Die Jacke von Marianne Schmid hängt immer noch am selben Platz. 

© Tobias Pehböck

Chronik Österreich
03/15/2020

Ungelöste Kriminalfälle: Neue Spuren nach KURIER-Podcast

Unser True-Crime-Format „Dunkle Spuren“ findet immer mehr Fans – und auch Hinweise. Die nächsten Fälle sind bereits in Vorbereitung.

von Yvonne Widler, Elisabeth Hofer, Dominik Schreiber, Michaela Reibenwein, Elias Natmessnig

Es begann im Sommer 2019 mit einer Idee: Österreichs ersten True-Crime-Podcast zu machen. Vorbild waren die großen amerikanischen Formate. Auch wir wollten die Fälle nicht nur einfach nacherzählen, sondern mit der Polizei, den Angehörigen und den Freunden der Opfer reden, Zeugen befragen und vor Ort recherchieren, um Licht ins Dunkel zu bringen.

„Dunkle Spuren“ war geboren. Von Beginn weg hatten wir auch bei der Produktion einen hohen Anspruch an die Qualität. Wir wollten authentische Außenaufnahmen und Musik einweben. Neben unseren Redakteuren und Redakteurinnen, die die Fälle recherchieren, haben daher auch unser Moderator Stephan Andrejs und die beiden Audio- und Videoredakteure Tobias Pehböck und Dominik Kanzian hohen Anteil am Gelingen.

Die prägende Titelmusik und viele weitere Stücke stammen aus der Feder von Tobias Schützenderer. Analog zum Dunkle Spuren Podcast lesen Sie auf kurier.at auch immer das ausführliche Multimedia-Dossier zum jeweiligen Fall. 

Hunderttausende

Anfangs haben wir uns über die ersten tausend Downloads gefreut, mittlerweile gehen die Klicks in die Hunderttausende. Wir haben Hörer aus den USA und auch aus Australien – die meisten aufgrund der deutschen Sprache aber natürlich aus Österreich, der Schweiz und Deutschland. Wir haben auch einiges an Fanpost bekommen und einen Fragebogen an unsere Community gesendet. Wir nehmen das Feedback sehr ernst und versuchen, uns weiter zu verbessern.

Von sechs Schicksalen haben wir bisher berichtet, die Fälle haben uns in fünf Bundesländer und bis über Österreichs Grenzen geführt. Durch unsere Recherchen ist in einigen Fällen auch Bewegung in die Sache gekommen. Was wir dabei nie vergessen: Wir berichten über echte Fälle, tragische persönliche Schicksale stehen dahinter. Es gibt Angehörige, die noch immer hoffen oder zumindest Gewissheit haben wollen, was mit ihren Liebsten geschehen ist.

Falls Sie Hinweise zu unseren Fällen haben: entweder direkt an das Bundeskriminalamt unter  01/24836-985025, das Landeskriminalamt Wien unter  01/31310-33800 oder an uns per eMail: dunklespuren@kurier.at. Alle Hinweise können auch anonym abgegeben werden.

Aufgrund von COVID-19 müssen wir derzeit unsere redaktionellen Ressourcen bündeln, weshalb wir aktuell noch kein Erscheinungsdatum des nächsten Falles ankündigen können. Wir stehen allerdings schon in den Startlöchern! 

Aus dem Pflegeheim verschwunden 

Es war der 21. Mai 2017, als die mittelgradig demente Marianne Schmid das letzte Mal gesehen wurde. 

Sie soll um 9.45 Uhr von einer Pflegerin zur Heiligen Messe in die hauseigene Kapelle der Pflegeeinrichtung, bekannt als Vitusheim und gelegen im niederösterreichischen Las an der Thaya, gebracht worden sein. Die Leiterin sagte dem KURIER, Schmid sei hundertprozentig in die Kapelle gebracht worden und vermutlich vor Beginn dieser wieder alleine aufgestanden und weggelaufen. Oder sie sei nach der Messe aufgestanden und schnell weggegangen.

Nach unserer Berichterstattung meldete sich eine Zeugin, die Schmid um 9.45 Uhr nahe der tschechischen Grenze gesehen haben will. Die Ermittler prüfen diese Spur. Bald soll es eine neue Suchaktion geben, die in Kooperation mit den tschechischen Behörden organisiert wird.  

Der Mörder saß mit ihr am Küchentisch 

Gerlinde Schöllbauer saß mit der Abendzeitung an ihrem Küchentisch. Sie trank Kaffee und rauchte. Die 42-Jährige war nicht allein. Ihr Mörder saß bei ihr.

Am 20. März 1999 wurde die Frau in ihrer Wohnung in der Wiener Romanogasse erdrosselt und erwürgt. Der Kampf zog sich durch die gesamte Wohnung. Im Zuge der KURIER-Recherchen schilderte eine Hausbewohnerin, damals einen unbekannten Mann im weißen Pullover gesehen zu haben.

Ewald Schneider, Mordermittler des Landeskriminalamtes Wien, geht der Spur nach – und stellt fest, dass sie auch schon damals bekannt war, der Mann aber nicht ausgeforscht werden konnte. Schneider: „Derzeit sehe ich keinen neuen Ermittlungsansatz. Wir sind aber immer noch zuversichtlich, weil wir ja diese sehr gute Täter-DNA haben.“

Eifrige Suche nach Zeugen aus dem Grenzgebiet 

In der Nacht vom 11. auf den 12. September 2015 setzen sich die beiden 26-jährigen Freunde Max Baumgartner und Andreas Leitner in ihr Auto und fahren von Zwettl in Richtung Tschechien. Seither fehlt von ihnen und ihrem Wagen jede Spur.

Hatten sie einen Unfall, sind sie freiwillig verschwunden oder wurden sie Opfer eines Verbrechens?
Die Polizei tendiert mittlerweile dazu, dass ihnen im tschechischen Rotlichtmilieu etwas zugestoßen ist. 

„Daraus ergibt sich das Ersuchen, ob es Personen gibt, die die beiden in der Tschechischen Republik gesehen haben. Nicht nur in dieser Nacht,  sondern auch vorher“, sagt Chef-Ermittler Kurt Linzer. Wer etwas gesehen hat und möchte, dass das geheim bleibt,  kann sich auch vertraulich bei der Polizei melden.

Ein Autohändler auf nächtlichen Abwegen

Es ist Oktober 2009, als der 68-jährige Autohändler Franz Leiss aus Kleinhaugsdorf plötzlich nicht mehr auffindbar ist. Seine Spur verliert sich im Nachtleben der tschechischen Stadt Znaim. Hat er sich dort mit den falschen Leuten angelegt?

„Im Fall Leiss hatten wir Kontakt mit einem Zeugen, der sich nach dem Podcast gemeldet hat“, berichtet Ermittler Kurt Linzer. Dieser Zeuge habe eine wesentliche Aussage getätigt. „Nämlich, dass er Herrn Leiss mehrfach in der Grenzregion gesehen haben will. Wir haben mit dem Zeugen gesprochen und werden auf diesen Aussagen aufbauend weitere Ermittlungsschritte einleiten“, sagt Linzer.

Dazu ist die Polizei auch auf der Suche nach anderen Zeugen: „Franz Leiss war relativ stark involviert in die Lokalszene dort. Es wäre wesentlich, mit weiteren Leuten zu reden, die das auch bestätigen können.“ 

Lösung des Falles in Ungarn?

Er war 43 Jahre alt, als er verschwand. Hubert Schmied hatte eine Liaison mit einer Prostituierten, es gibt Vermutungen, er hätte diese freikaufen wollen und folglich hätten ihn ihre ungarischen Zuhälter zum Schweigen gebracht. 

Bis heute fehlen allerdings die Beweise oder Zeugen. Es könnte aber auch sein, dass er andere zwielichtige  Geschäfte am Laufen hatte. Fakt ist: An einen Unfall glaubt hier niemand. Auch nicht an freiwilliges Untertauchen.

Am 17. Oktober 2003, nach einer langen Nacht und einem seltsamen Anruf am Vortag, wird er auf der Bundesstraße nach Bruck an der Mur das letzte Mal gesehen. Auch sein schwarzer Audi 80 ist weg. Ermittler Kurt Linzer sagt: „Nach den bisher vorliegenden Ermittlungen muss man davon ausgehen, dass sich die Lösung des Falles im Ausland befindet.“ 
 

Zwei Schüsse auf den Diamantenhändler 

Zwei Schüsse feuerte der Unbekannte auf Diamantenhändler Werner Haas ab. Der erste fiel schon bei der Eingangstür. Werner Haas flüchtete ins Arbeitszimmer. Der Mörder hinterher. Dann fiel der zweite, der tödliche Schuss. 

Der gebürtige Steirer Werner Haas   wurde am 27. September 2007 in der Wiener Lammgasse erschossen. Dort war seine Wohnung und zugleich sein Firmensitz. Das Motiv ist unklar. Es könnte sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Bereich liegen.

Nach der Berichterstattung ging ein Hinweis ein: „Der Hinweis bezog sich auf eine Person aus seinem 
Heimatumfeld. Jemand, der mit Herrn Haas aufgewachsen ist“, sagt Ermittler Ernst Hoffmann vom Landeskriminalamt Wien. Die Person wurde überprüft – allerdings  konnte kein Zusammenhang mit der Straftat festgestellt werden.

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