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Wissen Gesundheit
08/11/2020

Expertin erklärt, worauf es bei der Grippe-Impfung ankommt

Impfung macht Immunsystem fit zur Abwehr. Falschmeinungen beruhen häufig nur auf Einzelstudien.

von Ingrid Teufl

Über den Nutzen der Grippe-Impfung wurde schon vor Corona diskutiert. "Hauptargumente sind, dass die Impfung gar nichts nützt oder die Erkrankung verschlimmert", sagt Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien. Auch die Aussage, dass die Impfung das Immunsystem schwäche, taucht regelmäßig auf. 

Falsche Interpretation

Wiedermann-Schmidt: "Es ist eine völlig falsche Interpretation, dass die Grippe-Impfung eine Immunsuppression hervorruft. Da passieren keine Kollateralschäden am Immunsystem." Die menschliche Immunabwehr sei viel zu vielschichtig angelegt, um durch eine einzelne Impfung komplett geschwächt zu werden. "Wenn dem so wäre, würde jede Krankheit, jeder Schnupfen zur Gefahr, durch die man zehn andere Krankheiten bekommt – weil das Immunsystem ja mit der Bekämpfung des Schnupfens beschäftigt wäre."

Tatsächlich werden durch jede Impfung nur ganz spezielle Zellen angesprochen, die Rezeptoren für den betreffenden Erreger haben. "Eine Impfung ist im Grunde eine Schulung für die Immunzellen des Immunsystems, ohne dass die Krankheit durchgemacht wird. Man macht die Zellen fit für die Abwehr von Feinden." 

Positiv beeinflussen

Das Manko der Influenza-Impfung: "Sie zählt leider nicht zu den effektivsten Impfstoffen, die wir haben, im Gegensatz etwa zu Masern", sagt Wiedermann-Schmidt. Grippe-Viren verändern häufig ihre Oberflächenmoleküle. Tun sie das, wenn bereits der Impfstoff für das jeweilige Jahr produziert wird, passt der Impfstoff nicht mehr exakt. "Das kann die Wirkung reduzieren. Generell hat sich aber gezeigt, dass die Impfung den Verlauf einer Erkrankung positiv beeinflusst." Die Impfstoffe sind aber auf die häufigsten zirkulierenden Viren ausgerichtet. Wer sich jedes Jahr impfen lässt, entwickelt auch eine breitere Immunität gegen die verschiedenen Influenzaviren. "Auch wenn dann der Impfstoff nicht perfekt passen sollte, hat der Körper dennoch Abwehrzellen aktiviert, die besser helfen, als wenn man gar nicht geimpft ist."

Co-Infektionen

Co-Infektionen sprechen für eine Grippe-Impfung. "Wenn sich das SARS-CoV-2-Virus auf eine Influenza-Infektion draufsetzt, kann das schwerere Folgen haben." Dann würden eine Schwächung des Immunsystems und schwere Verlaufsformen drohen. "Wenn wir einen Impfstoff haben, ist impfen immer besser, als eine Erkrankung durchzumachen." Je mehr gegen Influenza geimpft sind, desto mehr Ressourcen kann man für Corona freihalten.

Falschmeinungen in der Bevölkerung führt sie auf den Impfzeitpunkt zurück. "Zu dieser Zeit sind auch sehr viele andere Viren im Umlauf, die grippale Infekte verursachen. Es kann auch sein, dass durch die Impfung die Reaktion einer gerade stattfindenden Infektion mit einem anderen Virus beeinflusst wird." Manche glauben dann an eine Folge der Impfung. 

Falsche Interpretation

Dazu kommen falsche Interpretationen von Studien auf alternativen Portalen.

"Oft werden einzelne Studien herausgepickt. Ein Beispiel: Es wird etwa eine Studie mit nur 150 Kindern angeführt. Da könne man nur von einer Beobachtungsstudie in einer Saison sprechen. "Um eine generelle Aussage über die Wirksamkeit zu treffen, müssten mehrere Studien mit größeren Kollektiven über mehrere Saisonen hinweg beurteilt werden." Und sie ist aus dem Jahr 2012. "Die Studie hat sich auf einen inaktivierten Dreifachimpfstoff aus diesem Jahr bezogen. Mittlerweile gibt es für Kinder Lebendimpfstoffe im Programm. Wir wissen, dass das Immunsystem sehr gut darauf anspricht.“ Sie betont, dass Impfempfehlungen und nationale Impfpläne „nicht auf Einzelinterpretationen" beruhen. "Da gibt es entsprechende Evaluierungen von vielen Studien, die über einen längeren Zeitraum durchgeführt wurden. Der Sinn nationaler Impfgremien ist, die Evidenz für eine Empfehlung  großflächig auszurichten."  

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