Kultur
28.04.2017

Bundesmuseen: Das Ende der grenzenlosen Freiheit

"Evolution". Drozda stärkt Rolle des Kanzleramts.

Die Direktoren der Bundesmuseen dürfen aufatmen: Es wird keine "böse" Holding geben. Die Zeiten der grenzenlosen Freiheit aber sind vorbei: Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) will die Eigentümerrolle stärken und daher im Bundeskanzleramt ein "strategisches Beteiligungsmanagement" einrichten.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte Drozda, wie berichtet, die Erarbeitung eines "Weißbuchs" für die Bundesmuseen samt Nationalbibliothek in Auftrag gegeben. Das Beratungsunternehmen ICG prüfte insgesamt acht Varianten: von der Optimierung des gegenwärtigen Zustands bis zur "Stiftung Sammlung Österreich", die einst der Galerist John Sailer vorgeschlagen hatte. In die engere Wahl kamen drei Modelle: eine gemeinsame Kulturholding für die Institutionen des Bundes (also nicht nur die Theater); eine neu zu schaffende Management-Holding für die Museen; oder eben das "strategische Beteiligungsmanagement" durch das BKA.

Drozda bezeichnete die von ihm favorisierte Lösung am Freitag als "evolutionären Schritt" respektive "gute Weiterentwicklung". Konkret geplant ist eine Fachabteilung im Ministerium, die mit der Steuerungsfunktion betraut wird ("Strategieteam"). Zudem soll es einen wissenschaftlichen Beirat geben, dessen Empfehlungen – so der Vorschlag der Expertengruppe unter der Leitung von Edelbert Köb – im Internet veröffentlicht werden. Dieser Beirat soll sich perspektivisch mit der strategischen Positionierung der Häuser befassen. Allerdings bleiben die Direktoren in künstlerischen Belangen weisungsfrei.

Gesetzesnovelle

Auch die Rolle der jeweiligen Kuratorien soll gestärkt und diese ähnlich wie der Aufsichtsrat einer GmbH gestaltet werden. Und schließlich wird die derzeitige Direktorenkonferenz zu einer ständigen Einrichtung unter dem Namen "Bundesmuseenkonferenz" unter Führung des Kanzleramts umgebaut. Es gehe nicht darum, etwas "ex cathedra" zu verfügen, so Drozda, aber man müsse als Eigentümer die Verantwortung wahrnehmen können. Der Minister will, dass auch das Staatsarchiv in die neue Struktur integriert wird. Die notwendige Novelle des Bundesmuseen-Gesetzes soll vor dem Sommer in Begutachtung gehen und Anfang 2018 in Kraft treten.