Eine Teilnehmerin mit Gesichtsmaske am "Pride March" am vergangenen Wochenende in Berlin.

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Wissen Gesundheit
06/29/2020

Coronavirus-Experte warnt: "Weniger Masken, mehr Fälle"

Infektiologe sieht in einem zu lockeren Umgang der Bevölkerung mit dem Mund-Nasen-Schutz einen Hauptgrund für den Anstieg bei den Neuinfektionen.

von Ernst Mauritz

Für den Infektiologen Florian Thalhammer von der MedUni Wien / AKH Wien gibt es keinen Zweifel: „Der Anstieg der Infektionen mit dem neuen Coronavirus ist eine Folge davon, dass die weitgehende Maskenpflicht gefallen ist. Und ich bin nicht der einzige Experte, der der Meinung ist, dass die Bevölkerung derzeit zu locker mit dieser Schutzmöglichkeit umgeht.“ Dadurch steige für alle das Risiko: „Und es steigt auch die Gefahr, dass Infektionen in Risikobereichen wie Spitälern oder Seniorenwohnhäusern eingeschleppt werden.“

„Viele Studien haben in den vergangenen Monaten einen Schutzeffekt bestätigt“, sagt Thalhammer. „Wir haben hier dazugelernt. Viele ursprüngliche Skeptiker sind heute Maskenbefürworter.“ Erwiesen sei auch, dass man nicht nur den anderen schützt, sondern auch einen gewissen Eigenschutz hat: „Selbst wenn die Maske des anderen noch Partikel durchlässt – die eigene hält dann einen weiteren Teil zurück.“ Bis zu 80 Prozent der Covid-19-Infektionen könnten durch konsequentes Maskentragen vermieden werden.

Zwei mit Covid-19 infizierte Friseure in Missouri, USA, schnitten 140 Kunden die Haare, ehe ihre Infektion diagnostiziert wurde. Angesteckt hat sich aber niemand: US-Experten, die mit dem Fall betraut waren, führten das darauf zurück, dass Friseure und Kunden Masken trugen. Und eine Studie der Uni Cambridge kam zu dem Schluss: Weitverbreitetes Maskentragen kann ohne Lockdown eine zweite Erkrankungswelle verhindern. Thalhammer selbst geht weiter nur mit Maske einkaufen: „Übrigens auch mein 18-jähriger Sohn und seine Freunde.“

Und er verweist auf einen weiteren Aspekt: „Wir haben schon im Frühjahr gemerkt, dass durch das Maskentragen auch die Fälle an Influenza, Erkältungen und die damit verbundenen Krankenstände zurückgegangen sind. Wir werden ab Herbst die Masken auch brauchen, um die ohne Test schwer unterscheidbaren Influenza-Fälle niedrig zu halten und die Spitäler zu entlasten. Außerdem reicht vielleicht der Influenza-Impfstoff nicht aus.“