© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
05/15/2016

Brösel, Bank & Bonvivant

Skandal? Er kommt von der Spaßfraktion, sie findet das gar nicht lustig.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Alles ist Spaß. Aber nur, wenn’s dem werten Herrn in seinen Holladero-Bio-Rhythmus passt.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Der Mann nebenan handelt gerne nach dem Lebens-Prinzip „Man soll die Feste feiern, wie sie fallen“. Liegt irgendwo auch nur der Hauch einer spontanen Sause in der Luft, sind etwaige Indispositionen im Stile von "Oje, mir tut meine Ferse so so weh, ich kann die kaputte Gartenbank heute nicht zum Mistplatz bringen" vom Winde verweht. Weil aus seiner Sicht „viel mehr g’feiert gehört“. Er also – frei nach Verdis Falstaff – frohlocken möchte: „Alles auf Erden ist Spaß.“ Und alle, die da leise fragen würden "Und die Gartenbank?" Spaßverderber sind und ihm aus der Sonne gehen mögen.

Carpe schnitzlem

Ein Unter-Prinzip des Sonnenkönig’schen Prinzips lautet so: „Man soll die Schnitzel essen, wie sie aus der Pfanne kommen.“ En masse, also. Was dieser Tage exakt so passierte, weil er sich spontan dazu entschlossen hatte, den Geburtstag der Tochter noch einmal zu feiern (das vierte Mal, konkret). Diesmal im Fokus der Party: Herr H. und dessen legendäres Erbgut, das er im Rahmen einer legendären Zeugung weitergegeben hat. Im Grunde feierte er also sich und sich und sich. Logisch, dass da der Schampus mit „Hufnagl, so toll“-Rufen reichlich fließen muss. Nicht nur: Es muss ebenso reichlich gegessen werden. Ich sage nur: Es landeten insgesamt fünf! Stück!, fünf! sehr! große! Stück! Schnitzel! in seinem Feierlaune-Magen. Dennoch verlief der Abend ohne erwähnenswerte medizinische Zwischenfälle. Erst anderntags, als das Gartenbank-Thema plötzlich wieder im Grün-Raum stand, griff er leise raunend auf seine Mitte und sprach: "Oje, mir tut mein Magen so so weh, ich kann die kaputte Gartenbank heute nicht zum Mistplatz bringen.“

Alles auf Erden ist Spaß, genau. Aber nur, wenn’s dem werten Herrn in seinen Holladero-Bio-Rhythmus passt.

Twitter: @GabrieleKuhn

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Meine Frau hat ein Wahrnehmungsproblem. Was vor allem daran liegt, dass ich meinen Arbeitsplatz seit Jahren daheim habe. Und wer als Autor vom Frühstückstisch direkt ins Büro spazieren kann, ohne aus dem Jogginganzug schlüpfen zu müssen, ist nicht nur suspekt, sondern auch ein bisserl unsympathisch. Er verdient daher in den Augen jener Kollegin, die ihm einst das Jawort schenkte, Argwohn. Denn sie muss sich nämlich Tag für Tag pünktlich und entsprechend adjustiert in Richtung Firma bewegen. Weshalb es nur folgerichtig ist, dass sie mir meine Flexibilität neidet. Klar scheint jedenfalls: Jemand, der in einer Redaktion engagiert ist, hackelt von früh bis spät wie eine Wilde. Jemand, der hingegen in einem Home-Office vor sich hin denkt, recherchiert, schreibt und formuliert, ist nur ein Bonvivant mit gelegentlicher Arbeitsattitüde. Und damit einem solchen Freigeist nicht womöglich fad wird, erhält er Aufträge. Und zwar eher nicht in Form von Listen, sondern vielmehr durch nebenbei im Stakkato fallen gelassene Könntest-du-nicht-du-bist-eh-zu-Hause-Ansagen.

Versäumnisse

Aber seit ich deshalb bereits um sechs Uhr aufstehe und erst gegen Mitternacht schlafen gehe, ist das Erledigen bis zum eigenen Erledigtsein kein Problem mehr. Ich habe mich auch daran gewöhnt, nie an der Gecheckt-Vielfalt gemessen zu werden, sondern immer an vereinzelten Versäumnissen. So habe ich die (von mir) in Kleinteile zerlegte Gartenbank zu meiner Schande tatsächlich erst nach dem zweiten gewohnt dezenten Hinweis fortgeschafft. Soll alles so sein. Aber dass jetzt auch noch die verdiente Feierlaune zum Wochenende und die (übrigens ziemlich klein geratenen) Schnitzerln zur Spott-Beilage werden, fällt in die Kategorie Pfingstskandal. Ich fürchte, ich brauche glatt ein Beruhigungsachterl.

Twitter: @MHufnagl

www.michael-hufnagl.com

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