Bei der Bekanntgabe des Essl-Deals: Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder und Karlheinz Essl

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KOLUMNE
10/18/2018

Nun doch: Essl schenkt dem Staat seine Sammlung

Kolumne Trenklers Tratsch: Dem Vernehmen nach ist der Sammler nun bereit, seinen Anteil am Kunstschatz dem Staat zu schenken

von Thomas Trenkler

Die Causa ist keine fünf Jahre alt – und beschäftigt bereits den dritten Kulturminister: Im April 2014 gab Josef Ostermayer (SPÖ) bekannt, dass die Republik kein Interesse am Erwerb der Sammlung Essl habe, die der Unternehmer Karlheinz Essl vor dem Zugriff der Baumax-Gläubiger retten wollte. Damals stand die Summe von 86 Millionen Euro im Raum.

Am 17. Februar 2017 verkündete Ostermayers Nachfolger, der nunmehrige SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda, dass die Sammlung Essl „für Österreich“ gerettet sei. Denn diese würde „mit dem heutigen Tag“ offiziell an die Albertina als Dauerleihgabe bis zum Jahr 2044 übergeben. Das Konvolut umfasse 3200 Werke von österreichischen Künstlern wie Valie Export, Maria Lassnig oder Arnulf Rainer und 1700 Arbeiten von internationalen Stars wie Cindy Sherman oder Georg Baselitz.

Doch Drozdas Euphorie („Win-win-Situation für alle“) steckte nicht alle an. Denn der Deal sah vor, dass die öffentliche Hand alljährlich 1,1 Millionen Euro, insgesamt also etwa 30 Millionen, in die Erhaltung der Sammlung investiert. Aus der „Sternstunde in der Geschichte der Albertina“, so der ebenfalls euphorisierte Direktor Klaus Albrecht Schröder, wurden alsbald bange Monate. Denn Drozda hatte keine gesetzliche Vorsorge getroffen. Und Gernot Blümel, seit Jänner 2018 Kulturminister (ÖVP), sah sich außerstande, die leere Versprechung zu erfüllen. Zumal der Rechnungshof, wie man hört, die Modalitäten und das Investment ohne Eigentumserwerb bemäkelte.
 

Erneut war der kunstaffine Industrielle Hans Peter Haselsteiner gefordert. Mit seiner Unterschrift (für einen Kredit, der mit Kunstverkäufen zurückbezahlt wurde) hatte er die Sammlung gerettet; im Gegenzug erhielt seine Familienstiftung 60 Prozent der SE-Sammlung Essl GmbH. Sein Plan war es, die heimische Kunst künftig im Künstlerhaus zu präsentieren, das er gegenwärtig auf eigene Kosten sanieren lässt.

Haselsteiner dachte also darüber nach, wie er Blümel die Sache schmackhaft machen konnte. Da es ihm in erster Linie um den Erhalt der Sammlung ging (und geht), erwog er eine Schenkung. Was sich allerdings als undurchführbar herausstellte. Seine Familienstiftung war ja nur durch Unterschriftsleistung in den Besitz von 60 Prozent der Sammlung gekommen. Bei Herauslösung hätte der Kunstschatz, so war zu befürchten, versteuert werden müssen. Und die Summe wäre selbst für einen Mann, der sich prinzipiell zum Steuerzahlen bekennt, schmerzlich gewesen.

Doch nun hat Blümel zu einem Pressegespräch mit dem Titel „Zukunft der Sammlung Essl“ eingeladen. Die gute Nachricht: Gerüchteweise hat sich Essl breitschlagen lassen. Er schenkt der Republik seine 40 Prozent der verbliebenen Sammlung. Der Rest, also die 60 Prozent von Haselsteiner, bleiben Dauerleihgabe, aber zugesichert unveräußerlich.

Nun ist also zu danken. Dem ehemaligen Minister Ostermayer, dass er dem Druck des Essl-Lobbyisten Wolfgang Rosam standgehalten hat. Dem Museologen Dieter Bogner, der die ursprüngliche Konstruktion einer Dauerleihgabe bis 2044 scharfkritisierte. Dem ehemaligen Minister Drozda, weil er nichts weitergebracht hat. Und dem Unternehmer Essl, der zwar wie ein Hans im Glück agierte, aber zumindest sicher sein kann, dass seine Sammlung bestehen bleibt.

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