichhart, Roland Pittner

Sieben Monate war die Gastronomie in Österreich geschlossen. Seit heute 5 Uhr ist es vorbei. Die Kaffeehäuser, Wirtshäuser, Hotels und Schanigärten im Land haben wieder geöffnet. Der KURIER ist unterwegs und zeigt, wie Österreich den großen Öffnungstag erlebt.

Musikstart um kurz nach 5 Uhr

Um 5.20 Uhr ist im Lokal Blumenwiese am Donaukanal die Musik angegangen. Rund 100 der knapp 300 Spitzenplätze wurden für das Öffnungsevent vergeben - serviert wird Frühstück, Bier, Champagner und auch der eine oder andere Tequila. "Es fühlt sich sehr gut an, wieder eine Speisekarte in der Hand zu halten", sagt eine Besucherin.

Am Kanalufer sitzen ein paar Grüppchen zusammen - Leute, die keinen Platz bekommen haben. Mit dabei: Berliner Luft und Bier. "Die Gastronomie ist das soziale Wohnzimmer. Das ist im Lockdown wieder einmal bewusst geworden", sagt Blumenwiese-Chef Philipp Pracser. Zur Feier des Lockdown-Endes ließ er um kurz vor 6 Uhr 200 Luftballons steigen.

Im Cafe Landtmann am Ring sind sehr viele Tische reserviert, an manchen haben prominente Besuche Platz genommen: Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hat vor dem Ministerrat vorbeigeschaut, im Wintergarten isst ihr Parteikollege, der Nationalratsabgeordnete Martin Engelberg, Butterbrot.

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Wiens Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck haben den Öffnungstag im Cafe Frauenhuber im 1. Bezirk begonnen - mit Kaffee und Croissant und unter großem Medienandrang. Nach einem kurzen Plausch und vielen Fotos war der Besuch aber auch schon wieder vorbei: Ludwig musste weiter in die Steiermark zur Landeshauptleutekonferenz.

Die Schanigärten der Aida und Anker Filialen werden aufgestellt und geputzt. Bei einem bekannten Fast-Food-Restaurant genießen die ersten Gäste ihr Frühstück an der frischen Luft. 

Der Schanigarten der Motto-Bäckerei überzeugt die Passanten mit Heizschwammerl und Pflanzendeko.

Beef Tartar zum Frühstück?

Viele Leckerein gibt es seit 5 Uhr morgens auch bereits im Gourmetlokal Broadmoar in der Steiermark. Das Restaurant selbst behauptet, als "erstes Haubenrestaurant Österreichs" um 5 Uhr geöffnet zu haben.

Pünktlich wurde früh am Morgen angestoßen. Haubenkoch Johann Schmuck öffnete sein Restaurant und darf sich auch gleich über volle Auslastung freuen: "Wir hätten die Plätze selbst um diese Uhrzeit mehrfach vergeben können. Die Menschen sind im wahrsten Sinne des Wortes hungrig auf die Gastro. Und wir sind es auch."

Bereits um 8 Uhr stand Max Ulrich auf dem Laufband in einem Fitnessstudio in Graz. "Natürlich vermisst man das Ambiete", versichert der Steirer. "Es macht ja viel mehr Spaß, wenn Leute um einen herum sind."

Barbara Pflügl sieht das ähnlich: "Alleine fehlt einem ein bisschen die Motivation. Hier wuseln alle herum und das Schönste ist das Gefühl nach dem Training, man hat etwas getan." 

Martin Wirth, Betreiber des "Best Fitness" in Raaba bei Graz und Branchensprecher der Fitnessstudios in der Steiermark, ist froh, dass er nach Monaten wieder aufsperren darf. "Ich bin zuversichtlich, dass alles gut klappen wird."

Aufgrund der 20-Quadratmeter-Regel - so viel Fläche muss laut Verordnung rechnerisch pro Kunde verfügbar sein - könnten aktuell nur 45 Trainierende gleichzeitig ins Studio. Doch das würde sich ausgehen, versichert Wirth.

Am Eingang werden die Mitglieder gefragt, ob sie die 3G-Regel erfüllen. Wer geimpft oder genesen ist, kann das auch hochladen, dann funktioniert die Kontrolle beim Einchecken automatisch. 

Barbara Pflügl

Max Ulrich

Deja vu beim Wirt der Hoftaverne Seisenegg, im niederösterreichischen Mostviertel, Fritz Zatl. Wieder ist ein Lockdown zu Ende. Wieder ist der KURIER mit dabei.

Trotz des sonst üblichen Ruhetags am Mittwoch hat er um 7 Uhr das Licht eingeschaltet. "Endlich! Schade ist, dass es kein Gastgartenwetter gibt, aber es ist trotzdem ein Freudentag", freut sich Zatl.

Im Ladencafe Pomale in Felixdorf bei Wiener Neustadt haben die Stammgäste schon auf die Wiedereröffnung gewartet. Um 7.30 Uhr standen die ersten vor der Türe.

"Sie haben gesagt, wie froh sie sind, dass es uns noch gibt. Dass wir trotz des langen Lockdowns nicht aufgegeben haben", erzählt Inhaberin Simone Stimac.

Carina Suchan war eine der ersten Gäste im Pomale. Ihre Freude über ihren ersten Kaffee nach dem Lockdown war so groß, dass sie sich beim Genießen selbst mit dem Handy gefilmt und das Video sofort auf Instagram gepostet hat.

Opening im Hotel Donau-Loge in der Stadt Ybbs mit bestem Donau-Blick. Chef Ernst Gruber und Theresa Prinz freuen sich über regen Betrieb in der neuen Frühstücks-Loge. Die 36 Hotelzimmer sind in Richtung Pfingsten bestens gebucht.

Auch die Reservierungen im dazugehörigen Restaurant Babenbergerhof sind sehr erfreulich sagt der Chef eines 40-köpfigen Teams. Zutrittstests und Eigentest sind kein Problem so Gruber. Hotelgäste haben in der Region genügend Teststraße zur Verfügung.

Unter dem Motto „Graue Zeiten brauchen eine bunte Antwort“ hat „Seedose“-Chef Erwin Nolz am Mittwoch sein Lokal in St. Pölten aufgesperrt.

Die gesamte Belegschaft wurde mit Hawaiihemden ausgestattet, jetzt hofft Nolz nur noch auf gutes Wetter. „Die Lockdowns habe ich genutzt, um eine Takeaway-Bar einzurichten, jetzt freuen wir uns schon auf einen tollen Sommer“, sagt Nolz.

Bei 12 Grad Außentemperatur bereitet Herbert Houska, der Wirt des Stadtbrauhofs am Hauptplatz Amstetten auch den Schanigartenbetrieb vor.

Die Elektroheizung bei den Sitzplätzen macht es möglich. Im Restaurant sind die Tische gut gebucht. Tagesspezialität ist heute eine Jägerpfanne. Mit seinem 13-köpfigen Team hat Houska im Lockdown mit Lieferservice durchgearbeitet.

In der nächsten Gasse der Fuzo Amstetten hat ein Weinlokal das noch nicht offen hat die intravenöse Lösung gegen Covid-19 parat.

Im Lokal wird heute Sputnik 3300 in Weiß und Rot angeboten.

Am Wochenmarkt in Oberwart (Burgenland) ist am Vormittag noch nicht so viel los, aber am Würstelstand der Familie Hatwagner herrscht reger Betrieb. Nach Monaten dürfen Käsekrainer, Frankfurter  und Co. wieder vor Ort konsumiert werden.

„Es wird schon Zeit und wir sind froh wieder hier zu sein, um die Besucher zu bewirten“, sagt Margarete Hatwagner. Für die meisten Marktbesucher gehören die Würstel dazu. „Gott sei dank, kann ich meine Käsekrainer wieder hier essen“, sagt ein Besucher, „die sind mir schon abgegangen“.

In Oberösterreich spannt Kevin Caner mit seinen Mitarbeitern gerade den Sonnenschirm in seinem Gastgarten auf. Auch wenn dieser heute wohl eher vor dem Regen schützen soll. Viele Reservierungen für sein Restaurant El Greco am Linzer Hauptplatz hat Caner für heute zwar noch nicht, der Sonnenbrillenträger ist aber optimistisch: „Ich bin guter Dinge. Wir freuen uns, dass wir nach einer so langen Pause wieder Gäste bewirten dürfen.“

Die nächsten Tage werden diese wetterbedingt aber wohl eher im Inneren des Lokals Platz nehmen.

Obwohl Cafés offen haben, hat sich Mara Tsakaeva heute für ein Frühstück aus dem Supermarkt entschieden und es sich auf einer Parkbank vor dem Linzer Landhaus gemütlich gemacht. „Ich bin genesen, habe aber heute noch nichts vor. Ich beobachte mal. Ich hätte mir erwartet, dass viel mehr los ist. In Lokalen sieht man aber fast nur ältere Personen“, sagt sie.

Und es stimmt: In der Linzer Innenstadt gehen zwar viele ihrer Wege, die Stühle der Gastgärten sind aber großteils leer. Und auch ein Blick durch die Fensterscheiben der Cafés zeigt nicht den erwarteten Ansturm. Die Polizei ist dennoch sehr präsent.

Wie Mara Tsakaeva warten wohl mehrere ab. „Die nächsten Tage werde ich dann aber bestimmt wohin gehen“, sagt sie.

Wer heute und in den kommenden Wochen und Monaten in eine Kaffeehaus gehen möchte, oder seine überschüssigen Lockdown-Kilos abtrainieren will, der braucht einen Test. Zumindest sofern er nicht geimpft oder genesen ist. 

Bei der Teststation in Obervellach im Kärntner Mölltal herrscht um 8 Uhr Hochbetrieb. "Für einen Mittwoch ist heute wahnsinnig viel los", sagt einer der Rot-Kreuz-Mitarbeiter, die die Tests durchführen.  Und sein Kollege ergänzt: "Wir lernen heute ganz neue Leute kennen. Alle die ins Gasthaus gehen wollen und davor noch nie bei uns waren." 

Selbsttests geplant

Der Run auf die Teststationen in Kärnten dürfte nachlassen, sobald unter der Domain selbsttest.ktn.gv.at die Möglichkeit besteht, seinen Wohnzimmertest offiziell zur "Eintrittskarte" umzuwandeln. Diese gilt dann für 24 Stunden.

Die Plattform soll im Laufe des heutigen Nachmittags online gehen. Das dazugehörige Erklärvideo, wie der Test zur "Eintrittskarte" werden soll, gibt es bereits am Vormittag. Zusätzlich soll es einen schriftlichen Leitfaden für alle geben.

Nach Monaten ohne Schwimmbad, haben auch diese wieder geöffnet. Und viele nutzten gleich den ersten Tag für ihre Längen:

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