Chronik | Wien
20.08.2013

Mariahilfer Straße: Notbremse in der Fußgängerzone

Zu gefährlich: Nach nur drei Tagen wird der 13 A wieder von der Mariahilfer Straße verbannt.

Ganze drei Werktage hielt das Konstrukt, nun zog Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) die Reißleine. Der 13A wird in naher Zukunft nicht mehr durch die Mariahilfer Straße fahren.

Das teilte die Vizebürgermeisterin am Dienstag mit. Es ist ein Eingeständnis, dass das Experiment, mit einem 12 Tonnen schweren Bus durch die Fußgängerzone auf der größten Einkaufsstraßen Österreichs zu fahren, gescheitert ist. Noch in dieser Woche soll daher eine Expertengruppe bestehend aus Mitarbeitern der Stadt, den Wiener Linien und den Bezirken zusammentreffen, um Alternativrouten auszuarbeiten.

Die Buslenker des 13A hatten zuvor im KURIER mehrfach vor dem Sicherheitsrisiko gewarnt. Am Montag kündigten die Wiener Linien dann an, den 13A an Samstagen zweigeteilt zu führen. Die Busse verkehren in der Zeit nur zwischen Hauptbahnhof und Neubaugasse bzw. zwischen Alser Straße und Siebensterngasse.

„Ich will nicht einen ewigen Konfliktherd mit dem Personal der Wiener Linien aufrechterhalten“, erklärte Vassilakou heute ihren Schwenk auf eine neue Streckenführung. Zudem habe es bereits zahlreiche Rückmeldungen von Passanten der Mariahilfer Straße gegeben, die kritisierten, dass es ausgerechnet in der Fußgängerzone kaum Platz für Fußgänger gebe.

Umsetzung unklar

Wann die geänderte Linienführung für den 13A in Kraft treten wird, konnte Vassilakou noch nicht nennen. Sie wünsche sich jedenfalls eine „rasche Lösung“. Es gebe drei Varianten, die man jetzt prüfen müsse. Selbst wenn man sich schon diese Woche einigen würde, dürfte es noch mindestens zwei Monate dauern, bis die neue Verkehrsregelung in Kraft treten könnte.

Den ganzen Ärger hätte man sich allerdings auch ersparen können. Denn die anderen Varianten liegen längst am Tisch. Bereits im Juli 2012 schlugen die Wiener Linien vor, die Route des 13 A in die Neubaugasse zu verlegen. „Die optimale Variante ist jene, dass man die Mariahilfer Straße nur einmal quert“, sagt Wiener Linien Sprecher Answer Lang. Daran habe sich seit Juli nichts geändert.

Doch damals legte sich der grüne Bezirksvorsteher von Neubau, Thomas Blimlinger, quer. Er kann auch heute der Variante nichts abgewinnen. „Ich kann nicht nachvollziehen, wie man nach drei Tagen entscheiden kann, nicht mehr durch die Fußgängerzone zu fahren“, sagt Blimlinger. Er hätte die bestehende Variante länger getestet. „Das funktioniert überall auf der ganzen Welt. Nur bei uns in Wien ist es nicht möglich.“ Er sei zwar zu Gesprächen bereit, doch er habe den Eindruck, dass bei den Wiener Linien auf Kosten des Projekts interne Kämpfe ausgefochten wurden.

Die Personalvertreter der Wiener Linien sind hingegen erleichtert. „Die Vernunft hat gesiegt“, sagt Betriebsrat Leopold Wurm. Er sei erfreut, dass sich die Verkehrsstadträtin mit den Buslenkern an einen Tisch setzte, um eine neue Route zu entwickeln. Er selbst würde die Variante durch die Neubaugasse bevorzugen. Bis die neue Streckenführung in Kraft tritt, bleibe der 13A am Samstag aber geteilt: „Die Sicherheit hat oberste Priorität“, sagt Wurm.

Facelifting für die Stadt - wo sich Wien verändert

Der lange Kampf um den 13 A

Als 2011 die ersten Pläne für die Fußgängerzone im Verkehrstadtratsbüro gewälzt wurden, wusste man schon um das Problem: „Der 13A muss zwischen Neubaugasse und Kirchengasse auf der Mariahilfer Straße fahren“, sagte der Franz Kainnacher, Koordinator des Umbaus, im Mai 2011 zum KURIER.

Seitdem wurden Bürger befragt, Verkehrslösungen für die Bezirke ausgetüftelt und Begegnungszonen für die Randbereiche geplant. Doch für den 13A fühlte sich die Politik lange Zeit nicht zuständig.

Im Mai 2012 warnten die Wiener Linien, dass der 13A durch die Fußgängerzone fahren müsse und es dabei zu Problemen kommen könnte. Nicht zuletzt wegen der Erfahrungen mit dem 1A, der bis 2009 durch die Fußgängerzone am Graben fuhr und dessen Streckenführung nach mehreren Vorkommnissen geändert werden musste.

Im Juli 2012 versuchten die Wiener Linien dann eine andere Streckenführungen ins Gespräch zu bringen. Ohne Erfolg. Die Linienführung blieb bestehen, bauliche und farblichen Maßnahmen wurden allerdings versprochen.

Noch im Mai 2013 wusste man nicht, wie diese aussehen würden. Im Juni sickerte dann durch, dass die Busspur rot eingefärbt wird. Parallel dazu wurden in Verhandlungen mit den Wiener Linien weitere Absicherungen vereinbart.

Im Juli platzte dann Leopold Wurm, Betriebsrat der Wiener Linien der Kragen. Er prangerte im KURIER die fehlenden Sicherheitsmaßnahmen an, sammelte 400 Unterschriften von besorgten Buslenkern. „Muss es erst Verletzte geben, bevor man uns ernst nimmt?“, fragte Wurm damals. Die Stadt reagierte nicht. Erst als im August, kurz vor dem Start des Probebetriebs erstmals mit der Einstellung des Busverkehrs gedroht wurde, lenkte die Stadt ein. Über Nacht wurden kurz vor dem Start der Fußgängerzone zusätzliche Sitzbänke aufgestellt, die verhindern sollten, dass Fußgänger auf die Busspur gelangen. Der Erfolg der Aktion blieb in den ersten Tagen bescheiden.

Lokalaugenschein auf der "MaHü"

Fuzo-Mariahilferstraße: Der Praxistest

Der KURIER bleibt dran. Dem heißen Thema „Fußgängerzone Mariahilfer Straße“ widmen wir ein weiteres Stadtgespräch, diesmal mit Unterstützung des ORF Wien.

Wir laden Sie herzlich ein, mitMartina Salomonund Elisabeth Vogel ( ORF Wien) ein Resümee über die Erfahrungen der ersten Woche nach Beginn des Probebetriebs der Fußgängerzone Mariahilfer Straße zu ziehen. Was hat sich bewährt? Wo gibt es Probleme? Am Podium stehen BV Thomas Blimlinger, BV Renate Kaufmann und der Obmann des Vereines „Kaufleute der Mariahilfer Straße“ , Walter Bachofner den Fragen aller interessierter WienerInnen eine Stunde lang Rede und Antwort.

Wann: 23. August 2013, 12:30 bis 13:30 Uhr
Wo: Vorplatz der Mariahilfer Kirche, Ecke Barnabitengasse, 1060 Wien
Bei Schlechtwetter: Haydn-Kino, Mariahilfer Straße 57, 1060 Wien
Eintritt frei!

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