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Mehr Platz

Hört doch auf mit dem: "Das gibt's nur bei uns"!

Die Balkan-Menschen streben sehr wohl nach den westeuropäischen Werten. Ob das (immer) empfehlenswert ist?

von Mirad Odobašić

10/21/2022, 12:15 PM

Es gibt da einen Satz, den ich auf Heimatbesuchen nicht mehr hören kann. "Das kann's nur bei uns geben!", hört man am Balkan immer wieder Verwandte, Freunde und Bekannte kopfschüttelnd sagen. Dabei beziehen sie sich meist auf politische Ungereimtheiten, Ungeschicklichkeiten, Skandale, die es in dieser Region leider Gottes en masse gibt. Aber warte mal, nur in dieser Region? Politikskandale? Da klingelt's doch - gerade jetzt - auch bei der/dem in Österreich Lebenden!

Was den Menschen am Balkan fehlt, ist der Blick über den Tellerrand. Denn seit den Kriegen in den 1990ern hat man sich innerhalb der eigenen Grenzen von anderen abgesondert, oder wie man dort selbstkritisch zu sagen pflegt: sich mit seinesgleichen einzäunen lassen - wie Schafe. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es keine Berührungspunkte zwischen den Nachkriegsgenerationen gibt. Die nach den Kriegen neu gezeichneten Grenzen sind somit nicht nur auf den Karten, sondern auch in den Köpfen vorhanden. Das Unter-sich-sein lässt den Nationalismus und folglich auch die ethnischen Gräben wachsen. 

Ibiza war der Wendepunkt

Dabei wäre ein Blick über den Tellerrand, gerne auch Richtung Westen, förderlich. Denn "Das kann's nur bei uns geben!" gibt es sehr wohl auch woanders! Politische Skandale und Korruption gibt es nicht nur vor der eigenen Haustür, sondern auch in den westlichen Ländern Europas, nach deren Werten man am Balkan so sehr strebt. Siehe Österreich etwa.

Früher habe ich mich gesenkten Kopfes wegen der beschämenden Ereignisse in Ex-Jugoslawien von österreichischen Bekannten auslachen lassen. Ich hatte einfach nichts dagegen einzuwenden. "Deshalb bin ich ja hier", lautete meine Standardantwort, wenn ich mit Skandalen um Vučić, Sanader & Co. konfrontiert wurde.

Spätestens seit Ibiza lasse ich mir nichts mehr sagen. Denn auch den anderen, die mich einst auslachten, sind die Argumente ausgegangen. Denn, wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen.

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