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Mariahilfer Straße
08/22/2013

Unternehmer klagen über Folgen der neuen Fußgängerzone

Während immer mehr Menschen die Fuzo entdecken, sind viele Kaufleute verärgert.

von Josef Gebhard, Elias Natmessnig

Der Mann mit dem Kinderwagen dreht sich zu seiner Frau um. „Hier ist die Fußgängerzone aus. Das, was jetzt beginnt, heißt Begegnungszone“, sagt er und erntet einen fragenden Blick.

Während die Menschen langsam die Fußgängerzone für sich erobern, bleiben für die Kaufleute viele Fragen ungelöst. „Seit Beginn der Probephase melden sich bei uns immer mehr Unternehmer, die mit dem neuen Verkehrskonzept große Probleme haben“, sagt Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank. Hauptkritikpunkte seien die großen Umwege, Stau in den Seitenstraßen und Lieferschwierigkeiten.

Einer der Leidtragenden ist Albert Welledits, der in der Apollogasse Brauerei-Anlagen baut: „Wir leiden massiv an den Kollateralschäden.“ Um zu seinem zweiten Standort am Rennweg zu gelangen, müsse er jetzt einen Umweg von 5,8 km fahren – weil es keine Querung der Mariahilfer Straße mehr gibt.

„In Summe macht das knapp 30 km pro Woche. Und jede Fahrt aus dem Bezirk dauert durch den Flaschenhals Stollgasse/Kaiserstraße etwa 20 Minuten länger.“ Wie berichtet, bilden sich in diesem Grätzl stadtauswärts lange Staus, seit in der Zieglergasse eine neue Einbahnregelung gilt. „So weit zur verbesserten Luftqualität durch die Fußgängerzone“, sagt Welledits.

Zwiespältig beurteilt man das grüne Prestigeprojekt auch bei der Ottakringer Brauerei, die viele Betriebe in der Einkaufsstraße beliefert. „An sich ist die Fußgängerzone lässig, sie macht die Stadt bunter und belebter“, sagt Konzernchef Sigi Menz. „Es gibt aber Nachjustierungsbedarf.“ So gebe es zu wenige Ladezonen. „Die Lieferanten steigen sich gegenseitig auf die Füße. Die Seitengassen sind oft verstopft, weil die Fahrer nach anderen Parkmöglichkeiten suchen.“ Auch die Lokale, die erst am Abend aufsperren, müssten sich umstellen. In der Fußgängerzone ist der Lieferverkehr nur bis 13 Uhr erlaubt.

„Es gibt genug Lieferzonen“, wundert man sich im Büro von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou über den Vorwurf. Im Vorfeld habe es intensive Gespräche mit der Kammer gegeben.

„Hochriskant“

Probleme mit Lieferanten hat Martin Antauer, Inhaber des Taschengeschäfts Antauer’s auf der Mariahilfer Straße 115 nicht. Dennoch hat er Bedenken: „In der Krisenzeit in ein gut funktionierendes System einzugreifen, ist hochriskant.“ Zwar würden viele Kunden mit der U-Bahn kommen, 15 Prozent aber kamen zuletzt mit dem Auto, schätzt Antauer. „Die fallen jetzt weg.“ Er fürchtet eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen Geschäften der Fußgänger- und der Begegnungszone: „Daher darf beim schlussendlichen Umbau auch kein Unterschied zwischen den beiden Zonen zu sehen sein.“

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Der KURIER bleibt dran. Dem heißen Thema „Fußgängerzone Mariahilfer Straße“ widmen wir ein weiteres Stadtgespräch, diesmal mit Unterstützung des ORF Wien.

Wir laden Sie herzlich ein, mitMartina Salomonund Elisabeth Vogel (ORF Wien) ein Resümee über die Erfahrungen der ersten Woche nach Beginn des Probebetriebs der Fußgängerzone Mariahilfer Straße zu ziehen. Was hat sich bewährt? Wo gibt es Probleme? Am Podium stehen BV Thomas Blimlinger, BV Renate Kaufmann und der Obmann des Vereines „Kaufleute der Mariahilfer Straße“ , Walter Bachofner den Fragen aller interessierter WienerInnen eine Stunde lang Rede und Antwort.

Wann: 23. August 2013, 12:30 bis 13:30 Uhr
Wo: Vorplatz der Mariahilfer Kirche, Ecke Barnabitengasse, 1060 Wien
Bei Schlechtwetter: Haydn-Kino, Mariahilfer Straße 57, 1060 Wien
Eintritt frei!

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