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Wissen Gesundheit
03/04/2021

Was man vor einer Impfung wissen sollte: Die wichtigsten Infos

Im März sollen jetzt deutlich mehr Menschen einen Schutz erhalten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

von Ernst Mauritz, Elisabeth Gerstendorfer, Theresa Bittermann

„Das Zeug ist echt nicht ohne – aber es wirkt.“ Assistenzarzt Matthias M. bekam nach der Impfung mit Astra Zeneca für mehrere Stunden hohes Fieber (über 39° C) und Schüttelfrost, einige Kolleginnen und Kollegen meldeten sich am nächsten Tag krank.

„Aber natürlich alles kein Vergleich zu einer Covid-19-Erkrankung.“ – „Wir sind das einfach nicht mehr gewohnt, dass wir nach einer Impfung müde sind oder sogar fiebrig, aber das sind völlig normale Reaktionen des Körpers, die einfach zeigen: das Immunsystem funktioniert“, sagt Kinderarzt Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferats der Österr. Ärztekammer.

Welche Impfreaktionen kann ich bekommen?

Fieber ist die in Österreich bislang am häufigsten gemeldete Impfreaktion, gefolgt von Kopfweh, Müdigkeit, Schmerzen an der Impfstelle sowie Gelenk- und Muskelschmerzen. „Die Mehrheit war in der Intensität mild bis moderat und verschwand binnen weniger Tage“, so das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG). Die Daten liefern keinen Grund zur Sorge, „Reaktionen entsprechen dem, was aus Studien zu erwarten war“, sagte BASG-Chefin Christa Wirthumer-Hoche. In Österreich können Nebenwirkungen von Patienten freiwillig an das BASG gemeldet werden. Ärzte, Apotheker und andere Angehörige von Gesundheitsberufen sind dazu verpflichtet, betont Wirthumer-Hoche. Das Formular für Patienten: https://nebenwirkung.basg.gv.at/

Sind solche Reaktionen gefährlich für ältere Menschen?

Sowohl die Zulassungsstudien der Impfstoffe wie auch die Daten aus der Praxis zeigen: vor allem Jüngere sind von den Impfreaktionen betroffen. In Österreich gab es die mit Abstand meisten Meldungen in der Gruppe der 18- bis 44-Jährigen.

Gibt es beim Vakzin von Astra Zeneca häufiger Impfreaktionen?

Laut BASG gibt es bei Astra Zeneca bisher knapp 48 Meldungen pro 1.000 Impfungen, bei Moderna sind es 9,2 bei und bei Biontech/Pfizer 5,6 pro 1000 Dosen. Aus den Studien weiß man aber auch, dass bei Astra Zeneca vermehrt Reaktionen nach der ersten Dosis auftreten, hingegen bei der zweiten kaum. Bei den mRNA-Impfstoffen ist es genau umgekehrt. Außerdem: „Bisher wurde dieser Impfstoff (Anm. Astra Zeneca) hauptsächlich jüngeren Menschen verabreicht, bei denen laut Studien in der Regel stärkere Impfreaktionen auftreten“ erklärt das BASG die Datenlage. Als „jung“ gelten in diesem Kontext übrigens auch durchaus noch bis zu 50-Jährige.

Abgesehen vom Alter: Wann können Reaktionen heftiger sein?

„Menschen, die eine Infektion durchgemacht haben, haben bereits ein vorgebildetes Immunsystem, das durch die Impfung aktiviert wird und dazu führt, dass sie eher Wirkungen spüren“, sagt Virologe Lukas Weseslindtner, MedUni Wien. Wichtig ist, zwischen Impfreaktionen und – sehr selten gemeldeten – Nebenwirkungen zu unterscheiden. Erstere sind erwartbar und verschwinden innerhalb weniger Tage. Nebenwirkungen hingegen sind laut BASG schädliche und unbeabsichtigte Folgen. Dabei muss aber im Einzelfall geklärt werden, ob die Symptome überhaupt mit der Impfung zusammenhängen.

Kann ich geimpft werden, wenn ich Allergiker bin?

Ja, betont Schmitzberger. „Die „normalen“ Allergiker, also etwa Hausstaub oder Pollen sowie auch Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten müssen sich in der Regel gar keine Sorgen machen. Allergische Reaktionen werden bei Impfungen ganz genau geprüft“ Vorsicht ist bei nachgewiesenen Unverträglichkeiten zu Inhaltsstoffen geboten. „Für den Fall einer unerwarteten, allergischen Reaktion, sollte man noch etwa eine halbe Stunde nach der Impfung in der Ordination bleiben.“ Solche allergischen Reaktionen sind allerdings sehr selten. In Österreich gibt es bislang 34 gemeldete Fälle – von knapp 700.000 Impfungen – einer allergischen Reaktion in zeitlicher Nähe zur Impfung.

Wer kann nicht geimpft werden?

Kinder, Jugendliche und auch Schwangere können momentan noch nicht geimpft werden. Für sie braucht es eigene Zulassungsstudien. Schmitzberger: „Wird man nach der Impfung schwanger, birgt das keine Risiken. Daten aus bestehenden Studien geben dabei Sicherheit. Auch Stillen kann man bedenkenlos.“

Ab wann bin ich geschützt– und in welchem Ausmaß?

Eine schottische Studie kam zu dem Ergebnis, dass bereits die erste Dosis von Biontech/Pfizer zu 85 Prozent gegen eine Krankenhausaufnahme ab ungefähr vier Wochen nach der Impfung schützt, bei Astra Zeneca zu 94 Prozent, sagte Christian Drosten in seinem NDR-Podcast. „Ist das jetzt ein Unterschied? Ich würde sagen Nein“, erklärte der Virologe. Eine englische Studie zeigte: Beide Impfstoffe können symptomatische Covid-19-Infektionen bei über 70-Jährigen deutlich senken. Vier Wochen nach der ersten Dosis lag der Schutz bei Biontech/Pfizer bereits zwischen 57 und 61 Prozent, für Astra Zeneca zwischen 60 und 73 Prozent. „Die Daten zeigen, dass die Impfstoffe schon nach einer Dosis sehr gut wirken“, sagt der Virologe Florian Krammer.

Soll ich fiebersenkende Mittel nehmen – und wann?

Vor allem Paracetamol ist der Wirkstoff der Wahl (z. B. in „Mexalen“). „Empfohlen wird, zirka vier Stunden nach der Impfung erstmals 500 mg Paracetamol einzunehmen und dies dann für 24 bis maximal 48 Stunden alle sechs Stunden zu wiederholen“, sagt der Immunologe Hannes Stockinger, MedUni Wien. „Die Daten zeigen, dass damit die Nebenwirkungen gedämpft werden können. Die Impfantwort des Körpers und der Aufbau des Impfschutzes werden nicht beeinträchtigt“, betont Stockinger. Das unterstreicht auch Rudolf Schmitzberger. Andere Wirkstoffe – wie zum Beispiel Ibuprofen – seien zwar nicht negativ zu beurteilen, „aber die klare Empfehlung lautet: Paracetamol“.

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