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Kultur
02/04/2019

Albertina: Warum sich Direktor Schröder wieder beworben hat

Am Montag endet die Ausschreibungsfrist. Direktor Klaus Albrecht Schröder über Dürer, Essl, Museumsdiskussionen und Klimaanlagen.

von Georg Leyrer

Am Montag (4. Februar) endete die Ausschreibung für die Leitung der Albertina – für die sich Klaus Albrecht Schröder, dessen Vertrag mit Jahresende ausläuft, wieder beworben hat.

KURIER: Im Herbst kommt der Feldhase wieder aus dem Depot.

Klaus Albrecht Schröder: Nicht nur der Hase. Es ist die erste ganz große Dürer-Ausstellung nach 15 Jahren. Manche Schwerpunkte werden sich verändern, weil wir neue Einsichten haben. Und zwar ausgerechnet bei einem der berühmtesten Werke, den „Betenden Händen“. Das galt viele Jahre als Vorstudie, ist aber etwas ganz anderes.

Eine Bewerbung.

Es war Teil eines Portfolios für die höchsten Fürsten, mit dem er renommieren wollte – ein autonomes Bild. Das gibt dem Werk ganz neue Kontexte und führt zu neuen Leihgaben. Es dauert nach Dürer fast vier Jahrhunderte, bis die autonome Arbeit auf Papier wieder diesen Stellenwert erlangte.

Im letzten Jahr Ihres laufenden Vertrages verspricht das einen ordentlichen Besucherboom – die Dürer-Schau 2003 war unter den meistbesuchten seit der Wiedereröffnung.

Es war die drittbeste, nach Van Gogh 2008 und zuletzt Monet mit jeweils über einer halben Million Besuchern.

Die Leute werden wohl beim Feldhasen hängen bleiben.

Dürer ist mehr als der Hase! Und die Albertina ist mehr als Dürer.

Vielleicht sogar zuviel? Wenn ich mir den Rest des Programmes anschaue – Nitsch, Rainer, Lassnig – dann weiß ich nicht auf Anhieb, in welchem Museum ich da bin.

Ich glaube, es war noch nie jemand da, der nicht wusste wo er ist. Arnulf Rainer hat schon zum 85. Geburtstag seine große Retrospektive in der Albertina bekommen – und jetzt möchte er zum 90er wieder gefeiert werden. Wir hatten mit 200 Aquarellen und Zeichnungen von Maria Lassnig immer schon eine der ganz großen Lassnig-Sammlungen. Und durch die Übernahme der Sammlung Essl haben wir jetzt weitere 64 Gemälde, da ist es naheliegend, die Ausstellung zum 100. Geburtstag zu machen.

Und Nitsch?

Sie haben Recht, da mag das anders sein. Er ist in den gewachsenen Sammlungen der Albertina nicht mit dutzenden Werken vertreten. Mit wichtigen Druckgrafiken und Zeichnungen sehr wohl. Aber auch er hat sich zum 80er eindringlich eine Albertina-Ausstellung gewünscht.

Warum?

Es gibt Gründe, warum diese Künstler in der Albertina eine Reibefläche zum klassischen Kanon suchen. Hier messen sie sich mit Picasso, Matisse, Chagall, Miró. Ich verstehe das schon.

Dann verstehen Sie sicher auch, dass auf ein derartiges Programm mit vielen Zeitgenossen verlässlich die Diskussion über das Programm der Bundesmuseen und die Konkurrenz zwischen den Museen folgt.

Nein, das verstehe ich überhaupt nicht. Der parallele Erfolg von Bruegel und Monet hat gezeigt, dass wir keineswegs overbanked sind, wie man im Finanzdienstleistungssektor sagen würde. Wien wird weiterhin nicht mit der freien Sicht aufs Mittelmeer punkten, sondern mit seinem Kultur- und Kunstimage leben. Und da wir alleine doppelt so viele Besucher haben wie die Staatsoper, das Kunsthistorische noch einmal und das Belvedere auch, kommen die Touristen letztendlich wegen der Kunst. Nur noch Theaterfeuilletonisten glauben, dass Wien eine Musikstadt ist. Wien ist längst eine Kunststadt. Und zwar auf Grund der Gesamtheit der Kunstlandschaft.

Da soll ja jetzt etwas dazukommen. Sie bekommen heuer 850.000 Euro Subvention für die Sammlung Essl – die aber noch gar nicht zu sehen sein wird, da sich die Renovierung des Künstlerhauses verzögert.

Das habe ich so dezidiert nicht gesagt. Wir sind mit Umbau und Modernisierung voll im Zeitplan. Das Einzige, wo sich die Herausforderungen auf Grund der jahrzehntelangen Vernachlässigungen als gravierender herausgestellt haben, ist in der Renovierung der Bausubstanz und vor allem der historistischen Innendekoration. Da haben sich die Versäumnisse doch recht fatal ausgewirkt. Es sind zum Teil Gipsornamente und Putti von innen aufgequollen und bedürfen einer behutsamen Restaurierung. Ich werde demnächst erfahren, wie weit das fertig sein wird, damit wir unseren gewünschten Eröffnungstermin im Spätherbst halten können. Für den Fall, dass das ein oder zwei Monate länger dauert, geht die penible Restaurierung vor – und nicht eine vorschnelle Eröffnung.

Bis dahin ist jedenfalls klar, ob sie weiter Albertina-Chef sind.

Die Entscheidung ist offen!

Warum aber bewerben Sie sich nach 20 Jahren noch mal, was wollen Sie denn nicht einem Nachfolger übergeben?

Wir stehen vor einer ganz wichtigen Weichenstellung: Wie gehen wir mit dem zweiten Standort der Albertina um? Aber es braucht keiner fürchten, dass wenn ich gehe in der Albertina das Mittelalter ausbricht. Wir geben jedes Jahr zwischen 700.000 Euro und einer Million für Renovierung und Instandhaltung aus. Alle Räume sind klimatisiert.

Haben Sie für die Klimaanlage eine Baugenehmigung?

Ja, natürlich. Ich habe nicht immer Rückenwind gehabt. Aber ich habe sämtliche behördliche Genehmigungen gehabt.

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