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Wissen Gesundheit
08/13/2020

Covid-19: Experten orten demografische Verschiebung zu Jüngeren

Das ist mit ein Grund für weniger Spitalsaufenthalte. Aber keine Anhaltspunkte für geringere Infektiosität.

von Ingrid Teufl

Der Eindruck täuscht nicht: In den vergangenen Wochen zeigte sich bei den Infektionen mit SARS-CoV-2 tatsächlich eine demografische Verschiebung. "Sie ist augenfällig. Wir sehen mehr Infektionen bei Jüngeren", sagt Virologe Herwig Kollaritsch.

Es habe sich gezeigt, dass es in dieser Gruppe seltener zu schweren Verläufen kommt. "Das hat auch Auswirkungen auf Spitalseinweisungen und Sterblichkeit." Dazu kommt, dass nun auch mehr getestet wird als zu Beginn der Pandemie, ergänzt Virologe Heinz Burgmann, MedUni Wien. "Wenn man mehr testet, findet man auch mehr atypische Infektionen. Das verändert das Kollektiv."

Weniger Hospitalisierungen

Ein weiteres Indiz für die derzeit glücklicherweise niedrigen Hospitalisierungen: Die jüngsten Cluster traten nicht in den gefürchteten Settings von Alters- oder Pflegeheimen auf. Die demografische Verschiebung habe nur einen Haken: "Gerade in der jüngeren Population verlaufen viele Infektionen asymptomatisch. Das heißt, sie können das Virus in vulnerable Personengruppen weitertragen", sagt Kollaritsch.

Dass jüngere Menschen möglicherweise besser mit einer Corona-Infektion fertigwerden, legt auch eine aktuelle Studie von afrikanischen und europäischen Forschern, darunter der Wiener Tropenmediziner Bertrand Lell von der MedUni Wien, im Fachjournal Science nahe. Dass der Kontinent bisher weniger stark als befürchtet von der Pandemie getroffen wurde, könnte unter anderem an der Altersstruktur liegen.

Das durchschnittliche Alter beträgt in Afrika 19,7 Jahre, in Amerika 38,6. Einen weiteren Ansatz sehen die Forscher in der generell größeren Häufigkeit von Infektionskrankheiten, die das Immunsystem der Bevölkerung verändern. Angesichts der noch mangelnden Datenlage könnten aber noch keine endgültigen Schlüsse daraus abgeleitet werden.

Virus nicht verharmlosen

Virologe Burgmann warnt aber generell davor, das Virus zu verharmlosen. "Es ist nicht weg. Die Durchseuchungsrate liegt bei einem Prozent. Das heißt, wir haben eine sehr empfindliche Bevölkerung." Dazu kommt, dass eine Covid-19-Erkrankung auch bei Jüngeren schwer verlaufen kann. "Es stimmt nicht, dass das bei dieser Gruppe nur wie ein Schnupfen ist. Wir sehen genauso schwere Verläufe."

Welche Erfahrungen man aus dem Sommer in den Herbst mitnehme, skizziert der Experte folgendermaßen: "Man sieht, dass es immer wieder Herde gibt, wo das Virus auftritt. Wenn die Umgebung passt – etwa Indoor mit vielen Menschen sowie wenig Abstand und Luftzirkulation –, steigt die Möglichkeit, dass es sich schnell ausbreitet.

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