© APA/AFP/Imperial Household Agency of Jap/HANDOUT

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11/30/2021

Japans Prinzessin Aiko volljährig: Wird sie als Frau den Thron besteigen?

Japans Erbmonarchie droht auszusterben - Experten beraten, doch die Zeit drängt.

Auf ihr ruhen die Hoffnungen vieler Menschen in Japan: Prinzessin Aiko. Das einzige Kind von Kaiser Naruhito und seiner Gemahlin Masako wird am 1. Dezember 20 Jahre alt - und damit volljährig. Normalsterbliche Japanerinnen und Japaner dürfen ab diesem Alter Alkohol trinken, rauchen und wählen. Aiko darf dagegen nicht einmal in der Öffentlichkeit ihre eigene Meinung äußern. Und noch eines ist ihr verwehrt: der Thron.

Auf den dürfen nach dem geltenden Hofgesetz nur Männer der männlichen Kaiserlinie. Doch der ältesten Erbmonarchie der Welt geht langsam der männliche Nachwuchs aus. Ist Aiko die Rettung?

Japan: Gesetzesänderung für den Erhalt der Monarchie?

Masako hatte seit ihrer Hochzeit mit Naruhito im Juni 1993 unter einem gewaltigen Erwartungsdruck gestanden, der Nation einen Thronfolger zu gebären. Als am 1. Dezember 2001 Aiko zur Welt kam, löste dies im Volk zwar Jubel aus, aber auch eine Debatte darüber, ob das Hofgesetz geändert werden sollte, um die Zukunft der Monarchie zu sichern. 2005 schien man fast so weit.

Als ein Entwurf zur Gesetzesänderung fast im Parlament eingebracht werden konnte, verkündete plötzlich Kiko, die Frau von Kronprinz Akishino, Naruhitos Bruder, dass sie noch ein weiteres Kind erwarte. "Natürlich war es ein Bub. Und schon war das Thema Kaiserin wieder vom Tisch", sagt Ernst Lokowandt, ein intimer Kenner des japanischen Kaiserhauses. Doch als kürzlich Kikos älteste Tochter Mako (29) ihren bürgerlichen Studienfreund Kei Komuro heiratete und damit aus dem Hof ausschied, gewann die Debatte über die Thronfolge wieder an Fahrt. Während Mako und ihr Mann nach jahrelanger Kontroverse wegen eines Streits um Geld in Komuros Familie Japan für immer den Rücken kehrten, richten sich nun die Augen der Öffentlichkeit zunehmend auf ihre Cousine, Prinzessin Aiko.

Japans Prinzessin Aiko: Ihr Leben im Kaiserhaus

Hinter dem dichten Chrysanthemenvorhang des Kaiserhauses lebt sie in den Augen vieler ein Leben, wie es sich für eine Prinzessin gebührt. Wie ihr Vater, Kaiser Naruhito, besuchte Aiko die frühere Adeligenschule Gakushuin. Seit vergangenem Jahr studiert sie an der Gakushuin-Universität japanische Sprache und Literatur. Wie ihre Mutter liebt sie Tiere, hat einen Hund namens Yuri und züchtete seit ihrer Grundschulzeit Seidenwürmer - eine Aufgabe, die grundsätzlich Kaiserinnen haben. In ihrer Abschlussarbeit an der Oberschule beschäftigte sich Aiko mit "Katzen und Hunden der Heian-Zeit" (794-1185) in der Literatur. Im Mai dieses Jahres verabschiedete sie ihr geliebtes kaiserliches Reitpferd Toyoyoshi-go in den Ruhestand.

Wie steht Japan zu einer Frau auf dem Thron?

In einer Umfrage befürworteten jüngst mehr als 80 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger eine Frau auf dem Thron. Selbst in der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) gibt es laut Medien zunehmend Stimmen, die sich dafür aussprechen, dass Aiko eines Tages ihrem Vater Naruhito als Kaiserin auf dem Thron folgen sollte.

Dies wäre an sich auch nichts Neues für Japan, denn zwischen dem 6. und dem 18. Jahrhundert hatte es gleich acht weibliche Monarchen in Japan gegeben. Die letzte war Go-Sakuramachi, die von 1762 bis 1771 regierte. Der Legende nach hat die Familie ihren Ursprung in der Sonnengöttin Amaterasu-omikami. In Japan kommt der Sicherung der kaiserlichen Thronfolge große Symbolkraft zu. Der Tenno ("Himmlischer Herrscher") gilt seit der Nachkriegszeit zwar nicht mehr als göttlich, aber nach der Verfassung ist er das "Symbol des Staates und der Einheit des Volkes". Regierungsbefugnisse sind Japans Monarchen alle genommen.

"Hört das Kaiserhaus auf zu existieren"?

Bis Ende des Jahres soll nun ein Gremium von Experten einen Vorschlag zur Lösung der Thronfolgeproblematik ausarbeiten. Denn die Zeit drängt: Derzeit stehen theoretisch nur noch drei Kandidaten als Nachfolger für Aikos Vater auf dem Thron bereit: Sein Bruder, Kronprinz Akishino (55), dessen 15 Jahre alter Sohn Prinz Hisahito und Naruhitos Onkel Masahito - der 85 Jahre alt ist. Sollte also Hisahito - der erste Prinz in Japan seit 41 Jahren und das einzige noch verbliebene männliche Mitglied der jüngsten Generation der Kaiserfamilie - eines Tages nicht für männlichen Nachwuchs sorgen, "hört das Kaiserhaus auf zu existieren", so Tenno-Experte Lokowandt.

Änderungen oder Alternativen

Würde das Haushofgesetz jedoch so geändert, dass grundsätzlich das erstgeborene Kind - unabhängig vom Geschlecht - auf den Thron kommt, wäre das Nachwuchsproblem gelöst. Denn dann würde auch einer erstgeborenen Tochter die Thronfolge vor einem jüngeren Bruder oder einem Cousin ermöglicht. Mit anderen Worten: Aiko würde eines Tages Kaiserin. Doch Japans Nationalisten ist die Vorstellung von Frauen auf dem Thron ein Graus. Dass die Nachkriegsverfassung des Landes die Gleichheit der Geschlechter vorsieht, interessiert sie nicht. Sie würden lieber eine Wiederaufnahme einiger Kaiserhausfamilien sehen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Status verloren und zu Privatpersonen geworden waren.

Experten halten das jedoch für eine Schnapsidee. Schließlich lebten diese Familien längst ein normales Leben als Bürgerliche und würden wohl kaum ihre Freiheiten gegen die Zwänge am Hofe tauschen wollen. Und so wartet Japan weiter auf eine Lösung.

Wie geht es für Prinzessin Aiko weiter?

Derweil wird Prinzessin Aiko ihren Geburtstag nach alter Tradition begehen. Dazu gehören Pilgergänge zu Shinto-Heiligtümern am Hofe, wo ihre kaiserlichen Vorfahren und Japans Götter verehrt werden. Aber erst vier Tage nach ihrem Geburtstag, weil sie an dem Tag zur Universität muss. Fortan wird Aiko dann als volljähriges Hofmitglied offizielle Aufgaben übernehmen. Wozu vielleicht ja eines Tages auch der Thron gehört.

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