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Zeynep Alan, Marie-Therez Lorenz und Oktay Günes in Emre will Hodscha werden / Emre hoca olmak istiyor

© Heinz Wagner

Kiku
08/02/2020

Kaiserschmarrn aus Kayseri auf der Wiener Kaiserwiese

Emre will Hodscha werden / Emre hoca olmak istiyor: Türkisch-österreichische Live-Sitcom im Rahmen des Wiener Kultursommers.

von Heinz Wagner

Eine österreichisch-türkische Live-Sitcom mit Potenzial zur Serie – das ist eine DER Entdeckungen dieses Wiener Kultursommers: Emre will Hodscha werden / Emre hoca olmak istiyor - noch heute 2. August auf der Kaiserwiese (vor dem Riesenrad) zu sehen.

Sicher, dem knapp einstündigen, turbulenten Stück ist anzumerken, dass es in wenigen Probentagen sozusagen aus dem Boden gestampft wurde. Aber rasant und witzig gespielt, greift es schwere Themen – oft wie nebenbei – mit einer durch Witz getragen gewissen Leichtigkeit auf. Ob die Auseinandersetzungen in Favoriten zwischen Rechten und Linken, Erdoğan-Autoritätsgläubigen und demokratisch-kurdischen Demonstrant_innen, ob Österreich- oder Türkei-Gefühl in der zweiten und dritten Generation, Geschlechter-Rollenklischees, Culture-Clash...
Weniger klischeehaft und dafür differenzierter - vor allem die Figur des 10-jährigen Emre - könnten die einzelnen Charaktere sein – aber das ließe sich schon noch entwickeln.

Tolle, größer, schöner

Die hauptsächlich in Deutsch – mit einigen Sätzen auf Türkisch – gespielte Komödie dreht sich aber nicht zuletzt um die Frage „wie kommt das bei den anderen an?“ Die Beschneidungsfeier für den 10-jährigen Emre muss größer, toller usw. sein als die von anderen. Hunderte Gäste, Musikgruppe aus der Türkei eingeflogen, einreiten auf Pferden … - allein das Geld dafür ist nicht ansatzweise da.

Und sie muss traditionell sein – so seine Mutter Zafie. Nicht wie bei Onkel Baki, bei dem sie in einem Krankenhaus vorgenommen wurde. Zwar viel schmerzfreier, aber deswegen ist er auch nicht so streng-gläubig, wie ihm seine Schwester vorwirft. Drum fühlt er sich auch eher als Österreicher denn als Türke, hat mit Ulli eine österreichische Freundin, bei der er sich so gar nicht als Macho aufführt.

Aber dass er sich allein um die alte, kranke gemeinsame Mutter Hanife kümmert, das findet Zafie schon besser, als selbst einmal auch nur einen Abend diese Pflege zu übernehmen.

Emre nach der Beschneidung mit großem VErband in der Hose ...

...

Zanife und Ohrhan im Auto ...

...

... das sie wüend verlässt ...

Oma Hanife (Zeynep Alan) mit einer Trueh voller Kaiserschmarrn ... und Ulli (Marie-Therez Lorenz)

Staunend daneben

Die Ulli steht so ziemlich staunend, wohlwollend, aber ziemlich verständnislos neben dem Geschehen – eine Rolle, die Marie-Therez Lorenz oft auch räumlich neben der Szene stehend naiv anlegt. Zeynep Alan switcht gekonnt und glaubwürdig zwischen den beiden Rollen der Hard-Core-Zafie und der sich aufopfernden eigenen Mutter Hanife hin und her. Und endlich ist Oktay Günes nach Jahren anderer Brotberufe wieder als Schauspieler zu erleben. Vor rund einem Jahrzehnt spielte er in mehreren Stücken vor allem Aslı Kışlals Theaterverein „Das Kunst“. Hier ist er sowohl Zanifes Bruder Baki als auch deren im Streit getrennter Ehemann Orhan, vor allem aber auch der Bub Emre, der eine Art Superheld werden will und unter der bevorstehenden Beschneidung leidet.

„Zaungäste“

Genial nicht zuletzt einer der drei Aufführungsorte beim Kultursommer: Der Wallensteinplatz in der Brigittenau. Eine echte südländische Piazza – mit Gastgärten, Kindern, die nebenan spielen und turnen und zwischendurch voll interessiert das Spiel auf der Bühne verfolgen. Und trotz der culture-clashigen Themen stellt sich als großer Bogen doch wohl eine wohl viele Kulturen umspannende gemeinsame Frage: Sein oder Schein? Was tun wir, um bei anderen gut – oder zumindest nicht schlecht – da zu stehen?

Serie und Folgen wären toll

Cool wäre, würde diese zweisprachige Komödie – durchaus auch mit mehr Anteilen in der zweiten Sprache – ausgebaut, weiter daran gearbeitet werden und in einer längeren Spielserie durch die Bezirke touren – out- und indoor. Die Konstellation hat auch das Potenzial für viele weitere Folgen.

Oktay Günes als Onkel Baki und Zeynep Alan als Zafie, seine Schwester und Emres Mutter ...

Oktay Günes als Onkel Baki und Zeynep Alan hier als seine Mutter Hanife ...

Oktay Günes als Emre und Zeynep Alan als seine Oma Hanife

Heute noch!

Ach ja, am Sonntagabend (2. August - Infos siehe unten) ist Emre will Hodscha werden / Emre hoca olmak istiyor noch einmal zu erleben – auf der Kaiserwiese vor dem Riesenrad am Beginn des Wiener Praters. Dort wird Hanife aus der zentraltürkischen Stadt Kayseri noch einmal den unsichtbaren Kaiserschmarrn – türkisch gewürzt ;)

Follow@kikuheinz

 

Emre will Hodscha werden / Emre hoca olmak istiyor
Komödie auf Deutsch und Türkisch/Almanca ve Türkçe Komedi
Ilios Théâtre
Von und mit: Zeynep Alan, Oktay Günes, Marie-Therez Lorenz

Wann & wo?
2. August 2020
17.30 bis 18.30 Uhr
1020, Oswald-Thomas-Platz

Kultursommerwien-> Emre will Hodscha werden

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