Parkpickerl gilt nun in ganz Wien: So lief der Morgen an Tag eins

In der Perchtoldsdorfer Straße, unweit der Grenze zu Niederösterreich und zum Liesinger Bahnhof, sind viele Parkplätze frei.
Fürs Parken bezahlen muss man nun auch in Liesing, in Floridsdorf, in der Donaustadt, in Hietzing und in dem bisher nicht einbezogenen Teil von Simmering. Das bringt freie Parkplätze, aber auch Probleme.

Bringt es freie Parkplätze? Oder allen voran verärgerte Autofahrer? Das ist die Frage, die sich bei jeder Ausweitung des Parkpickerls stellt. Und ganz besonders bei der heutigen: Mit Liesing, Floridsdorf, der Donaustadt, Hietzing und dem bisher noch nicht einbezogenen Teil von Simmering kommen immerhin sehr große Stadtteile zur Wiener Kurzparkzone hinzu. 

Konkret Bedeutet die Ausweitung, dass man ab sofort in (fast) ganz Wien fürs Parken bezahlen muss: Anrainer mit dem Pickerl, alle anderen per Parkschein. Nur einige Straßenzüge, etwa in Industriegebieten, sind ausgenommen.

Erklärtes Ziel der Stadt ist, damit den Pendlerverkehr im Auto nach Wien zu reduzieren und mehr Menschen zum Umsteigen auf die Öffis zu bewegen. Im Fall von Silvia Koder, die der KURIER am Westbahnhof trifft, ist das aufgegangen. Sie fährt üblicherweise mit dem Auto bis zur Station Wolf an der Au in Hietzing und dann weiter in die Innenstadt. "Ich verliere jetzt 10 Minuten", sagt sie.

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Dabei könnte sie mit ihrem Bahnticket ihr Auto am Parkplatz beim, Bahnhof Wolf an der Au abstellen. Die ÖBB haben, wie berichtet, in Vorbereitung auf die Parkpickerl-Ausweitung Schranken bei ihren Gratis-Parkplätzen montiert, um die Parkplätze für Pendler freizuhalten, die mit der Bahn weiterwollen.  

"Heute war dort nicht viel los. Der Schranken geht noch nicht", sagt Koder, die im AKH im Labor arbeitet. Andere Pendlerinnen erzählen, dass in Pressbaum deutlich mehr Autos am Parkplatz zu sehen waren.

Koder ist jedenfalls verständnisvoll: Grundsätzlich könne sie die Einführung des Parkpickerls nachvollziehen, so die Pendlerin. "Auch wenn es für mich persönlich nicht so toll ist". 

Unmut am Bahnsteig

Eine andere Frau auf dem Bahnsteig ärgert sich über die Ausweitung. Miriam Hefner aus dem 14. Bezirk fährt zwar immer mit dem Zug in die Arbeit, an Zielen in der Freizeit würde sie aber dennoch gerne weiter gratis parken.

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„Meine Schwiegereltern besuche ich im 22. Bezirk. Das Parkpickerl macht doch keinen Sinn und kostet nur Geld“, schimpft sie. 

Ärger beim Bezirksamt

In Liesing ist so mancher ebenfalls uneinsichtig: "SPÖ kassiert", ist bei einem A4-Zettel am Eingang des Bezirksamts zu lesen, der den Weg zum Parkpickerl-Antrag weist.

Im Amt selbst geht aber alles gesittet zu. Es sind nicht mehr Menschen da als Sessel. Eine Dame hat sich gerade das Parkpickerl geholt. Sie habe erst gestern davon erfahren, dass sie es ab heute braucht, sagt sie.

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Davor habe ich schon davon gehört, „aber ich habe gedacht, das ist so ein Spaß wie Corona und kommt dann nicht“, sagt sie scherzhaft. Manche anderen Antragsteller seien „verärgert, weil sie sich für die Antragsstellung extra freinehmen mussten“, erzählt die Dame. 

Spät dran

Weil auch andere Autofahrer mit dem Antrag zugewartet haben, brachte der Tag eins auch Probleme mit sich. Hat man den Antrag erst in den vergangenen Tagen gestellt, ist es wahrscheinlich, dass man das Parkpickerl nicht rechtzeitig ausgestellt bekommen hat. 

Betroffene Autofahrer sollen den gestellten Antrag gut sichtbar ins Auto legen und auf die Kulanz der Parksheriffs hoffen, rät laut einem ORF-Bericht der ÖAMTC.  

Unmut hätte man auch am Liesinger Bahnhof erwarten können. Denn dort startete der Tag mit einigen Zugausfällen. Allerdings nur für diejenigen, die aus der Stadt hinausfahren wollten.

Die Züge nach Wien fuhren alle pünktlich ab. Chris Lohner, die Stimme der S-Bahn-Ansagen, entschuldigte sich trotzdem in regelmäßigen Abständen.

Normales Fahrgastaufkommen

Am Bahnsteig selbst ist vom Parkpickerl ebenso wenig zu spüren. Die Anzahl der Fahrgäste entsprach zwischen 7 und 8 Uhr in etwa der Anzahl eines Tages vor der Parkpickerl-Ära, da waren Schüler und hauptsächlich ortskundige beziehungsweise versierte Öffi-Nutzer.

Letzteres erkennt man in Liesing leicht. Wer sich bei der S-Bahn nicht auskennt, muss lange auf die Anzeigetafel starren, um zu erkennen, ob der einfahrende Zug auch wirklich bei der gewünschten Station stehenbleiben wird - oder die Richtung stimmt.

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Der Grund dafür ist nicht die unübersichtliche Tafel, sondern, dass auf dem dynamischen Display die Stationen nacheinander angezeigt werden und man mitunter lang warten muss bis man die erforderliche Information hat.

Entspannung auf der Straße

Fünf Gehminuten weiter, in der Perchtoldsdorfer Straße ist aber durchaus ein Unterschied spürbar: In der Straße, die direkt zum Bahnhof Liesing führt, sind viele Parkplätze frei.

Ein Badener Kennzeichen hat sich herverirrt, ansonsten sind nur Wiener Autos zu sehen. Die einzig „stehenden“  niederösterreichischen Kennzeichen sieht man vor der Apotheke, wenn dort jemand für fünf Minuten reinhüpft.

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Zugeparkte Straßen in Langenzersdorf.

Zugeparktes Langenzersdorf

Anders sieht es in Langenzersdorf aus. Da hatten es die Einwohner in der Früh schwer, einen Parkplatz in Bahnhofsnähe zu ergattern.

Wo üblicherweise nur die für Bahnkunden vorgesehenen Parkplätze belegt sind, waren am Dienstag fast alle Straßen in Bahnhofsnähe bis auf den letzten Meter zugeparkt.

Sehr gut gefüllt, aber noch mit Kapazitäten zeigte sich das Park-&-Ride-Deck beim Bahnhof Baden, mit knapp 900 Stellplätzen eines der größten im Wiener Umland in Niederösterreich, am Dienstagmorgen.

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Der Bahnsteig in Baden.

„Ich habe das Gefühl, dass heute schon mehr da sind als sonst“, meint ein Bahnfahrer, der mit vielen anderen am Bahnsteig auf den nächsten Wieselzug nach Wien wartet.

Ob das jetzt mit der Einführung des Wiener Parkpickerls zusammenhängt, könne er nur mutmaßen. Für ihn persönlich habe es jedenfalls keine Auswirkungen, weil er sowieso nur mit dem Öffis nach Wien fährt.

Entspannte Situation in Stockerau und Korneuburg

Das Parkpickerl ist für viele der Zugfahrer kein Thema, auf Autofahrten nach Wien verzichten sie schon länger. So auch Juliane Bischof, die jeden Tag mit dem Zug von Oberolberndorf nahe Stockerau in die Wiener Innenstadt pendelt: „Eine höhere Auslastung in den Zügen wäre mir nicht aufgefallen“.

 

Flüssiger Verkehr auf der Tangente

Am Weg von Süden in die Bundeshauptstadt mit dem Auto geht am Dienstagmorgen auf der Südautobahn und Tangente vergleichsweise flüssig dahin. Fast voll ist dagegen die Park-&-Ride-Anlage bei der U4 in Heiligenstadt, deutlich voller als in den vergangenen Wochen.

Routine in Hütteldorf

Im äußersten Westen Wiens, in Hütteldorf, ist hingegen kein Unterschied zu anderen Morgen zu bemerken. Periodisch rollen Autos - häufigstes Kennzeichen: St. Pölten-Land - von der Westeinfahrt kommend die Rampe zur siebenstöckigen Park+Ride-Anlage hinauf.

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Orientierungslos scheint dort niemand zu sein, routiniert und praktisch ohne anzuhalten passiert ein Fahrzeug nach dem anderen den Schranken. 

Plätze gibt es auch um kurz vor 8 Uhr noch genug, nur drei der sieben Parkdecks sind belegt. "Alles wie immer", brummt einer, der dort arbeitenden, mehr hatte er nicht zu sagen, seinen Namen will er auch nicht in der Zeitung lesen.

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Freie Plätze beim Bundesbad Alte Donau. 

Auf der Arbeiterstrandbadstraße - beim Bundesbad Alte Donau - gibt es viele freie Plätze. Hier stehen hauptsächlich Wiener, auch ein paar ausländische Kennzeichen sind zu sehen.

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