I'm ready to fall asleep

Chronische Erschöpfung ist nach Corona häufig. Ob sie eine Langzeitfolge der Erkrankung ist, ist noch unklar.

© Getty Images / Dean Mitchell/istockphoto

Wissen Gesundheit
10/01/2020

Physische Nachwehen von Covid-19: Müdigkeit als neue Spätfolge

Corona-Genesene könnten mit chronischer Erschöpfung zu kämpfen haben. Für eine abschließende Bewertung ist die Datenlage noch zu dünn.

von Ingrid Teufl

Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit: Viele von Covid-19 Genesene klagen noch Wochen nach der Erkrankung über diese Symptome. Forscher des St. Jame’s Hospital und des Trinity College in Dublin haben diese nun näher untersucht. Der Anlass: Während die Merkmale der SARS-CoV-2-Infektion bereits gut charakterisiert sind, „bleiben die mittel- und langfristigen Folgen einer Infektion unerforscht“, erklären die Wissenschafter.

In ihrer kleinen Studie, die noch nicht von unabhängigen Fachexperten begutachtet wurde, berichteten die Hälfte der Teilnehmer von anhaltender Müdigkeit – unabhängig von der Schwere ihrer Erkrankung. Die Forscher hatten 128 genesene Covid-19-Patienten (Altersschnitt 50 Jahre) untersucht. 52 Prozent berichteten teils zehn Wochen nach dem offiziellen Ende ihrer Krankheit von anhaltender Müdigkeit. 67 Prozent davon waren Frauen.

Aus den Dubliner Erkenntnissen bereits eine weitere Langzeitfolge abzuleiten, halten unbeteiligte Experten für verfrüht.

Bei Infektionen häufig

Ermüdung ist auch bei anderen Infektionskrankheiten als Symptom bekannt, sagt Thomas Berger, Leiter der Klinik für Neurologie, MedUni/AKH Wien. „Das ist bei Grippe so und höchstwahrscheinlich auch bei Covid-19. Aber es ist keine Langzeitfolge, sondern steht in Zusammenhang mit der Erkrankung.“ Liegt jemand zwei Wochen mit einer schweren Grippe flach, sei klar, „dass man danach noch angeschlagen ist“. Bei Patienten, die Wochen auf der Intensivstation verbrachten, erst recht.

Nach etwas mehr als sechs Monaten mit der Covid-19-Pandemie wird zwar zunehmend klarer, dass mit einer überstandenen Infektion mitunter auch Beeinträchtigungen an verschiedenen Organen auftreten können. „Dennoch ist es zum derzeitigen Zeitpunkt noch viel zu früh, seriös von Langzeitfolgen zu sprechen“, betont Berger.

Über anhaltende Müdigkeit wurde im Verlauf der Pandemie bereits öfter berichtet – etwa in einer italienischen Untersuchung (143 Probanden) und an der Medizinischen Hochschule Hannover. In der Welt der Medizin heißt das wenig, sagt Berger: „Es gibt mehr als 2.000 Publikationen, zum Teil mit sehr kleinen Teilnehmerkollektiven. Man müsste sich diese erst genauer anschauen, ob die Plausibilität tatsächlich zutrifft.

Geruchssinn

Was tatsächlich hinter der intensiven Müdigkeit steckt, ist noch unklar. Die Möglichkeit chronischer Erschöpfung als Covid-Folgeerscheinung müsse aber im Auge behalten werden, betonen die irischen Forscher.

Ähnlich verhält es sich beim längerfristigen Verlust des Geschmackssinns. Ein beträchtlicher Teil der Genesenen leidet bis zu zehn Wochen nach überstandener Krankheit daran. US-Ärzte der „Taste and Smell Clinic“ in Washington DC gehen davon aus, dass es Monate dauern könnte, bis der Geruchssinn wiederhergestellt ist. Für den Verlust dürfte eine direkte und sehr langwierige Infektion der Geruchs- und Geschmacksnerven dafür verantwortlich sein.

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