Aktion im Vorjahr: Kinder bilden einen 5er - Symbold dafür, dass jedes fünfte Kiknd in Österreich armutsgefährdet bzw. -betroffen ist

Aktion im Vorjahr: Kinder bilden einen 5er - Symbold dafür, dass jedes fünfte Kiknd in Österreich armutsgefährdet bzw. -betroffen ist

© Michael Schwendinger

Kiku
11/17/2020

Kinderarmut wird stark unterschätzt und wurde durch Corona verschärft

Sozialbarometer der Volkshilfe über Armutsgefährdung und Auswirkungen von Corona. Forderung nach Kindergrundsicherung.

von Heinz Wagner

Drei Tage vor dem Geburtstag der UNO-Kinderrechtskonvention stellte die Österreichische Volkshilfe die Ergebnisse ihres jüngsten Sozialbarometers vor – und verknüpfte sie erneut mit der Forderung nach einer Kindergrundsicherung.

Ein Drittel der rund 1000 repräsentativ Befragten in Österreich (ab 15 Jahren zwischen Ende Juli und Ende August 2020) schätzt richtig ein, dass jedes fünfte Kind in Österreich von Armut betroffen ist. Vor zehn Jahren war das für die meisten noch gar kein Thema. Aber noch immer meint mehr als die Hälfte, dass höchstens 10, manche sogar nur 5 % der Kinder betroffen wären. 1671 € für einen Erwachsenen und ein Kind im Haushalt sind jene Grenze, unter der in Österreich Armut statistisch beginnt.

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Fast neun von zehn der Befragten (87%) sehen es als Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, dass kein Kind von Armut betroffen sein muss. Durch die aktuelle Corona-Krise mit den Folgen von Massenarbeitslosigkeit und Kurzarbeit finden fünf Prozent mehr (92 %) verstärkte Unterstützung für diese Kinder erforderlich, etwa auch in Form von Nachhilfe und Schulsozialarbeit.

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Schulkosten treffen viele

Schulkosten treffen auch viele gar nicht armutsgefährdete Familien recht stark ergab diese Studie ebenfalls: Für fast drei Viertel der Haushalte mit Schulkindern in Österreich (70%) sind die Ausgaben, die zum Schulstart und unter dem Schuljahr anfallen (etwa für Schulausflüge), zumindest teilweise eine finanzielle Belastung. Für fast ein Drittel bedeuten diese Kosten sogar eine große Herausforderung.

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Kindergrundsicherung

Als Folge – nicht nur – dieser Studie fordert die Volkshilfe erneut eine Kindergrundsicherung. Als sogenannte Teilhabekosten – die Kindern ermöglicht mit ihren Familien gut wohnen, sich ernähren usw. aber auch an Schulausflügen und anderen Aktivitäten wie Kultur und Sport teilnehmen zu können – errechnete die SPÖ-nahe Organisation 625 Euro pro Monat. Im Schnitt würde das für armutsgefährdete bzw. -betroffene Kinder ein Plus von 200 Euro monatlich bedeuten. Jährlich würden sich die zusätzlichen Kosten für Österreich zwischen 900 Millionen und zwei Milliarden € ergeben; Geld von dem wiederum viel in den Wirtschaftskreislauf direkt käme und langfristig über bessere und längere Ausbildungen Sozialkosten ersparen würde.

Die Volkshilfe hat ein Modell der Kindergrundsicherung entwickelt, es von einem Forschungsinstitut volkswirtschaftlich berechnen lassen und das System zwei Jahre lang mit 23 Kindern und ihren Familien erprobt. Diese Phase wurde auch sozialwissenschaftlich begleitet. Schon vor dem Ende des Projekts können wir sagen, dass die Kindergrundsicherung wirkt und Kinder aus der Armut holt. Bei österreichweiter Einführung dieser Grundsicherung würde die Armutsgefährdungsrate von Kindern und Jugendlichen um 9,3 Prozent sinken.

Corona-Folgen

Die Gruppe der Betroffenen spürt die Corona-Auswirkungen noch viel massiver. Bei einer Umfrage der Volkshilfe im Sommer bewertete die Hälfte jener von Armut betroffenen Befragten, dass sie ihr Leben aktuell mit 4 bis 5 auf einer Schulnoten-Skala. Vor Corona hat keine dieser Familien ihre Lebenssituation mit einem Fünfer bewertet und nur 7 Prozent mit einem Vierer

Mehr Sorgen um die Zukunft

Mehr als Dreiviertel aller Befragten (79 Prozent) gab damals an, sich noch mehr Sorgen über die Zukunft zu machen. Über die Hälfte (55 Prozent) sorgen sich auch, dass ihre Kinder in der Schule nicht gut abschließen werden. Auf die Hälfte der befragten Familien (51 Prozent) hat sich die Corona-Krise finanziell negativ ausgewirkt.

Kinder sind trauriger, einsamer und aggressiver

Auf die Frage, ob und wie sich die Emotionalität ihrer Kinder in der Corona-Krise verändert hat, gaben jeweils mehr als die Hälfte der Eltern an, dass ihre Kinder trauriger (74 Prozent), einsamer (57 Prozent) oder aggressiver (53 Prozent) waren als zuvor.

Allerdings zeigt sich ein Viertel der Kinder (23 Prozent) erleichtert, dass sie nicht in die Schule mussten, ein Fünftel war fröhlicher, weil für sie etwa Mobbing endlich weggefallen ist.

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