Ein Ruderboot mit zwei Sportlern fährt am 18.07.2013 über den Tegeler See in Berlin. Foto: Marcel Kusch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

© dpa/Marcel Kusch

39,9 Grad Celsius
08/03/2013

Neuer österreichischer Hitzerekord

Der 30 Jahre alte Höchstwert wurde nun doch geknackt - und zwar wieder in Dellach. Die Trockenheit sorgt aber zunehmend für Waldbrände.

Im zweiten Anlauf ist sich's also ausgegangen. Der 30 Jahre alte österreichische Hitzerekord ist gefallen - und zwar genau dort, wo er auch aufgestellt wurde: In Dellach im Kärntner Drautal wurde am Samstaggnachmittag von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mit 39,9 Grad die höchste jemals in Österreich gemessene Temperatur erreicht. Der bis dahin gültige, ebenfalls in Dellach erzielte Rekordwert von 39,7 Grad aus dem Jahr 1983 wurde damit um 0,2 Grad übertroffen.

Waldbrände

Wirkliche Freude über den Hitzerekord dürfte in weiten Teilen Österreichs aber nicht aufkommen. Neben derexistenzbedrohenden Situation, in der sich viele Landwirte aufgrund der anhaltenden Trockenheit befinden, kommt es immer häufiger zu Waldbränden. Der mit Abstand größte wütete oberhalb vonSteinbach am Attersee(Bezirk Vöcklabruck). Dort standen mehrere tausend Quadratmeter trockener Fichtenwald in Flammen. Zahlreiche Wanderer mussten in Sicherheit gebracht werden.

Im Kärntner Bezirk Hermagor wurde am Samstag ebenfalls ein Großeinsatz der Feuerwehr notwendig. Mehr als 200 Feuerwehrleute bekämpften ein Feuer in einem unwegsamen Waldstück in der Gemeinde St. Stefan/Gail. Dabei entdeckten die Einsatzkräfte am Nachmittag die Leiche einer 87 Jahre alten Pensionistin. Die Frau war seit Mitte Juni aus einem Pflegeheim im Gailtal abgängig gewesen

Im obersteirischen Gesäuse war am Freitagnachmittag ein Waldbrand zum dritten Mal innerhalb von fünf Tagen ausgebrochen. Die Löscharbeiten mussten auch am Samstag fortgesetzt werden.

Auch bei Bei Bad Ischl brannte ein etwa 600 Quadratmeter großes Waldstück.

Höhepunkt der Hitzewelle steht noch bevor

Das extrem heiße Hochsommerwetter mit Höchstwerten jenseits der 35 Grad-Marke setzt sich auch in den kommenden Tagen fort. Aus dem Westen herannahende Gewitterfront bringen nur kurzfristig Abkühlung, können aber heftig ausfallen. So musste etwa Samstagabend das Fußball-Bundesligaspiel Wacker Innsbruck gegen Salzburg für einige Zeit unterbrochen werden. "Im Osten und Süden bleibt es aber meist trocken und heiß mit bis zu 38 Grad“, prognostiziert UBIMET-Meteorologe Roland Reiter.

Der Höhepunkt der zweiten Hitzewelle wird übrigens erst für Mittwoch oder Donnerstag erwartet. Ein Erreichen der 40 Grad-Marke ist laut Reiter durchaus im Bereich des Möglichen.

Rekorde in weiteren Bundesländern

Auch in Niederösterreich fiel am Samstag der Landes-Hitzerekord: In Seibersdorf wurde mit 39,7° C ein neuer Höchstwert erreicht, der alte lag bei 39,3° C in Waidhofen/Ybbs, gemessen am 5. Juli 1950. In Tirol (38,9° C in Lienz), Wien (38,5° C in Wien/Donaufeld) und in der Steiermark (38,8° C in Frohnleiten ) wurden zumindest die Rekorde für den heißesten August-Tag gebrochen.

In Nordostösterreich wurde um 14.00 Uhr die Ozonwarnschwelle überschritten. Wie man sich bei bei Ozonbelastung verhalten sollte lesen Sie hier.

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Schwimmen auf den Dächern Wiens

Lange Schlange vor dem Freibad? Nicht für Sandra. Die 40-jährige Lehrerin fährt einfach mit dem Aufzug in den 27. Stock. Denn im Wohnpark Alterlaa in Wien-Liesing befinden sich insgesamt sieben Schwimmbäder auf den Dächern.

In den 1970ern, als die Anlage errichtet wurde, war sie noch die einzige in der Stadt mit integriertem Schwimmbad. Mittlerweile sind Dachpools keine Seltenheit mehr. Und die Bewohner wissen das Angebot zu schätzen.

Dachschwimmbäder in Wien

dachschwimmbad, kabelwerk…

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Pool am Dach, Kabelwerk…

Pool am Dach, Hochhaus Wienerberg, wohnen in Wien…

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Wohnbau, Genossenschaft, Pool am Dach…

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„Der Ausblick ist immer wieder ein Wahnsinn“, sagt Sandra und lässt ihren Blick vom Gießhübl bis zum Kahlenberg schweifen. Die Lehrerin zog als 6-Jährige in die Anlage, mittlerweile kommt sie mit Tochter Katharina zum Schwimmen und Entspannen. „Mein Mann arbeitet als Optiker im Kaufpark. Er springt manchmal in der Mittagspause hinein.“

In Wiener Freibäder geht die Lehrerin eigentlich nicht mehr. Wieso auch? „Dort kleben alle Leute nur aneinander. Hier habe ich genug Platz und Ruhe.“

Das bestätigen auch Bewohner vom Kabelwerk im 12. Bezirk, wo es ebenfalls einen Pool am Dach gibt. Es sei zwar gut besucht, aber nie richtig voll, erzählt der 35-jährige Dragan, der mit Frau und befreundeten Nachbarn die Abendsonne genießt.

„Gerade nach der Arbeit ist es herrlich, noch einen Sprung ins Wasser zu machen“, sagt Kabelwerk-Bewohnerin Claudia.

Zusätzlich geht auf den Dächern ein stärkerer Wind als am Boden. Dadurch werde es trotz der wenigen Schattenmöglichkeiten nie so schlimm heiß. „Die 38 Grad fühlen sich hier gar nicht so wild an“, sagt Dragan.

Auch die 32-jährige Evelyn findet das Dachschwimmbad ihrer Anlage in der Vorgartenstraße 125 im zweiten Bezirk herrlich: „So ein Schwimmbad ist wirklich ein Zuckerl.“

Bauernkalender schlägt Satelliten

39,9 Grad sind also neuer Hitzerekord. Meteorologen hatten ihn nicht für Samstag erwartet. Einen solchen Rekord vorherzusagen, ist aber ein Ding der Unmöglichkeit.

„Beobachten Sie eine Wolke über fünf Minuten. Wie hat sie sich verändert, ist die Wolke dann überhaupt noch da? Fixiert man die selbe Wolke nur 20 Sekunden lang, wird sie dem Beobachter vertraut vorkommen. Ähnlich verhält es sich in der Wetterprognose“, plaudert Manfred Spazierer, Geschäftsführer des Wetterdienstes Ubimet, aus der Wetterküche.

Bis zu fünf Tage sind Prognosen auf der sicheren Seite. Ganz selten liegen Wetterforscher völlig daneben. Langzeit-Prognosen deutlich sind schwieriger.

Kaffeesatzleserei

Gerhard Lux, Legende des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im Klartext: „Alles was über 14 Tage hinaus geht ist Kaffeesatzleserei.“ Warum sind Vorhersagen so schwierig? Lux erklärt: „Man muss sich einen Sack mit Tischtennisbällen vorstellen, der ausgeschüttet wird. Und jetzt müssen die Wetterdienste berechnen, wo jeder Ball landet. Die Meteorologie nähert sich über die Wahrscheinlichkeit der Wahrheit.“

Der Schlüssel liegt in der Mathematik. Modelle werden mit Parametern (Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchte, Windrichtung und Geschwindigkeit, Niederschlag sowie die Sonneneinstrahlung/) von 16.000 Mess-Stationen und vier Satelliten gefüttert. Trotz Hochleistungsrechner gelten Langzeit-Prognosen aber noch immer als „Himmelfahrtskommando“.

So besagten die Prognosen für Mai, Juni und Juli vieler Wetterdienste einen „vorsichtigen Trend zu Durchschnittstemperaturen.“ Tatsächlich durchlebten wir den zweitheißesten Juli seit Beginn der Aufzeichnungen 1768.

Das Geschäft mit dem Wetter boomt. Denn als Allzeit-Größe tangiert es Wirtschaft, Industrie, Events, Feuerwehr-Heurigen oder jeden Schulausflug. „Die Zahl der Dienste und Meteorologen steigt rasant. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Wert der eingesetzten Infrastruktur verzehnfacht“, weiß Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik(ZAMG).

Bleibt der Bauernkalender als bodenständige Konkurrenz zu den Hightech-Prognosen. Der besagte etwa zum Siebenschläfertag (27. Juni): Wie das Wetter sich heut’ verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt. Der 27. Juni war ein strahlender Sommertag. Der Start zum aktuellen Hitzesommer...

Je heißer, desto mehr Ozon

Die Hitze macht dem Organismus zu schaffen – was dazukommt, ist die Ozonbelastung, die durch Luftschadstoffe ausgelöst wird. In Nordostösterreich wurde die Informationsschwelle mehrmals überschritten. In Schwechat wurde am Samstag sogar die Alarmschwelle überschritten.

„In der Stratosphäre brauchen wir Ozon, damit es uns vor gefährlichen UV-Strahlen schützt – in Bodennähe ist es das stärkste Reizgas“, erklärt die Lungenspezialistin Silvia Hartl. „Ein Körper, der das einatmet, muss seine antioxidativen Reserven einsetzen. Ein gesunder Mensch wird davon wenig spüren, doch Asthmatiker und Lungenkranke können unter Atembeschwerden und Reizungen der Schleimhäute leiden.“ Ein Badetag oder ein Spaziergang im Grünen sollte dadurch nicht beeinträchtigt sein – Umweltmediziner Univ.-Prof. Hans-Peter Hutter rät jedoch: „Alles, was gut gegen Hitze ist, ist auch gut zur Vermeidung von Luftschadstoffen.“ Spaziergänge sollte man an den Tagesrand verlegen und stark befahrene Straßen vermeiden. „Bei Kindern führt eine Dauerbelastung mit Ozon zur Beeinträchtigung des Lungenwachstums bin hin zu Asthma.“

Für Hartl bekommt auch der Spruch „Sport ist Mord“ eine neue Bedeutung – „in der prallen Sonne würde ich das jetzt niemandem empfehlen“. Morgens mit dem Fahrrad ins Büro zu fahren und abends nach Hause ist für Routiniers kein Problem, doch sie sollten Hauptverkehrsadern umfahren, um die Belastung gering zu halten.

Für Hutter ist das passive Hoffen auf eine Milderung der Wetterlage zu wenig. „Wir sind immer abhängig von Wetterlagen. Mit der Ursache, der Luftverschmutzung, wird zu sanft umgegangen.“ Und nicht nur der Mensch leidet, sondern auch die Vegetation: „Jährlich sind je nach Pflanzenkultur und Region fünf bis 15 Prozent der Ertragsausfälle auf die Ozonbelastung zurückzuführen. Sie beeinträchtigt das Wachstum und die Lebensfähigkeit der Pflanzen.“

Österreichs Helden der Hitze gesucht

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