© KURIER /Jeff Mangione

Mariahilfer Straße
08/21/2013

Häupls Krisengipfel mit Vassilakou

Nach Bus-Verbot in der Fußgängerzone stehen jetzt die Radfahrer in der Kritik

von Dominik Schreiber, Josef Gebhard, Anna-Maria Bauer

Götz Schrage und sein Freund Johnny sind gehörig sauer. Auf Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou. Deshalb haben sie T-Shirts gedruckt und verteilen sie nun an Freunde und Unterstützer: „Tear down this wall“, ist darauf zu lesen. Für Johnny aus Wien-Neubau und Grün-Sympathisant Götz aus Wien-Mariahilf ist die Mariahilfer Straße zur Berliner Mauer geworden. „Wir wollen uns weiterhin besuchen können, ohne kilometerlange Umwege machen zu müssen“, sagt Schrage.

Auf Vassilakous Prestigeprojekt in der Mariahilfer Straße sind dieser Tage viele Wiener sauer. Bürgermeister Michael Häupl will da auch nicht mehr länger zuschauen und lädt – soeben aus dem Urlaub zurückgekehrt – seine grüne Stellvertreterin zur Lagebesprechung. Öffentlich wollte Häupl zu dem Projekt vorerst nichts sagen.

SPÖ-intern sorgt der Fuzo-Fehlstart aber für gehörigen Unmut. Den Grünen wird schlechte Kommunikationspolitik – etwa bei den Parkverboten – vorgeworfen.

Zu besprechen gibt es bei dem Krisengipfel somit viel: Mit der geplanten Verbannung der Buslinie 13A aus der Fußgängerzone ist zwar eine Gefahrenquelle beseitigt, Schwachstellen hat die neu gestaltete Einkaufsmeile aber noch viele.

Allen voran der Radverkehr: Anders als von Vassilakou erhofft, halten sich nur wenige Radler an die Schrittgeschwindigkeit in der Fußgängerzone. Zur Verärgerung vieler Passanten. „Die Radfahrer haben in der Fußgängerzone nichts verloren“, sagt etwa Werner Locsmandy. „Das ist viel zu gefährlich.“

Um die Situation zu entschärfen, verteilt jetzt die Mobilitätsagentur Infobroschüren an Radfahrer mit den wichtigsten Änderungen und Fakten. Laut Agentur-Mann Christian Rupp sei das Feedback der Radfahrer zur neuen Mariahilfer Straße durchwegs positiv. Auch Studentin Johanna findet es jetzt auf der Mariahilfer Straße weniger stressig. Radlerin Christina Kirchmair erwidert: „Viele Radler fahren zu schnell.“

Probleme gibt es auch in den Zonen mit Parkverboten, die jetzt durch bisher unbekannte gelbe Linien gekennzeichnet sind. Viele uninformierte Autofahrer stehen noch immer dort. Statt ausreichender Vorab-Infos gibt es jetzt eilig aufgestellte Hinweis-Ständer.

Staufallen

Unmut wird auch in den angrenzenden Bezirken immer lauter: In der Stollgasse (Neubau) gehören Staus seit der Umstellung der Einbahnregelung zur Tagesordnung. Auf der Burggasse gibt es kaum mehr ein Vorankommen. „Ein Verkehrschaos, das eine grüne Politikerin verursacht hat, und dadurch bewusst mehr Feinstaub erzeugen lässt“, ärgert sich ein Anrainer.

Götz Schrage und sein Freund Johnny wollen jedenfalls heute, Donnerstag, eine Facebook-Gruppe gründen und so lange aktiv bleiben, bis ihre Forderung umgesetzt wird. Die nächsten Abende werden sie auf der Mariahilfer Straße für ihr Anliegen werben. Schrage: „Unsere Aktion wird friedvoll sein, aber keinesfalls langweilig. Wir haben jetzt eine Mission.“

Gelbe und weiße Linien sorgen für Rätselraten

Für besondere Verwirrung sorgen laut Polizei die gelben und weißen Linien in der Mariahilfer Straße. Die weißen Striche markieren den Rand der Fahrbahn, die parallel dazu verlaufenden gelben Linien zeigen das Halte- und Parkverbot an. Dieses gilt grundsätzlich in der gesamten Mariahilfer Straße. Halten ist nur in drei sogenannten Kiss&Ride-Zonen erlaubt (Höhe Getreidemarkt, Kirchengasse, Kaiserstraße).

Offenbar wissen das viele Autofahrer nicht: Freitagvormittag parkten noch zahlreiche Pkw in der neu geschaffenen Begegnungszone. Vorläufig geht die Polizei aber noch nachsichtig mit den Parksündern um.

Das reicht dem ÖAMTC nicht. Er kündigt ein Musterverfahren wegen der neuen Bodenmarkierungen an. Der Club hält sie für verwirrend und zweifelt an deren Zulässigkeit. „Die gelben Linien sind seit 2011 in der StVO erlaubt“, heißt es dazu im Büro von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne). In Linz seien sie bereits im Einsatz.

Fuzo-Mariahilferstraße: Der Praxistest

Der KURIER bleibt dran. Dem heißen Thema „Fußgängerzone Mariahilfer Straße“ widmen wir ein weiteres Stadtgespräch, diesmal mit Unterstützung des ORF Wien.

Wir laden Sie herzlich ein, mitMartina Salomonund Elisabeth Vogel (ORF Wien) ein Resümee über die Erfahrungen der ersten Woche nach Beginn des Probebetriebs der Fußgängerzone Mariahilfer Straße zu ziehen. Was hat sich bewährt? Wo gibt es Probleme? Am Podium stehen BV Thomas Blimlinger, BV Renate Kaufmann und der Obmann des Vereines „Kaufleute der Mariahilfer Straße“ , Walter Bachofner den Fragen aller interessierter WienerInnen eine Stunde lang Rede und Antwort.

Wann: 23. August 2013, 12:30 bis 13:30 Uhr
Wo: Vorplatz der Mariahilfer Kirche, Ecke Barnabitengasse, 1060 Wien
Bei Schlechtwetter: Haydn-Kino, Mariahilfer Straße 57, 1060 Wien
Eintritt frei!

Alles über die KURIER Stadtgespräche lesen Sie hier: kurier.at/stadtgspraeche oder auf facebook.com/WienerStadtgespraeche.

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