© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
05/01/2016

Die Reise ins Nirgendwo

So ein neues Navi weist mitunter nur den Weg zu den eigenen Belastungsgrenzen.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Für den Mann nebenan ist die Einweihung des Navi wie der Launch einer Space-X-Rakete.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

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Manches am Mann nebenan ist untypisch für Männer nebenan. Etwa, dass er zu seinem Auto ein ähnliches Verhältnis hat wie zu meinem Stabmixer. Man braucht so ein Ding, aber brennt nicht dafür. Dieser Tage stieg er auf ein neues Gefährt um, dessen einziger „Luxus“ ein Navi ist, mit dem man plauschen kann. Auto-Aficionados werden jetzt laut auflachen und ihre 6-Zylinder-Boxer-Motoren brummen lassen. Doch für den Mann nebenan ist die Einweihung des Navi wie der Launch einer Space-X-Rakete für kleine Möchtegern-Astronauten. Total irre und aufregend.

Kommunikationsprobleme

Bei der ersten Landpartie war es so weit – wir fuhren mit der neuen Hufi-Kutsche zu einer Lesung, was bedeutete: pünktlich sein! Er warf lässig die Technik an und sagte: So Schatzi, jetzt pass amal auf. Dann begann er mit dem Ding zu sprechen wie mit mir. Das Problem: Es ging ihm dann auch wie mit mir. Das Navi hörte entweder nicht zu oder verstand ihn nicht. 25 Minuten lang versuchte er, es auf die richtige Fährte zu bringen. Er sagte sogar brav bitte, bitte. Das Problem: Er hatte wieder einmal nicht die Anleitung studiert, weil: Wozu? Für alles im Leben gibt es eine Anleitung. Ich hasse Anleitungen. Die versteht ja kein Mensch. Aus seiner Sicht müsse es nämlich vice versa verlaufen – also jedes technische Ding eine Anleitung für ihn haben. Was geschah? Irgendwann reagierte das Navi und begann uns tatsächlich zu lotsen. Allerdings total falsch, weil wir zwar pünktlich wo ankamen, allerdings bei einem Abbruchhaus, am Rande der Kleinstadt. Ich sagte nur: Aha, das ist also das tolle Haus, in dem wir heute Abend vor 400 Menschen auftreten sollen, interessant. Da bettelte er: Geh, kannst bitte auf die Karte schauen, wie wir dorthin kommen? Und so tat ich, was ich immer tat. Ihm sagen, wo es langgeht.

Twitter: @GabrieleKuhn

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Lieber sehe und höre ich einer Volksschulkinder-Schar dabei zu, wie sie stundenlang Erfahrungen mit Blockflöten sammelt, als nur einmal in Ruhe die Betriebsanleitung eines technischen Geräts zu lesen. Die Lektüre dieser superdicken Heftchen in 73 Sprachen macht mich verrückt, weil ich gnadenlos überinformiert werde. Heißt: Einer wie ich will lediglich wissen, wie er flott den elektrischen Staubsauger entleert, bekommt aber neben 174 Warnhinweisen vor allem die ausführliche Erklärung, wie er mit dem Ding zum Mond fliegen kann. Ich bin eher der Typ Learning by ausprobiering, was mir schon so manches Benutzerdebakel samt adäquatem Wutausbruch bescherte.

Dauer-Input

Und wenn dann – wie im Falle eines neuen hochmodernen Navis – auch noch die eigene Frau danebensitzt, kann es sein, dass sich eine gewisse Anspannung ergibt. Auch deshalb, weil die Liebste sich meinen Experimentierlaunen eher nicht mit der nötigen Gelassenheit hingibt, sondern die Variante „Gereizter Dauer-Input“ bevorzugt. Das bedeutet, statt mich in obsessiver Hingabe dem Dialog mit dem kleinen Wunderwerk widmen zu dürfen, verstehe ich mein eigenes Wort nicht, weil Madame Tipp von einem „Da muss man sicher ...“ zum nächsten „Ich würde ja einmal ...“ taumelt. Der Fachbegriff dafür: Kampfquargeln. Erst tags darauf, als ich mit Navibaby allein war, sollte sich herausstellen, dass ich statt des Hausnummer-Kommandos Zwölf nur Eins Zwei hätte sagen müssen, weil das Modell Marke „völlig vertrottelt“ (© gnä Kuhn) so programmiert wurde. Doch an diesem Abend herrschte im Auto definitiv Blockflötenstimmung. Zumal die Kombination Kuhn & Straßenkartenlesen auch einen gewöhnungsbedürftigen Charme besitzt. Ich glaube ja sogar: Die anschließende Lesung hat unsere Ehe gerettet.

Twitter: @MHufnagl

www.michael-hufnagl.com

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