© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
10/30/2016

Das ewige Herumbasteln

Je länger die Ehe, desto leiser die Frage: „Wie viel Veränderung soll’s denn sein?“

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Sie

Ich war jung und habe die Liebe gebraucht. Wohl deshalb kam der Mann nebenan seinerzeit zum richtigen Moment, als er mich bei der Firmen-Weihnachtsfeier 1997 mit BBs – für banale Bonmots – anbaggerte. Erst nachdem wir die Holprigkeiten dieser ersten Anbahnungsversuche hinter uns gelassen hatten, wurde das was. Wenige Monate später zog er bei mir ein. Ich tat, was Verliebte oft tun: Ich knipste meinen Verstand aus – und glaubte jeden Blödsinn.

Hallodri & Halunke

Als er etwa sagte, er würde vor allem meine innere Schönheit lieben. Der Rest wäre blablabla, eh auch super, aber blablabla eher sekundär. Ich glaubte außerdem, dass ich ihn ändern könne. Dass ich diejenige wäre, die die Macht dazu hätte. Weil ich die Schönste, Beste, Intelligenteste, Witzigste, Aufregendste, Erotischste wäre. Eine machtvolle Göttin. Und für so eine, dachte ich, würde so einer alles tun. Etwa Fußball als banalen Irrtum der Schöpfung anerkennen. Oder beim Anblick anderer Frauen total angeekelt sein. Ich glaubte außerdem, dass er eines Tages vor mir niederknien würde, um mir für die wundersame Wandlung, initiiert durch mich, zu danken: Wenn ich dich nicht hätte, wäre ich Hallodri, Halunke, Heimatloser geworden. Danke, Göttin! Also nannte ich ihn heimlich „den Unvollendeten“ und begann am Projekt „männlich/ungeschliffener Diamant“ zu basteln. Und zu redigieren. Wo schon Katharina, die Große gesagt hat: Jeder Mann ist ein Manuskript, das erst korrigiert werden muss. Mein Pech: Ich korrigierte mich auf einen Esel. Um irgendwann, mit Wieder-Anknipsen meines Verstandes, festzustellen: Wozu bitte? Der macht eh, was er will! Heute bin ich klüger, heute sage ich: Was soll’s? Er ist, was er ist. Und sonst: "Ein Ehemann ist Rohstoff, kein Fertigprodukt." (G. Weiser).

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Er

Mitunter könnte durchaus der Verdacht entstehen, Menschen würden sich niemals ändern. Z. B. dann, wenn die Liebste im Zuge unseres Lesekabaretts stets aufs Neue die Geschichte des Kennenlernens erzählt. Und zwar so, als wäre sie musengleich und erhaben inmitten des geschmückten Raumes gesessen, während sich ein gar tumber Einkochgeselle anschickte, sie mit geradezu beschämend leichter Sprachkost zu umgarnen. Zur Sicherheit manifestiert sie die Erinnerung an diese Hufnagl’sche Burleske auch hier noch einmal. Mir ist das längst einerlei, denn ich entgegne dem nur mehr in aller gebotenen Knappheit: „Na und? Am Ende hab’ ich gekriegt, was ich wollte.“

Justierungen

Was freilich nichts daran ändert, dass schon bald nach der Eroberung auch das große Herumbasteln einsetzte. Denn selbstverständlich entsteht nach jener famosen Phase des Miteinanders, in der man sogar ihre Spaziergangneurose, ihren Fußballnihilismus oder ihre Schnupfengeräusche mit verklärter Verzückung in sein Herzchen bettet, rasch die Sehnsucht nach idealer Zweisamkeit für den Dauerbetrieb. Das Problem sind nur die unterschiedlichen Blickwinkel für eine solche Mission. Und wer sich Veränderungen wünscht, hängt diese Aufgabe vor allem dem anderen um. Denn man selbst tät’ schon passen. Nur, leider: Bei aller Bereitschaft zu Justierungen, der eine oder andere Wesenszug wird immer geradeaus weiterrasen und jede Weiche ignorieren.

Die Kunst ist es, dieses „Sooo typisch für die gnä Kuhn“ liebevoll und lächelnd ins eigene Weltbild zu integrieren. Denn: „Wer keinen Humor hat, sollte nicht heiraten.“ (E. Mörike).

Unsere nächsten Paaradox-Auftritte: 8. 11. und 21. 11. im Wiener Rabenhof, 5. 11. in Tulln (Danubium). paaradox.at

michael.hufnagl@kurier.at

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