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08/13/2020

Wie das Coronavirus die Generationen verändert

Umfrage: Räumlich voneinander getrennt, kamen sich auffallend viele Junge und Alte in der Krise näher.

von Uwe Mauch

„Die Corona-Krise hat zu einer physischen, aber nicht zu einer sozialen Distanzierung geführt“, betont die Soziologin Valeria Bordone von der Universität Wien. Bordone beruft sich dabei auf eine groß angelegte Umfrage in jenen drei europäischen Ländern, die speziell in der Anfangszeit am meisten von der Pandemie betroffen waren: Italien, Spanien und Frankreich.

Gemeinsam mit Statistikern und Politologen aus Barcelona und Florenz hat die Wiener Soziologin 9.000 Menschen online befragt. Das Ergebnis sei besser als viele erwarten würden: „Mithilfe der sozialen Medien hat es mehr Gespräche zwischen den Generationen gegeben als je zuvor.“

Öfters im Gespräch

Unter den Befragten zwischen 18 und 25 Jahren gab fast ein Drittel an, regelmäßig mit den eigenen Großeltern telefoniert zu haben. Gleichzeitig hat die ältere Generation aus ihrer Not im Frühjahr eine Tugend gemacht und war plötzlich bereit, mit der Hilfe ihrer Nachfahren zum Beispiel die Videotelefonie zu erlernen.

Ob sich die Alten und die Jungen bei ihren regelmäßigen privaten Konferenzen via soziale Medien näher gekommen sind, wagt Valeria Bordone nicht mit Sicherheit zu beurteilen: „Wir wissen ja nicht, was sie miteinander gesprochen haben.“

Außerdem fanden die Forscher heraus, dass alle Generationen ihre Sozialkontakte teilweise empfindlich einschränken mussten. „Das war auch für die Jüngeren durchaus ein Problem“, erklärt die Soziologin. „Bei unserer Umfrage gaben etwa viele 15- bis 18-Jährige an, sich nach dem Lockdown alleine gefühlt zu haben.“

Ältere Menschen litten wiederum mehr unter der Entmündigung, wie der in Wien tätige Biografieforscher Gert Dressel betont: „Vor allem in den ersten Wochen nach dem Lockdown hat kaum jemand gefragt, was die Kontaktsperre mit ihnen macht.“ Was auch zu Kollateralschäden geführt hat: „Es gibt ja nicht nur eine virologische oder physische, sondern immer auch eine soziale und psychische Gesundheit.“

Die Alten setzen sich im Supermarkt über die Verordnungen hinweg, war speziell im Frühjahr oft zu hören. Die Jungen feiern ohne Maß und Ziel ihre Corona-Partys, wird jetzt gerne gesagt. Solche Unkenrufe haben das gesellschaftliche Klima erwartungsgemäß nicht verbessert, im Gegenteil.

Gleichzeitig gab es aber überall viel Nachbarschaftshilfe, nicht nur in Österreich. Hier aber strukturierter als etwa in Italien: „Wir haben in den vergangenen Monaten viele Telefonbeziehungen zwischen jungen und alten Menschen initiiert“, erzählt Gert Dressel, der in Wien-Josefstadt für die Initiative „Achtsamer Achter“ im Einsatz ist. Auch das Einkaufengehen für ältere Nachbarn hat zu Beginn der Krise gut funktioniert.

Jene, die mehr soziale Kontakte hatten, fühlten sich übrigens besser als andere. Auch das zeigte die große Corona-Umfrage.

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