Das neuartige Coronavirus wird uns auch in den Sommermonaten begleiten.

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Wissen Gesundheit
06/29/2020

Corona-Sommer: Wie wir uns in den kommenden Monaten schützen können

Fitness, Freizeit, Freunde – und dazu das Coronavirus: Auch in den kommenden Monaten sollte man nicht alle Vorsichtsmaßnahmen über Bord werfen.

von Ernst Mauritz, Marlene Patsalidis

Die Coronavirus-Pandemie teilt Österreich: Auf der einen Seite jene, die auf Vorsicht und Abstand verzichten und Masken bestenfalls noch dort tragen, wo sie vorgeschrieben sind. Auf der anderen Seite jene, die das gar nicht so locker sehen, wie auch Infektiologe Florian Thalhammer vom AKH / MedUni Wien beobachtet: "Ich habe den Eindruck, dass viele diesen gelassenen Umgang und das großzügige Aufheben der Maskenpflicht durch die Regierung nicht als positiv empfinden. Die Infektionsgefahr wird mittlerweile vielfach unterschätzt."

Der Sommer wirft viele Fragen auf – etwa, ob auch die menschlichen Ausdünstungen SARS-CoV-2 übertragen. "Nein", sagt Miranda Suchomel, Hygienikerin an der MedUni Wien, "mir ist keine Studie bekannt, die klar belegt, dass das neuartige Coronavirus sich über Schweiß verbreitet". Wie aber soll und kann man sich künftig in bestimmten Situationen verhalten?

Supermarkt

Dass mit dem Fall der Maskenpflicht bei vielen auch die Bereitschaft, diese freiwillig im Supermarkt aufzusetzen, gewichen ist, kann Virologe Christoph Steiniger, MedUni / AKH Wien, nachvollziehen: "Es ist unangenehm, sie zu tragen, wenn man es nicht gewöhnt ist." Derzeit würden sich viele aufgrund der niedrigen Infektionszahlen in Sicherheit wiegen: "Ich hoffe, dass wir diese Meinung nicht bald revidieren müssen, und würde es so formulieren: Jeder, der sich schützen möchte, sollte einen Mund-Nasen-Schutz tragen." Zumal gerade in Innenräumen ein bis zwei Meter rund um eine infizierte Person das Risiko, mit ihren ansteckenden Tröpfchen in Kontakt zu kommen, deutlich erhöht ist.

Suchomel sieht in den Masken auch eine psychologische Funktion: "Sie haben Signalwirkung und man kann gerade gut beobachten, dass mit dem Wegfallen der Maskenpflicht auch andere Hemmungen fallen – die Menschen rücken mehr zusammen."

Badeplatz

Das Virus kann sich unbemerkt über die Luft verbreiten, aber nicht über Wasser – das werden Experten nicht müde zu betonen. "Man kann davon ausgehen, dass es wegen der immensen Verdünnung zu keiner Infektion kommt", bekräftigt Steiniger, "egal ob im See, Meer oder Fluss – und am allerwenigsten im Pool, weil das Wasser in diesem chloriert ist". Und UV-Strahlung inaktiviert die Viren. Auch Liegewiesen sehen Suchomel und Steiniger nicht als Problem. "Dort umgibt uns ein riesiges Luftvolumen, das minimiert das Risiko enorm", sagt Suchomel. Mehr Sorge bereiten den Experten die Imbissstände und Eingangsbereiche, vor denen sich Menschen in langen Schlangen drängen. Hier dürfe man die Abstandsregel nicht außer Acht lassen. Suchomel: "Das Anstellen nach einem Einbahnprinzip zu gestalten, würde hier viel Sinn machen, weil die Ansammlung dann geordneter funktioniert."

Schanigarten

Volle Schanigärten stimmen die Gastrobranche freudig, veranlassen aber Experten zu mahnenden Worten. Grund dafür sind Aerosole, winzige Partikel, die beim Atmen, vor allem aber beim Singen und lauten Sprechen über den Mund ausgestoßen werden. Ist man am neuen Coronavirus erkrankt, können mit diesen Teilchen Viren ausgeschieden werden. Größere Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder feuchter Aussprache in die Umgebungsluft gelangen, fallen rascher zu Boden.

Das unmittelbare Ansteckungsrisiko, das von ihnen ausgeht, sei im Freien schneller, aber nicht vollständig gebannt, sagt Suchomel. "Ich würde in größeren Runden raten, die Köpfe nicht allzu eng zusammenzustecken." Ein Restrisiko werde es immer geben, "allerdings lauern im Alltag überall Gefahren", gibt auch Steininger zu bedenken, "im Schanigarten genauso wie beim täglichen Überqueren der Straße". Dass die Maskenpflicht beim Personal fällt, sieht Suchomel gelassen: "Viele Kellner haben zuletzt teilweise nur Scheckkarten-große oder Schirmkapperl-ähnliche Visiere getragen. Da war ohnehin kein Schutz gegeben."

Fitnesscenter

Seit Ende Mai darf in Fitnessstudios wieder geschwitzt werden. Etliche Betreiber verhüllten, entfernten oder deaktivierten Geräte, montierte Plexiglasscheiben zwischen diesen oder beschränkten die Besucherzahl. Wie gut schützen diese Maßnahmen die Kunden? Darüber gibt nun eine der wenigen Fitnessstudio-spezifischen Studien aus Norwegen Aufschluss. Bevor man dort die Sportstätten diese Woche aufsperrte, ließ man eine Testgruppe von knapp 2.000 Personen im Fitnesscenter trainieren. Die Auflagen ähnelten jenen in Österreich. Nach zwei Wochen zeigte sich: Niemand in der Trainingsgruppe hatte sich vor Ort angesteckt. Die Autoren zeigen sich optimistisch, dass sich Länder mit niedrigen Infektionszahlen an den Erkenntnissen orientieren können.

Wer auf Nummer sicher gehen will, dem rät Steininger sich zu vergewissern, dass "große Fenster vorhanden sind, die regelmäßig geöffnet werden, um einen Luftzug herzustellen". Entwarnung gibt Suchomel bezüglich der diversen Griffe und Hebel an den Geräten: "Coronaviren werden kaum durch Schmierinfektionen übertragen, außerdem wird in Fitnesscentern Hygiene ohnehin großgeschrieben." Bei Kursen, etwa Yoga, rät sie in Räumen zu einer Teilnehmerbeschränkung: "Man könnte die Menschen Rücken an Rücken positionieren, damit sie sich nicht anatmen."

Flugzeug

"Die Gefahr, sich im Flugzeug mit SARS-CoV-2 anzustecken ist real gegeben", sagt der Flugzeugexperte Dieter Scholz, Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. "HEPA-Filter können Viren zurückhalten, aber diese sind dann ja bereits in der Kabinenluft, bevor der rückgeführte Luftanteil (zirka die Hälfte der Kabinenluft, die andere Hälfte ist Frischluft) gefiltert wird. Man muss also das Risiko abwägen." Seine Tipps: "Wichtig ist, dass Sie möglichst wenig Nachbarn haben. Das ist am Fenster besser gegeben als am Gang, weil dort Personen vorbeigehen."

Am besten sei der Fensterplatz in der letzten Reihe. Die Luftdüsen immer schließen: "Die Aerosole verteilen sich in der Kabine in Längsrichtung durch Turbulenz, also die Durchmischung der Kabinenluft. Die Turbulenz wird durch die Luft aus den Luftdüsen verstärkt. Die Aerosole werden kräftig durchgewirbelt und verteilen sich dadurch verstärkt in der ganzen Kabine." Deshalb sollte man auch während des gesamten Fluges sitzen bleiben: "Man begegnet dadurch weniger anderen Menschen. Und man trägt dazu bei, die Durchmischung der Kabinenluft gering zu halten."

Eine FFP2-Maske erhöht den Schutz. Hat sie aber ein Auslassventil, filtert sie aber nur die eingeatmete Luft und bieten keinen Fremdschutz für die Sitznachbarn.