Hitze

© deutsch gerhard

39,2 Grad Celsius
07/28/2013

Kein Hitzerekord, aber Rekordhitze

Heißester Tag des Jahres, doch der Allzeit-Hitzerekord wurde nicht geknackt. Hitzepole waren Waidhofen/Ybbs und Bad Goisern.

von Michael Berger, Wolfgang Atzenhofer

Die Hitze-Rekordjagd startete am Sonntag vielversprechend. In Wien etwa kündigte sich mit 26 Grad um 9 Uhr Früh ein Sahara-Vormittag an. Kurz nach 15 Uhr wurde in Bad Deutsch Altenburg (Bezirk Bruck/Leitha) die Bestmarke vom Samstag aus Waidhofen/Ybbs mit 37,7 Grad übertroffen. Selbst vorsichtige Meteorologen warteten in klimatisierten Wetter-Zentralen gespannt auf den Allzeit-Hitzerekord.

Doch gegen 17 Uhr kam Waidhofen/Ybbs noch einmal ins Spiel. Innerhalb kurzer Zeit stieg nach Angaben der Meteorologieanstalt Ubimet die Temperatur um 1,8 Grad auf 39,2 Grad. Teilen müssen sich die Waidhofener den „Tagessieg“ mit Bad Goisern in Oberösterreich. Der Rekord von 1983, als am 27. Juli in Dellach im Drautal 39,7 Grad gemessen wurden, blieb ungefährdet.

Impressionen vom heißesten Tag des Jahres:

THEMENBILD: HITZE

Hitze, Bad, Wasser, Wiener Bäder, Kongreßbad, Wett…

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Hitze…

THEMENBILD: HITZE IN WIEN

ARCHIVBILD: WAIDHOFEN AN DER YBBS

waidhofen ybbs…

Eis…

Neusiedler See am 28. Juli 2013…

Die magische 40 Grad-Marke ließ auf sich warten. So purzelten die bekannten Hitze-Gemeinden nach und nach aus dem Favoritenkreis. Ausnahme Waidhofen/Ybbs im Mostviertel. Ubimet-Meteorologe Florian Pfurtscheller wagte eine erste Prognose: „Der Föhn fällt nicht so kräftig aus, wie erwartet.“

38,4 Grad in Wien

Dafür dampfte der Seewinkel. Im burgenländischen Andau sorgten 37,1 Grad für Saunastimmung im Freien. In Villach und Ferlach war die Hitze-Rallye mit 37,7 Grad voll im Gang. Während der Städte-Dreikampf mit Waidhofen/Ybbs entbrannt war, kochte um 16 Uhr Salzburg mit 38,6 Grad. Schnell legte Villach mit 38,7 Grad noch nach. Waidhofen und Bad Goisern toppten das Ganze noch. Auch die Wiener Innenstadt gehörte mit 38,4 Grad zu den heißesten Orten des Landes. Die Rettung in der Hauptstadt verzeichnete wegen der hohen Temperaturen zehn Prozent mehr Einsätze.

Kühle Plätze in Wien:

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FEATURE ZU HITZEWELLE IN WIEN

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Ausflugskleinod: Der Gastronomiebetrieb Hanslteich und sein prächtiges Naturbiotop mit Krebsen am Rande der Großstadt

Der Sonntag schafft aber, auch wenn der Hitze-Rekord nicht geknackt wurde, auf jeden Fall einen Eintrag in die Klima-Bücher der Wetterdienste: Und zwar als vorläufig heißester Tag des Jahres.

Auch der laufende Juli beschäftigt die Klimatologen. Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) bilanziert: „Bei Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer fällt dieser Juli sicher unter die fünf extremsten Monate seit Beginn der Aufzeichnungen.“ Österreichweite Temperatur-Messungen gibt es seit 1767, für Niederschlag seit 1858 und für Sonnenschein seit 1884.

Vorschau: Es bleibt sommerlich

Am Montag werden die Temperaturen im Osten noch einmal ansteigen, im Westen ist es mit der großen Hitze vorbei. Mit einer Kaltfront kündigt sich eine Umstellung des Wetters an. Regenschauer und teils heftige Gewitter breiten sich dabei von West nach Ost aus. Am längsten sonnig und trocken bleibt es im äußersten Osten und Südosten, hier wird es mit bis zu 39 Grad noch einmal außergewöhnlich heiß. Die Gebiete hinter der Kaltfront liegen hingegen schon im kühleren Bereich wie in Vorarlberg mit teils nur noch um 23 Grad.

In der Nacht auf Dienstag räumt kräftiger Wind auch im Osten und Südosten die Heißluft aus, damit ist die große Hitze im ganzen Land vorläufig zu Ende. Mit rund 31 Grad wird es im Süden am wärmsten sein, hier scheint zudem verbreitet auch die Sonne. Sonst sind mehr Wolken anzutreffen und mit Temperaturen zwischen 24 und 29 Grad ist es zumindest etwa kühler.

Am Mittwoch kehrt teilweise der Sommer wieder zurück. In weiten Teilen des Landes überwiegt der Sonnenschein. An der Alpennordseite und im Norden bilden sich jedoch im Tagesverlauf einige Quellwolken und auch einzelne Regenschauer. Sonnig und trocken bleibt es im Süden. Der Wind weht schwach, im östlichen Flachland auch mäßig aus West bis Nord. Frühtemperaturen elf bis 19 Grad, Tageshöchsttemperaturen 24 bis 32 Grad.

Am Donnerstag bringt stabiles Hochdruckwetter verbreitet strahlenden Sonnenschein und oft wolkenlosen Himmel. Lediglich im westlichen Bergland sind lokale Wärmegewitter nicht völlig auszuschließen. Der Wind weht nur schwach und dreht zunehmend auf Ost bis Süd. Frühtemperaturen zwölf bis 20 Grad, Tageshöchsttemperaturen 27 bis 33 Grad.

Am Freitag setzt sich das sonnige und stabile Hochdruckwetter fort. Lediglich am Alpenhauptkamm sowie in Osttirol sind einzelne Wärmegewitter möglich. Der Wind weht nur schwach meist aus Ost bis Süd. Frühtemperaturen 13 bis 21 Grad, Tageshöchsttemperaturen 29 bis 36 Grad.

Bleibt die Frage nach dem Bauernkalender. Der besagt folgendes: Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne. Der 27. Juni war ein strahlend schöner Sommertag.

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Die Temperaturen der Badeseen

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Applaus im Bad, Toskana-Platte beim Heurigen

Die gewonnene Jagd um den Titel „Heißester Ort Österreichs“ wurde gestern im Parkbad von Waidhofen an Ybbs (NÖ) von Hunderten bejubelt. Schon am Samstag als Hitzepol ausgelotet, war der mögliche neue Rekord das Thema des Tages, berichtete Bademeister Arnold Wagner.

Dabei war die Hitzeschlacht selbst im Freibad kein Honiglecken. „Ich habe in meiner langjährigen Tätigkeit noch nie erlebt, dass den Liegehügel nur eine Person nützt. Ich habe dort privat über 40 Grad gemessen“, schildert Wagner. Obwohl am frühen Morgen die Schwimmbecken mit viel kaltem Wasser nachgefüllt wurden, stieg die Temperatur in den Becken gestern auf rund 28 Grad. Gemeckert habe trotzdem niemand, meinte Wagner. Im Gegenteil: Der neuerliche Titel in der bundesweiten Hitze-Rallye ließ viele Badegäste bis 22 Uhr feiern.

Ein anderes Bild bot sich in Bad Deutsch Altenburg (NÖ). Dort fehlte der Beifall des Publikums während sich Sonntagnachmittag die Temperaturen stündlich neuen Rekordwerten um die 38 Grad näherten. Menschenleere Straßen, die vor Hitze regelrecht flimmerten, aber auch leere Schanigärten und Heurigengärten dokumentierten beim KURIER–Lokalaugenschein ein wenig vergnügliches Leiden unter der Sonne.

„Das muss man verstehen, wenn sich bei dieser Hitze niemand zum Heurigen setzt. Jetzt verkriechen sich die Leute, aber am Abend kommen sie sicher“, trösteten sich die Heurigen-Wirtsleute Ulrike und Johann Walter mit einem Glas Mineralwasser im leeren Gastgarten. Mit viel Elan sprang die Wirtin auf, als sich doch zwei Kundschaften in einer schattigen Ecke niederließen. Die Toskana-Platte mit leichten südländischen Schmankerl war der Tipp des Tages.

Warum wir den Sommer lieben

Der Schriftsteller Alfred Polgar stellte eines heißen Tages fest: „Lebenskünstler ist, wer seinen Sommer so erlebt, dass er ihm noch den Winter wärmt.“ Nicht unwahrscheinlich, dass die Menschen im klirrend-kalten Jänner wehmütig die aktuellen Rekordtemperaturen herbeisehnen. Bis dorthin aber stöhnen sie unter der Hitze. Jammern und schwitzen. Dabei vergessen viele, dass der heiße Sommer auch gute Seiten hat. Immerhin trinken wir endlich die gesunden zwei bis drei Liter Wasser pro Tag. Wer in der prallen Mittagssonne eine Stunde schwitzt, verliert bis zu einem Liter Flüssigkeit. Empfehlenswert sind Wasser, verdünnte Fruchtsäfte und Tees. Damit der Mund nicht trocken wird, haben Nomaden der Tuareg einen simplen Trick. Sie schieben sich einen glatten Stein unter die Zunge, der die Speichelproduktion fördert.

Sind wir innerlich gut gekühlt , ist der Sprung ins kühle Wasser eine Erlösung. Schwimmen ist eine der effektivsten Sportarten, denn wir trainieren dabei den ganzen Körper. Alle wichtigen Muskelpartien werden gestärkt. Und: Urologen bestätigen, dass regelmäßiges Schwimmen Impotenz vorbeugt, wenn nicht gar verhindern kann.

Vom Sommerwetter profitieren auch unsere Füße. Eingepfercht in Slippers oder hohen Stöckelschuhen bekommen sie jetzt häufiger Freigang – wir gehen barfuß. Dadurch finden die Füße ihre natürliche Stellung wieder, Muskeln werden trainiert, die Wölbungen bekommen mehr Kraft und Haltung, die sich auf den ganzen Körper übertragen.

Dass ein Spaziergang durch taufrisches Gras der Psyche guttut, ist ein schöner Nebeneffekt.

Den gibt es auch in puncto Ernährung: Die heißen Temperaturen verderben uns die Lust auf schwere Kost und wir ernähren uns leichter und gesünder. TCM-Experten empfehlen für den Körper kühlende Lebensmittel wie Wassermelonen, Spargel, Gurken, Paradeiser, Karotten, Spinat, Paprika, Birnen, Zwetschken, Pfirsiche, grünen Tee, Bananen, Erdbeeren, gekochtes Schweine- und Hühnerfleisch. Besser nicht: Gegrilltes und Geräuchertes. Auch Eiscreme und eisgekühlte Getränke sind nach der fernöstlicher Ernährungslehre als Durstlöscher kontraproduktiv.

Für den Durst unterwegs: Die Trinkwasserbrunnen in Wien

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