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Wissen Gesundheit
08/27/2020

Gratis-Impfung in Wien: Ein Nachteil für andere Bundesländer?

Influenza: Bundesländer beklagen, dass durch den Impfstoff-Großeinkauf der Stadt Wien weniger Impfstoff für sie verfügbar sei. Wien weist das zurück.

von Ernst Mauritz, Ingrid Teufl

Gibt es für acht Bundesländer weniger Grippe-Impfstoff, weil Wien für seine kostenlose Impfaktion so viel bestellt hat? Insgesamt sollen heuer für Österreich rund 1,1 Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen (750.000 wurden in der vorigen Saison verkauft). In dieser Menge sind 200.000 kostenfreie Kinderimpfungen für ganz Österreich enthalten und die Großbestellung von Wien aus dem Frühjahr mit rund 320.000 Dosen (zusätzlich zu bereits im Vorjahr bestellten 40.000 Dosen).

Viele Apotheken beziehen ihre Influenza-Impfstoffe über eines der Mitglieder des Verbands der Arzneimittelvollgroßhändler (Phago). „Vergangenes Jahr bekamen wir von Herstellern eine Zusage über 360.000 Dosen, heuer sind es nur rund 305.000 Dosen“, sagt Phago-Generalsekretärin Monika Vögele. „Demgegenüber sind aber die Bestellungen der Apotheken bei uns ein Vielfaches höher.“

Für die Apotheken werden heuer rund 100.000 Impfdosen weniger zur Verfügung stehen, schätzt Gerhard Kobinger, Präsident der steirischen Kammer. – „Wien hat sich ein riesiges Kontingent reserviert, andere Bundesländer haben das Nachsehen“, sagt die Grazer Ärztin Constanze Dennig. „Ich kann für meine Patienten keinen Impfstoff mehr vorbestellen – darunter auch solche mit schwachem Immunsystem.“ Die burgenländische Ärztin Susanne Schmid ist direkt: „Müssen schwerkranke Burgenländer an Influenza sterben, weil Wien Wahlkampf hat? Und seit wann bestellt ein Bundesland so große Impfstoffmengen? Dieser Alleingang ist nicht akzeptabel. “

„Die Gemeinde Wien hat sehr frühzeitig im heurigen Jahr begonnen, mit einzelnen Herstellern zu sprechen“, sagt Renée Gallo-Daniel, Präsidentin des Verbandes der Impfstoffhersteller. „Andere Bundesländer haben das nicht gemacht." Und aus Sicht der Hersteller sei es zu verstehen, dass sie ihre Impfstoffe verkaufen: "

Bis zur Corona-Krise hat man sich in Österreich nicht um die Influenza-Impfung gekümmert.“

Viele Apotheken reservieren Impfstoff. Kobinger: „Die Listen sind teils elendslang, die Nachfrage der Kunden ist um ein Vielfaches höher als in den Vorjahren. Gleichzeitig wissen die Apotheken nicht, ob sie die Mengen, die sie bestellt haben, bekommen.“

„Wir können diese Vorwürfe nicht nachvollziehen“, heißt es im Büro des Wiener Gesundheitsstadtrats Peter Hacker: „Die Stadt Wien hat im April über die Bundesbeschaffung GmbH weitere Dosen angekauft. Und die hat am Weltmarkt eingekauft. Es wurde daher nicht ein ,Österreich-Kontingent‘ geschmälert, sondern Impfstoff am Weltmarkt eingekauft, der verfügbar war. Hätte Wien das zu diesem Zeitpunkt nicht gemacht, hätten es andere getan. Die Bundesländer hätten ohne die Wiener Einkäufe nicht mehr Dosen über den Weltmarkt erhalten, sondern wahrscheinlich genauso viele wie jetzt. Der Impfstoff wäre jedenfalls weg gewesen.“ Man gehe davon aus, dass die gesamte Menge in Wien benötigt werde.

Geimpft werde in Wien in mehreren Impfzentren, auch Ärztinnen und Ärzte aus dem niedergelassenen Bereich werden sich an der Gratis-Impfaktion der Stadt Wien beteiligen.

Im Gesundheitsministerium hofft man, sich noch weitere Dosen für das kostenfreie Kinderimpfkonzept sichern zu können. Wenn das gelinge, könnte „bereits reservierter Impfstoff im pädiatrischen Bereich wieder zur Verfügung stehen und dadurch die Situation entschärft werden“. Ein möglicher Corona-Impfstoff soll jedenfalls für alle in Österreich lebenden Menschen zugänglich sein.

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