© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
05/29/2016

Wieder fix z´samm

Daheim. Sie ist aus dem Urlaub zurück, und die Moral von der Geschichte ... ist ambivalent.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Ihre Erholungswoche war sicher anstrengend genug

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Dass er und ich schon mehr als eine kleine Weile „miteinander gehen“ (hieß das nicht irgendwann einmal so?), zeigte sich an unserer Wiedervereinigung nach einer Woche „Ohne Mann nebenan“. Genau genommen schon früher. Ich war gerade in meinem Ein-Frau-Paradies gelandet und mitten beim Koffer-Auspacken, als mein Handy das erste Mal klingelte. Vor 17 Jahren hätte er atemlos das da in den Hörer gehaucht: Geliebte Gabriele! Du gehst mir jetzt schon ab. Die ganze Wohnung riecht noch nach dir, ich nuckle gerade an deinem T-Shirt. Das Gespräch hätte sich über 45 Minuten hinweggezogen, als atemloses Sehnen und Säuseln im Egal, wie hoch die nächste Telefonrechnung ist, wir brauchen das jetzt unbedingt-Fatalismus-Modus.

Ehrlich? Nein!

Aber so. So sagte er nur: Hi, wo ist das Sugo, das ich vorige Woche gekauft habe? Und ich. Ich entgegnete nur: Keine Ahnung – aber, sorry, muss jetzt zur Massage. Ähnlich pragmatische Gespräche führten wir die ganze Woche hindurch. Irgendwann, als ich – Achtung, schlechter Witz! – fragte, ob ich ihm denn abginge, erwiderte er: Soll ich ehrlich sein? Nicht so. Diese Woche ist ja voll mit Sport-Events. Hab’s schön! Meine Fantasie beamte mir das völlig überzogene (hm...) Bild eines entfesselten Popcorn-&-Bier-Junkies auf Non-Stop-TV-Modus ins Hirn und ich lächelte so befreit wie selig vor mich hin.

Dann kam der Tag, an dem ich aus dem Ferien-vom-Wir-Paradies wieder heimkehrte. Da stand er, der Mann nebenan, mit ausgebreiteten Armen, funkelndem Blick und den Worten Wunderbar, dass du wieder da bist! auf den Lippen. Welch berührende Willkommenskultur. Und als ich die Küche betrat, war dann auch klar, weshalb.

Twitter: @GabrieleKuhn

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Es stimmt, ich habe es tatsächlich gewagt, die Liebste bei ihren innigen Begegnungen mit sich selbst zu stören und für einen Augenblick mit der Banalität des Alltags zu konfrontieren. Ich will an dieser Stelle jedoch sicher niemanden mit der sehr langen Vorgeschichte zu der erfolglosen Sugo-Suche behelligen, da sich die lesenden Menschen sonst denken könnten, wir beiden wären endgültig nicht mehr ganz dicht (und sollte dieser Eindruck möglicherweise schon seit Beginn der „Paaradox“-Kolumne vorherrschen, sage ich nur: Jo eh).

Faktum ist, dass gnä Kuhn ob meines letztes Kapitel eines kulinarischen Skandal-Epos nicht das geringste Einsehen entwickelte und mir lediglich entgegnete: „Net bös sein, ich habe für dein Sugo jetzt echt keinen Kopf, aber du schaffst das, alter MacGyver.“ Mehr wollte sie zu der Misere nicht beitragen, und zwar aus einem einzigen Grund. Sie sei nämlich viel zu erschöpft. Oh ja, so ein Spaziergang von der Massage zum Tepidarium kann einem schon die allerletzten Kräfte rauben, wofür ich als zurückgelassener Maschinist unseres ehelichen Traumschiffs natürlich vollstes Verständnis habe.

Logistik

In Wahrheit ist der Text zu meiner Linken vor allem eines: ein Hilferuf. Von der Sehnsucht getragen, ich möge doch endlich, endlich ohne jeden Schnörkel zugeben, dass mir ein logistisches Leben ohne mein Hirn (=sie) ganz unmöglich ist. Dass ich ohne tägliches Tänzchen meines Sugo-go-Girls völlig verstört durch das Eigenheim taumle. Dass ich also, möge mir diese Einsicht nach so vielen gemeinsamen Jahren geschenkt werden, kuhnlos garantiert im Chaos versinke. Nun, das ist natürlich nicht im Geringsten so, aber meine Güte, ich will sie jetzt echt nicht mit Dementis stressen. Ihre Erholungswoche war sicher anstrengend genug.

Twitter: @MHufnagl

www.michael-hufnagl.com

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