Heinz vom Kinder-KURIER

Heinz vom Kinder-KURIER

© Markus Stefan/Valentin Pammesberger

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09/02/2020

Kultur auf Plätzen über die Stadt verteilt sollte bleiben!

Kultursommer Wien – eine kritische Würdigung – und hoffentlich Bleibendes über Corona hinaus.

von Heinz Wagner

„Wien dreht auf“ nannte sich die zweimonatige Veranstaltungsreihe des Wiener Kultursommers. Zwei große und dazu rund zwei Dutzend mittlere und kleine Bühnen – quer über die Stadt verstreut – wollten und sollten Kultur wieder ermöglichen – trotz und unter Corona-Bedingungen. Abstand, Desinfektion, ruhiges Sitzen statt Mittanzen bei Konzerten… Letztlich fanden rund 700 Acts mit an die 2000 Künstler_innen statt.

Als Besucher von mehr als einem halben Dutzend Acts an ungefähr ebenso vielen verschiedenen Locations finde ich, dieser Kultursommer hat über Corona und die Wiederbelebung des Kulturlebens hinaus etwas gezeigt, das durchaus bleiben sollte: Kultur hinaus in die Stadt zu bringen. Bühnen an Orten wie dem Wallensteinplatz (Brigittenau) oder neben einem Park (Muthsamgasse) in oder neben großen Gemeindebauten (Nietschplatz neben dem Sandleitenhof, 12.-Februar-Platz am Rande des Karl-Marx-Hofes) ließen Vorbeikommende oder spielende Kinder stehen bleiben, aufmerksam, gebannt Theaterstücke oder Konzerte verfolgen. Erreichte Menschen, die noch nie in einem Theater waren …

„Da rennen Sie bei mir offene Türen ein!“, meinte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler zum Kinder-KURIER, als sie in Ottakring darauf angesprochen wurde, ob dies nicht – auch nach Corona – beibehalten werden könnte. Gab’s übrigens schon: Vor etwa zwei Jahrzehnten tourte im Sommer ein Lkw als Gemeindehoftheater durch Höfe der großen Wohnhausanlagen. Die Ladefläche, auf der Technik und Sitzbänke transportiert wurden, verwandelte sich in eine mobile Bühne. Gespielt wurden vor allem gesellschaftspolitische Komödien von Franca Rame und Dario Fo.

Zurück zum „Aufdrehen“: Die Förderung der Künstler_innen schien – zumindest in den ersten Wochen – wichtiger als Publikum zu erreichen. An manchen der Veranstaltungsorte schienen Besucher_innen eher zu stören als willkommen zu sein. Das reichte von der fast-Vertreibung eines Elternpaares mit Kind im Rollstuhl – die voneinander getrennt sitzen sollten, obwohl sie genau diesen Kultur-Ausflug gemeinsam erleben wollten bis hin dazu, dass schon während eines Konzerts frei gewordene Sitzplätze und Tischchen desinfiziert wurden. Oder breit und allgemein für den Kultursommer Wien geworben wurde, viele aber nicht wussten, wo sie finden, was, wann, wo gespielt wurde.

Das war auf der Homepage auch fast nie mehr als eine Woche im Voraus zu finden. Ja selbst wenn Künstler_innen mehrere Auftritte beim Kultursommer hatten, war dies bei den einzelnen Auftritten nicht einmal verlinkt.
Gut, ja, Schnellschuss, Großartiges aus dem Boden gestampft. Aber als Aktion des Stadt Wien-Marketing – wäre das von einer Homepage nicht zu viel verlangt gewesen.

Und die Idee mit den Liegestühlen als entspannte Sitze – mit Abstand – hatte so manchen Nachteil. Abgesehen davon, dass selbst bei mitreißenden Konzerten wie des Geschwister-Duos EsRap damit kaum Stimmung aufkam, wenn Zuschauer_innen fast liegen, erreichten Publikumsreaktionen Schauspieler_innen auf der Bühne kaum.

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