Intensivstation im LKH Hall: Zwei junge, und bisher gesunde Menschen rangen dort mehrere Wochen lang um ihr Leben. Jetzt sind sie über den Berg.

© Tirol Kliniken

Wissen Gesundheit
04/22/2020

So heftig können auch junge gesunde Menschen erkranken

Im LKH Hall waren zwei junge Menschen wegen Covid-19 wochenlang in Lebensgefahr. Risikofaktoren hatten sie keine. Jetzt sind sie über den Berg.

von Ernst Mauritz

„Es war ein langer Kampf für die Patienten. Und für das Team der Intensivstation ist es ein gewaltiges Erfolgserlebnis.“ Ivo Graziadei, Leiter der Abteilung für Innere Medizin im Landeskrankenhaus Hall der Tirol Kliniken, ist erleichtert: In der letzten Märzwoche wurden auf der Intensivstation eine 44-jährige Frau und ein 27-jähriger Mann aus Südtirol mit einer schweren Covid-19-Erkrankung aufgenommen. Beide mussten bereits beatmet werden, beide hatten keine relevanten Vorerkrankungen bzw. Risikofaktoren. „Trotzdem waren beide wochenlang in Lebensgefahr.“ Jetzt konnte die Frau entlassen, der Mann wurde auf eine Normalstation verlegt werden. „Wir sind alle sehr glücklich und auch stolz.“

Graziadei ist selbst Intensivmediziner, war 20 Jahre lang an der Uniklinik in Innsbruck: „Aber so schwer kranke Patienten habe ich selten gesehen. Die beiden hatten schwerste Lungenveränderungen, heftige Entzündungen, auch andere Organe waren beeinträchtigt.“

Der 27-jährige Mann hatte vor seiner ersten Spitalsaufnahme in Bozen bereits eine Woche lang Fieber und Husten: "Aber dann ist sein Zustand plötzlich ganz schlecht geworden."

Dem Team der Intensivstation im LKH Hall gelang es, die von Südtirol übernommenen Patienten zu stabilisieren. „Auch einige der experimentellen Therapien haben wir eingesetzt.“ Was aber ungewöhnlich ist: „Es kann bei schweren Covid-19-Infektionen einen wellenförmigen Verlauf geben. Ein paar Mal waren wir fest überzeugt: Jetzt geht es endlich aufwärts, das Lungenröntgen sieht besser aus, die Laborwerte werden besser. Teilweise war schon eine selbstständige Atmung möglich, lediglich eine Atemunterstützung war noch notwendig, und dann steigen plötzlich wieder die Entzündungsmarker, wir müssen wieder intensiver beatmen, mehr Narkosemittel geben, und niemand weiß warum.“

Aggressiver als Grippe

Angesichts solcher extrem schwieriger Situationen ärgert sich Graziadei, „wenn behauptet wird, Covid-19 sei nicht schlimmer als die jährliche Grippe“. „Derart aggressive Influenza-Verläufe habe ich eigentlich nie gesehen. Mir ist nur ein einziger ganz schwerer Influenzapatient bekannt, den wir nach Innsbruck überstellen mussten. Insgesamt waren es in den vergangenen zwei Jahren an die sieben Influenzakranke, die beatmet werden mussten. Aber so viele beatmungspflichtige Covid-19-Patienten hatten wir alleine in den vergangenen fünf Wochen, insgesamt waren bisher 35 schwer Erkrankte auf unserer Intensivstation. Wir waren über Wochen voll. Und schon gar nicht kommen drei Wochen künstliche Beatmung bei jungen Influenza-Patienten vor – mit jung meine ich Menschen unter 60.“

Der Primararzt will junge Menschen vor leichtsinnigem Verhalten warnen: „Es stimmt nicht, dass Junge immer leicht erkranken. Ja, oft ist das der Fall. Aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Die Wahrscheinlichkeit für derart schwere Krankheitsverläufe bei jüngeren Menschen ist sicher gering - aber sie ist nicht null."

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