Covid-19 kann auch Beschwerden im Mund in Form eines Enanthems verursachen.

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Wissen Gesundheit
10/02/2020

Rötlicher Mundausschlag und Co.: Was man über neue Covid-Symptome weiß

Die Liste der Anzeichen einer Covid-19-Infektion wird immer länger, die Ursachen dafür sind oftmals noch unbekannt.

von Marlene Patsalidis

"Eindeutige Kriterien zur Abgrenzung gibt es leider nicht", schickt Infektiologe Heinz Burgmann vom Wiener AKH/MedUni Wien als schlechte Nachricht voraus. Gewissheit liefere nur ein Test. "Allerdings gibt es Beschwerden, die eher für eine Corona-Ansteckung sprechen und weniger für eine reine Atemwegserkrankung beziehungsweise Erkältung."

Für Letzteres sprechen eine rinnende Nase, Schnupfen oder Halsschmerzen. Herauskristallisiert hat sich inzwischen, dass trockener Husten, starke Riech- und Geschmacksstörungen (auch ohne verschleimte Nase), anhaltende Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Gelenksschmerzen häufig bei Covid-19 auftreten.

Tückisch, nicht untypisch

Dass das Virus so viele Körperregionen angreift, ist tückisch, aber nicht untypisch. "Wenn Viren über das Blut verteilt werden, kann es vielerorts Probleme geben. Bei Covid-19 sieht man, dass unterschiedliche Zellen für das Virus und damit auch entsprechende Schädigungen empfänglich sind."

Kürzlich stellten spanische Forscher in einer kleinen Studie mit 21 Probanden fest, dass Corona auch Ausschläge der Mundschleimhaut (rote, fleckige Färbung der Schleimhaut) bedingen kann. Burgmann: "Die genaue Ursache ist bisher nicht bekannt, eventuell handelt es sich um eine lokale Reaktion des Immunsystems auf den Erreger."

Auch die Experten der Universitätsklinik Ramón y Cajal in Madrid sprechen bei dem beobachteten Ausschlag von einem Enanthem (jegliche Form eines Ausschlages im Bereich der Schleimhäute). In dessen Verlauf schwellen die winzigen Gefäße der Schleimhäute durch eine Reaktion des Immunsystems entzündlich an. Es kommt zu einer roten, fleckigen Färbung der Schleimhaut, die mit Schwellung, Brennen, Jucken oder auch Schmerzen verbunden sein kann. Das Enanthem ist als Symptom im Verlauf von Infektionskrankheiten typisch.

Stichwort Immunsystem: Wenn das Virus Zellen im Körper befällt, hängt es von diesen ab, was in der Folge passiert. "Viele hatten nach wie vor mit SARS-CoV-2 keinen Kontakt. Die Immunabwehr kann nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Dennoch gibt es abwehrgesteuerte Mechanismen, die mit solchen Erregern fertig werden. Je nachdem, wie gut sie klappen, fallen die Reaktionen aus."

Schlecht proportionierte Immunreaktion

Bei SARS-CoV-2 komme es unglücklicherweise immer wieder zu einer überschießenden Immunreaktion. "Es werden viel zu viele Abwehrstoffe produziert und der Kollateralschaden im Organismus ist immens. Je nachdem, wo das im Körper stattfindet, kommt es dann zur entsprechenden Schädigung." Ein Symptom, das bisherigen Beobachtungen zufolge besonders häufig auf eine Verschlechterung des Zustandes hindeutet und damit ein Alarmsignal ist, ist die Kurzatmigkeit.

Corona schlägt auf den Magen

Covid-19-Beschwerden können auch Magen und Darm betreffen. Es tritt die bereits angesprochene Appetitlosigkeit auf, aber auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall – oft als Vorboten der Erkrankung. "Das Virus befällt auch Darmzellen. Selten kann es vorkommen, dass Betroffene ausschließlich gastrointestinale Beschwerden bekommen. Je nach Symptomregister treten sie bei 4 bis 30 Prozent der Patienten auf."

Vor allem Jüngere mit mildem Verlauf können juckende, schmerzhafte Hautveränderungen an Händen und Füßen entwickeln, die Frostbeulen ähneln. "Covid-Zehen" sind selten und verschwinden meist binnen zwölf Tagen. "Über die genaue Ursache wird noch spekuliert." Denkbar sei eine Entzündung der Blutgefäße. Sie tragen ebenfalls Rezeptoren, an die SARS-CoV-2 andocken kann.

Plausibel erscheint auch, dass kleine Thrombosen (Gefäßverschlüsse bzw. kleine Blutgerinnsel) verantwortlich sind. "Man weiß, dass Covid-19 auch mit Gerinnungsstörungen im Körper einhergeht." Dass die blauen Zehen durch langes Sitzen während des Lockdowns ausgelöst werden, wie neuere Erhebungen nahelegen, hält Burgmann für wenig wahrscheinlich.

Ein weiteres, besonders eindrückliches Symptom ist der Verlust Geruchs- und Geschmackssinns, der mittlerweile als guter Indikator für eine Corona-Infektion gilt, wie Forscher des University College London erst kürzlich befanden. "Theoretisch kann das auch bei anderen Infektionskrankheiten vorkommen", sagt Burgmann, "aber es tritt bei Corona stark gehäuft, ausgeprägt und auch ohne verschleimte Nase auf". Ursache dürfte der direkte Effekt des Virus auf die Zellen in der Nasenschleimhaut sein.

Auch über geschwollene und tränende Augen wird berichtet. Eine Infektion kann auch durch Lichtempfindlichkeit und Reizung verursacht werden. "Dabei handelt es sich um Ausdrucksformen einer Bindehautentzündung. Es gibt die Vermutung, dass man sich über die Augen ansteckt und zu Beginn der Infektion dort Probleme auftreten. Oder es ist Ausdruck des sich im Körper ausbreitenden Virus, der verschiedene Areale in Beschlag nimmt."

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