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KURIER-Stadtgespräch
08/23/2013

„Diese Fuzo ist nur Stückwerk“

Hunderte machten ihrem Unmut über die neue Mariahilfer Straße Luft.

von Elias Natmessnig

Seit genau einer Woche ist die Mariahilfer Straße verkehrsberuhigt. Die Besucher des KURIER-Stadtgesprächs konnten hingegen kaum beruhigt werden. Zu groß war bei vielen der Frust über die Änderungen – fast jeder hatte etwas zu beklagen. Dementsprechend schwer hatten es Renate Kaufmann und Thomas Blimlinger, Bezirksvorsteher des sechsten und siebenten Bezirks, die sich am Podium den Fragen stellten.

Zu Beginn wurden sie mit einem Pfeifkonzert und Buhrufen empfangen. Die Moderatoren, Elisabeth Vogel vom ORF und die stv. Chefredakteurin des KURIER, Martina Salomon, mussten mehrmals ermahnende Worte sprechen. Ebenfalls am Podium: Walter Bachofner, Obmanns des Vereins der Kaufleute der Mariahilfer Straße.

Chaos im Herbst

Bachofner nutzte die Gelegenheit, um sofort loszuwettern: „Eine reine Fußgängerzone wäre in Ordnung gewesen, aber das ist nur Stückwerk“, sagte er. Derzeit seien viele Menschen auf Urlaub. Im Herbst befürchte er dann ein Verkehrschaos. „Außerdem hat man uns nie beantwortet, was uns der ganze Umbau eigentlich kostet.“

Blimlinger zeigte sich vom Protest nicht überrascht: „Ich habe es so erwartet.“ Es sei natürlich, dass eine große Maßnahme mit vielen Einschnitten verbunden sei.

Bilder vom KURIER-Stadtgespräch

Viele Anrainer beklagten vor allem den Verkehr in den Nebenstraßen. „Wir haben viel mehr Lärm und Abgase seit der Fußgängerzone. Danke!“, rief eine Bewohnerin der Gumpendorfer Straße.

„Viele Autofahrer halten sich noch nicht an die Regeln“, erwiderte Kaufmann. Tempo-30-Piktogramme sollen nun den Verkehr einbremsen. Und: „Ab sofort wird gestraft. Die Schonfrist ist vorbei.“ Im Gegenzug könnten Menschen in den Seitengassen aber endlich bei offenen Fenstern schlafen.

Die Anrainer der Stollgasse in Neubau sahen das anders: „Dort staut es täglich. Ich habe schon vor Monaten darauf hingewiesen, Herr Bezirksvorsteher“, rief ein erzürnter Mann ins Mikrofon. Andere beklagten, dass sie mit dem Auto nicht mehr aus dem Bezirk fahren können.

„Ich verbrauche viel mehr Benzin und CO2 als zuvor“, sagte eine Frau. Das Problem werde sich rasch legen, beruhigte Blimlinger. Zudem hätten sich zwei Drittel der Anrainer bei der Befragung im Herbst für eine Sperre der Querungen ausgesprochen, ergänzte Kaufmann.

Man werde sich die Entwicklung aber genau ansehen und wo es nicht funktioniert, Maßnahmen treffen, versprachen die Bezirksvorsteher unisono: „Dafür haben wir ja die Probephase.“

Kuriosum um Busspur

Auch der 13A polarisierte. Die einen wollen ihn zweigeteilt geführt haben, andere nicht. Nur durch die Fußgängerzone solle er nicht mehr fahren. Darin waren sich fast alle einig. Am Samstag wird der 13 A erst einmal zweigeteilt geführt.

Kurios dabei: Rein rechtlich ist die von den Wiener Linien geforderte rote Busspur aber weiter in Kraft. Fußgänger dürften diese also auch am Samstag nicht begehen, sondern eigentlich nur queren. Daher soll so schnell wie möglich eine neue Route gefunden werden.

Für große Aufregung sorgen auch rasende Radler. „Ich traue mich kaum auf der Straße zu gehen“, sagte eine ältere Dame und erntete viel Beifall. „Ja einige fahren zu schnell“, sagte Blimlinger. Man steuere aber dagegen, verteile Infomaterial. Wenn es nicht klappe, werde man die Radfahrer wieder verbannen müssen, erklärte Blimlinger.

Der Bezirkschef warb zum Schluss auch um etwas Geduld: „Man muss dem Ganzen eine Chance geben.“

Wie gefällt Ihnen die neu gestaltete Mariahilfer Straße? Was würden Sie verbessern? Diskutieren Sie mit und posten Sie Ihren Kommentar unter diesem Artikel.

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