Verantwortung gefragt: Teenager können das Virus in ihre Familie tragen.

© EPA/SASCHA STEINBACH

Wissen Gesundheit
09/08/2020

Expertensicht: Was passiert, wenn das Virus auf Teenager trifft?

Was der wissenschaftliche Status quo über Jugendliche in der Corona-Pandemie verrät.

von Marlene Patsalidis

Virologe Norbert Nowotny kann dem Salzburger Jungschar-Cluster auch etwas Gutes abgewinnen: "Man muss froh sein, dass der bayrische Jugendliche vor Ort Symptome gezeigt hat", sagt er. Der Infektionsherd wäre sonst womöglich nicht aufgefallen; der Heranwachsende hätte andere unbemerkt anstecken können.

Der Vorfall rückt die Rolle von Jugendlichen, die jünger als 18 Jahre sind, im Infektionsgeschehen in den Fokus. Das Wissen darüber wächst, bestätigt Nowotny: "Grob zusammenfassend kann man sagen, dass Kinder unter zehn Jahren, sprich Kindergarten- und Volksschulkinder, keine hochinfektiösen Verbreiter sind." Auch ältere Kinder zeigen im Vergleich zu Erwachsenen häufiger keine Corona-Beschwerden, "dürften aber – mit steigendem Alter – nahezu so ansteckend sein wie Erwachsene".

Zu diesem Schluss kommen auch Forscher aus Südkorea. Ende Juli publizierten sie Studienergebnisse, die vermuten lassen, dass Jugendliche Covid-19 ähnlich stark verbreiten können wie Erwachsene. Frühere Arbeiten waren hier noch zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gekommen. Infektiologe Herwig Kollaritsch gibt zu bedenken: "In Österreich haben wir so gut wie keine großen Cluster, die von Jugendlichen ausgehen, egal in welchem Setting." Teenager seien epidemiologisch faktisch wenig bedeutsam – "vorrangig deshalb, weil sich mehr und mehr zeigt, dass Symptomlose das Virus in geringerem Maß weitertragen".

Kollaritsch betont auch den mechanischen Faktor der Atmung: "Kinder und auch jüngere Jugendliche verfügen über ein geringeres Lungenvolumen, die ausgestoßenen, potenziell infektiösen Tröpfchen und Aerosole werden in einem kleineren Radius verbreitet."

Wachsam bleiben

Dass sich zwischen den Generationen Unterschiede offenbaren, sei laut Nowotny nichts Ungewöhnliches. "Masern, Mumps, Röteln oder Feuchtblattern zum Beispiel waren vor der Einführung von Impfungen weit verbreitete Viruskrankheiten bei Kindern. Wahrscheinlicher Grund dafür sind jene Strukturen, über die die Viren in den Körper eindringen und die sich im entwickelnden Organismus noch anders darstellen als im erwachsenen." Bei SARS-CoV-2 scheint es umgekehrt zu sein.

Ausschlaggebend dafür ist laut Kollaritsch, dass das SARS-CoV-2 schlechter in ihre Körperzellen eindringen und sich darin vermehren kann. Dass in den kommenden Monaten der eine oder andere Teenager-Cluster entstehen könnte, schließen beide Experten nicht aus. Kollaritsch: "Wenn die Infektionszahlen in der Bevölkerung in großem Stil zunehmen, werden wir vermehrt Jugendlichen-Cluster sehen. Im Konzert aller Infektionen werden ihnen wohl weiterhin die leiseren Töne zuordenbar sein."

Mit ihrem Sozialverhalten können Jugendliche das leider durchaus wettmachen: "Je älter Jugendliche werden, desto mehr gleicht sich ihre Infektionsreaktion an die der Erwachsenen an. Wenn sie vulnerable Gruppen schützen wollen, müssen sie Verantwortungsgefühl zeigen."

Im angelaufenen Schulbetrieb gelte es, die Oberstufen im Auge zu behalten: "Und notfalls mit schärferen Maßnahmen nachzujustieren."

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